Eisenbahnsignal

Ein Eisenbahnsignal (von lat. signum, 'Zeichen') signalisiert dem Führer von Eisenbahnfahrzeugen Meldungen und Aufträge von der für den Fahrweg zuständigen Stelle (Stellwerk). Grundsätzlich geben Signale Auskunft, ob und in welcher Geschwindigkeit Streckenabschnitte befahren werden können. Die vom Signal angezeigte Meldung wird oft auch als Signal, Signalbild oder Signalbegriff bezeichnet.

In Deutschland sind die zulässigen Signale und deren Bedeutung in der Eisenbahn-Signalordnung (ESO) hinterlegt. Im Signlabuch der Deutschen Bahn AG werden die von der DB AG verwendeten Signale aufgeführt.

Entwicklung

Schon bald nach der Erfindung der Eisenbahn stiegen die Züge, die auf einer Strecke fuhren und deren Geschwindigkeit stark an. Das in der Anfangszeit noch mögliche Fahren auf Sicht wurde bald zu gefährlich, da Eisenbahnzüge sehr lange Bremswege haben und bei hohen Geschwindigkeiten nicht erkennbar ist, ob der zum Bremsen benötigte Streckenabschnitt frei ist, oder gerade durch einen Zug benutzt wird. Um das Kollissionsrisiko zu minimieren wurden Streckenblöcke eingeführt.

Streckenblock

Aus Sicherheitsaspekten werden Eisenbahnstrecken in Abschnitte aufgeteilt, in denen sich jeweils nur ein Zug aufhalten darf, so genannte Streckenblöcke oder Blockabschnitte. Die Länge der Blockabschnitte ist abhängig von der Verkehrsdichte und der Streckenhöchstgeschwindigkeit. In Bahnhofsbereichen etwa sind sie kürzer.

Vor jedem Blockabschnitt steht ein so genanntes Block- oder Hauptsignal (Hp), das 'Halt' zeigt, wenn der folgende Blockabschnitt belegt ist und 'Fahrt', wenn er frei ist, sowie gegenenfalls die Höchstgeschwindigkeit des folgenden Blockabschnitts. Wegen des hohen Bremsweges muss dem Triebfahrzeugführer rechtzeitig vorher signalisiert werden, dass das folgende Signal auf 'Halt' steht. Dazu werden Vorsignale (Vr) im ausreichendem Abstand vor dem eigentlichen Hauptsignal aufgestellt. Auf Hauptstrecken beträgt der Vorsignalabstand 1.000 m, auf Nebenstrecken 700 m. In besonderen Situationen kann der Vorsignalabstand auch verkürzt werden, auf den verkürzten Vorsignalabstand muss aber gesondert hingewiesen werden.

Entstehung von Signalsystemen

In der Frühzeit der Eisenbahn wurden den Lokführern besondere Anweisungen von Bahnangestellt mittels Fahnen oder Lampen signalisiert. Mit steigender Zugzahl wurde das unpraktikabel und es entwickelten sich eine Vielzahl von Signaltafeln und Masten mit beweglichen Signaltafeln, die vom Stellwerk über Seilzüge fernbedient werden konnten. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen Signalen, die den Aussagen über den Weg (freie Strecke, Abzweig) und die Geschwindigkeit machen.

Da der Signalbegriff bei diesen durch die Form vermittelt wird, spricht man von Formsignalen. Bis in die 20er Jahre waren Formsignale aber nur vereinzelt zu finden. Ausgehend von den Stadtschnellbahnen verbreiteten sie sich aber bald auch die wichtigen Hauptstrecken. Durch die Deutsche Reichsbahn wurden in ganz Deutschland einheitliche Form-Hauptsignale und -Vorsignale aufgestellt, die auch heute noch auf vielen Nebenstrecken in Gebrauch sind. Die Formhauptsignale erlauben neben dem Befehl 'Halt' (Hp0) und 'Fahrt' (Hp1) auch den Befehl 'Langsame Fahrt' (Hp2). Formvorsignale zeigen 'Halt erwarten' (Vr0) 'Fahrt erwarten' (Vr1) und 'Langsame Fahrt erwarten' (Vr2).

Ende der 20er Jahre wurde bei der S-Bahn Berlin Signale eingeführt, die die Signalbegriffe nicht über die Form, sondern über farbige Lichtsignale weitergaben. Das so genannte Sv-Signalsystem ist auch heute noch in Berlin und bei der S-Bahn Hamburg in Verwendung.

Basierend auf den Nacht-Leuchtzeichen der Formsignale führte die Deutsche Bundesbahn nach dem Zweiten Weltkrieg das Hp Signalsystem ein, das auf Lichtsignalen aufbaut und bundesweit eingesetzt wurde. Die Zahl der Signalisierungsmöglichkeiten unterschied sich dabei nicht von den Formsignalen.

In der DDR ersetzte die Reichsbahn auf Hauptstrecken Formsignale durch ein eigenes, das Hl-Signalsystem. Hl-Signale sind Kombinationssignale (Ks), d.h. ein Signal zeigt als Hauptsignal die Eigenschaften des folgenden Streckenabschnitts an und als Vorsignal zugleich, was auf dem kommenden Abschnitt zu erwarten ist. Die Hl-Signale erlauben zudem neben 'Halt' und 'Fahrt' die Möglichkeit drei Geschwindigkeitsstufen vorzugeben.

Auch die Deutsche Bundesbahn experimentierte mit Kombinationssignalen und installierte auf der Strecke Augsburg-Donauwörth testweise die Sk-Signale, die ebenfalls Kombinationssignale sind und die konzeptionelle Grundlage für das Ks-Signalsystem bilden, dass die Deutsche Bahn AG seit Mitte der 90er Jahre bei Neu- und Umbauten einsetzt. Ks-Signale sind mittlerweile auf den meisten Hauptstrecken im Einsatz, da sie bei den sich immer mehr verbreitenden elektronischen Stellwerken vorzugsweise eingesetzt werden. Sie erlauben die Signalisierung von beliebigen, durch eine zusätzliche Zahlenanzeige bestimmten, Geschwindigkeiten.

Weitere Signalarten

Hauptsignale werden nicht nur als Blocksignale, sondern auch zu Regelung der Ein- und Ausfahrt (Ein- bzw. Ausfahrtsignal) in Bahnhöfe verwendet. An Haupt- und Vorsignale können Zusatzsignale (Zs) angebracht werden, die ergänzende Angaben über die Fahrstrecke machen (z.B. Gleiswechsel). An Stellen, an denen das Gleis schadhaft ist, oder an Baustellen muss für eine begrenzte Zeit lamgsamer gefahren werden. Hierfür dienen Langsamfahrsignale (Lf), die nur vorübergehend aufgestellt werden. Schutzsignale (Sh) geben Halteaufträge um ein Gleis abzuriegeln, Nebensignale (Ne) geben z.B., in welchem Abstand ein Vorsignal zu erwarten ist, oder wo ein Zug im Bahnhof halten soll. Für Rangierfahrten gelten gesonderte Vorschriften und Rangiersignale (Ra).

Siehe auch: Liste von Signalbegriffen

Weblinks





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