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| Table of contents |
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2 Antisemitische Schriften 3 Stimmen gegen den Antisemitismus 4 Siehe auch 5 Progrome und Ausschreitungen |
Theologisch problematisch war Absolutheitsanspruch der Kirche, die in ihrer Lehre den allein wahren Weg zu Gott sah. Die gravierenden Unterschiede im Messiasglauben der Christen und des rabbinischen Judentums führten zu immer wiederkeherender Konfrontation.
Die infolge der Reformation verstärkt betriebene Rückbesinnung auf den Text der Bibel führte gerade bei einigen Reformatoren zur Entwicklung antisemtischer Gedanken.
Über die Arbeitsmoral der Juden auf Kosten der Christen heißt es da u.a.: Nach diesem tun die Juden den ganzen Tag nichts. Wenn sie bedürfen einzuheizen, Licht anzuzünden, Kühe zu melken etc., nehmen sie etwa einen einfältigen armen Christen, der ihnen solches tue. Des berühmen sie sich, sie bilden sich ein, sie seine also Herren und die Christen ihre Knechte, sprechen, sie haben noch das wahre Regiment und die Herrschaft, sintemal die Christen ihnen dienten in aller Arbeit und sie müßig liegen.
Auch über die Schuld der Juden an politischen Nöten und Zwistigkeiten hat Margaritha ein bekanntes Denkmuster weiter profiliert: Die Juden frohlocken sehr, wenn sich ein Krieg in der Christenheit vor allem durch den Türken erhebt. Dann beten sie weiter gegen alle Obrigkeit der Christen. Sie können nicht leugnen, dass ihr Fluche auf die jetzigen christlichen Königreiche und das Kaisertum gehe.
Bucer greift die Sichtweise Margarithas auf und gibt in seinem Ratgeber für den Umgang mit Juden die Anweisung: ?ir Recht ist jnen von dem Barmhertzigen Gott vff erlegt, das sie bey den volkern, bey denen sie wonen, die vndersten und der schwanz sein vnd am aller herttestenn gehalten werden sollenn.
Luther ließ sich insbesondere die Schriften des Antonius Margaritha bei Tisch vorlesen.
Er forderte, den Juden ihre Synagogen und Häuser zu zerstören, sie in Ställen unterzubringen, zu harter Arbeit zu zwingen, ihnen Silber und Gold und ihre Bücher zu rauben und ihren Rabbinern das Lehren zu verbieten. Auch Deportation von Juden begrüßte er.
In seinem Werk "Von den Juden und iren Lügen" 1543 greift er die jüdischen Geistlichen an, die Jugend zu verderben, da sie die Ankunft des Messias erst nach Christus in Aussicht stellten. Aber ire verdampte Rabinen / so es wol anders wissen / ir arme Jugendt und gemeinen Man / so mutwilliglich vergifften / und von der warheit abwenden ... sie sollten ire Rabinen alle steinigen und erger hassen / denn sie uns Christen thun.
Luther fungiert aufgrund seiner literarischen Fähigkeiten nach Lage der Dinge eher als Sammler und Verstärker des vielfältigen ihm wohlbekannten antisemitischen Gedankengutes seiner Zeit. Er funktionalisiert alle verfügbaren Argumente und Gehässigkeiten um in seine Verurteilung der Juden wegen ihrer "Verstockung". Zu klären bliebe, ob und welche eigenständigen Gedankengänge aus Luthers Sicht im antisemitischen Konzert seiner Zeit heraus ragen.
Zu dem hinsichtlich der Juden besonneneren Flügel der Reformatoren zählte Philipp Melanchthon, der 1539 auf dem Ständetag in Frankfurt die Unschuld von 38 Juden belegte, die 1510 wegen Hostiendiebstahls verbrannt wurden. Besonders ist auch Andreas Osiander hervorzuheben, der in einer (von den Zeitgenossen bald identifizierten anonymen) Flugschrift ("Ob es wahr und glaublich sey, daß die Juden der Christen kindt heymlich erwürgen und ihr Blut gebrauchen, ") 1540 engagiert und hoch differenziert gegen antisemitische Vorwürfe des Ritualmordes vorgeht und schließlich zusammenfasst: "Wer aber will so teuflische Hirngespinste glauben, die gegen Gottes Wort, die Natur und alle Vernunft sind?"
Antisemitisches Gedankengut
Mehrere Gruppen von Antisemiten sind zu nennen, die (zunächst) in Wort und Schrift gegen die Juden vorgingen:
Insgesamt baut das antisemitische Gedankengut auf den Ideen des Mittelalters auf: siehe auch: Antisemitismus (Früh- und Hochmittelalter)
Legendenbildung
Antisemtische Gedanken erscheinen auf verschiedene Weise. Zunächst gab es Formen der Antisemtische Legendenbildung, die in Antisemitische (Propaganda)-Schriften einfließen und von diesen wiederum weitergetragen werden. Typische Anschuldigungen sind etwa:
Da das Mittelalter war eine Zeit der Seuchen und des Aberglaubens war, fielen diese Anschuldigungen auf fruchtbaren Boden."wissenschaftlicher" Antisemtismus
Des weiteren wurden antisemtische Gedanken auch wissenschaftlich-theologisch entwickelt. Basis waren die Bibel und sie auslegende theologische Schriften. Folgende Gedanken stehen im Vordergrund:
In Verbindung mit Stellen des Alten Testaments konnte aus den oben aufgeführten Stellen der Bibel die These der Verstocktheit der Juden gegen ihre Bekehrung entwickelt werden. Diese Verstocktheit wurde allen Juden, gleichsam als Wesensmerkmal zugesprochen.Antisemitische Schriften
Die im folgenden aufgeführte Auswahl antisemitischer Schriften soll einen Überblick über die weite Verbreitung antisemitischer Gedanken in der Geisteswelt von Spätmittelalter, Rainessance und Früher Neuzeit geben. Dennoch bleibt zu beachten, dass der Antisemitismus nicht bei jedem der Genannten Hauptanliegen war. Genauere Angaben zu Leben und Werk finden sich in den jeweiligen Biographien.Der Hexenhammer
Die Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris verfassten den Hexenhammer, eine durch den soeben erfundenen Buchdruck in gewaltiger Menge verbreiteten Hexenbulle (von 1487 bis 1609 29 Auflagen!). Dieses Werk bildete die Grundlage nicht nur der Hexen-, sondern auch einer breit angelegten JudenverfolgungWeitere Autoren
Als weitere Autoren traten mit judenfeindlichen Schriften in Erscheinung:
Antonius Margaritha
Eine besondere Rolle für die theoretischen Grundlagen des frühneuzeitlichen Antisemitismus legt 1531 Antonius Margaritha in Leipzig in der Schrift Der gantz judisch Glaub und fasst dort zusammen: "In summa kein Jud will keynem Christen wol." Martin Bucer
Der Reformator Martin Bucer versteigt sich 1539 zu der einer Handlungsanleitung für ein Nutztier vergleichbaren Schrift, "von den jude / ob un wie die unde den Christe zu halten sind". Martin Luther
Martin Luther versuchte anfangs, die Juden zum Christentum zu bekehren, z.B. in seiner Schrift Dass Jesus ein Geborner Jude Sei (1523). Nachdem ihm das nicht gelang, wandelte sich seine Einstellung in den letzten Lebensjahren zu einem Judenhass, der in den Schriften "Brief wider die Sabbather an einen guten Freund" (1538), oder "Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi" (1544) zum Ausdruck kam. Stimmen gegen den Antisemitismus
Trotz des Gewichtes der Stimme Luthers in seinem Umfeld fanden seine antisemitische Auslassungen nicht bei allen Reformatoren ein freundliches Echo. Insbesonder der Schem Hamphoras stießen bei Melanchthon sowie dem Schweizer Reformator Heinrich Bullinger auf Kritik: von einem Schweinehirten, nicht von einem berühmten Seelenhirten geschrieben.Siehe auch
Progrome und Ausschreitungen