Im Surrealismus entwickelte spielerische Methode, eine Art visuelles Gegenstück zur écriture automatique (automatisches Schreiben), denn auch mit dem cadavre exquis entstehen überraschende Botschaften.
Definition von André Breton:
- CADAVRE EXQUIS - Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen zu konstruieren zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann. Das klassisch gewordene Beispiel, das dem Spiel seinen Namen gegeben hat, bildet den ersten Teil eines auf diese Weise gewonnenen Satzes: Le cadavre-exquis-boira-le-vin-nouveau.
(frz. = „Der köstliche Leichnam trinkt-den-neuen-Wein“)
Breton betont des weiteren, dass man im Cadavre exquis über ein unfehlbares Mittel verfüge, das kritische Denken auszuschalten und der metaphorischen Fähigkeit des Geistes freie Bahn zu verschaffen.
Übertragen auf Zeichnungen ginge das so: Mehrere Personen zeichnen einen Körper; die erste zum Beispiel den Kopf, die zweite Oberkörper und Arme, die dritte den Unterleib, die vierte die Beine, die letzte die Füße. Damit keine sieht, was die andere tut, wird nach dem Zeichnen jeweils das Papier gefaltet, nur die Ansätze für den nächsten Abschnitt sind sichtbar. Wird das fertige Bild ausgebreitet, so erscheint ein surreales, skurriles Körperbild, eine Art kollektive Collage.
Beispiele
Le Cadavre Exquis: Zeichnung von Yves Tanguy, Man Ray, Max Morise, Joan Mirò, um 1926
Le Cadavre Exquis: 2 Zeichnungen von Victor Brauner, André Breton, Jacques Herold, Yves Tanguy, 1935