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Es gibt im Christentum keine von allen Konfessionen gleichermaßen anerkanntes Interpretation der Eucharistie. Sowohl beim Abendmahlsverständnis wie auch bei der Zulassungspraxis zum Abendmahl gibt es unter den christlichen Konfessionen sehr unterschiedliche Auffassungen.
Allerdings lassen sich zwei Hauptgruppen des Abendmahlsverständnisses unterscheiden:
Durch die enge Verknüpfung mit Sterben und Tod Jesu (Jesus setzt das Abendmahl kurz vor seinem Tod ein) wird das Abendmahl mit der Vergebung von Sünde und Schuld verbunden. Zugleich ist es das Mahl des Auferstandenen mit den Seinen (Lk. 24,30f) und das Zeichen der anbrechenden Neuen Welt (Mt. 26,29).
Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut immer gegenständlicher aufgefasst. Diese Transsubstantiation wurde im 4. Laterankonzil 1215 zum Dogma erhoben. Seitdem haben sich innerhalb der katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung der Hostie und des Blutes Christi dienen (Zurschaustellung von Hostien in Monstranzen, Fronleichnamsprozession etc.). Berichte von Hostienwundern, etwa blutenden Hostien oder gar der Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe, unterstreichen das Dogma.
Das Sakrament wirkt durch seinen korrekten, der Einsetzung gemäßen Vollzug, ex opere operato. Da Jesu Auftrag, Brot und Wein zu seinem Gedächtnis zu teilen, an die Apostel erging, kann die Konsekration nach katholischer Auffassung nur von geweihten Priestern gültig vollzogen werden.
Für die katholische Kirche ist also in der konsekrierten Hostie Jesus real gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Mahlfeier, weshalb die Hostien im Tabernakel verschlossen und auch als Repräsentation Jesu angebetet werden (vgl. auch Fronleichnam).
Für die katholische Theologie besteht kein Widerspruch zwischen der Tatsache, dass es sich beim Brot und Wein der Eucharistie der Gestalt nach weiter um Brot und Wein handelt, und dem Glauben, dass die letzte, eigentliche Wirklichkeit des eucharistischen Brots und Weins der wirklich gegenwärtige Christus ist. In der traditionellen Sprache der katholischen Theologie: Die Akzidentien (Eigenschaften) sind Brot und Wein, die Substanz, das Wesen ist der Leib und das Blut Christi. Christus ist unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft gegenwärtig.
Wie dieser Glaube unter veränderten weltanschaulichen und philosophischen Bedingungen heute zu verstehen ist, bleibt Gegenstand des gesamtkirchlichen Reflexionsprozesses.
Die Gegenwart der Gläubigen ist für die Feier der Eucharistie ebenso wichtig wie der Priester - eine eucharistische Liturgie ohne die Gläubigen ist so wenig möglich wie ohne Priester. Alle getauften orthodoxen Christen dürfen die Eucharistie empfangen, auch Kleinkinder. Allerdings verlangen einige Kirchen von Erwachsenen Teilnehmern eine vollständige Beichte am Vorabend, was dazu geführt hat, dass in manchen orthodoxen Kirchen die Erwachsenen gewöhnlich nur einige Male im Jahr an der Eucharistie teilnehmen. Es gibt z.Z. Bestrebungen die wöchentliche Teilnahme wieder zur Norm zu machen.
In den Orthodoxen Kirchen werden das Mittelteil eines gesäuerten Brotlaibs und mit 1/3 kochendem Wasser erwärmter Wein verwendet. (Sauerteig gilt als Gleichnis des Reiches Gottes.) Diese werden vor der Ausgabe an die Gläubigen vermischt und die Mischung wird dann auf Löffeln ausgegeben. Bleibt ein Rest, wird dieser vom Priester verzehrt; die Aufbewahrung ist nicht üblich.
Der restliche Teil des Brotlaibs, welcher nicht geweiht wurde, wird nach der Liturgie an die Gläubigen verteilt. Hiervon können auch nicht-Orthodoxe etwas bekommen.
Gegen die Messe führte er an:
Bibelstellen
Das Passamahl wird beschrieben in
Das Abendmahl wird beschrieben in
In der Liturgie sind der Text von Lukas und vom Korintherbrief am gebräuchlichsten.Kirchengeschichte
Abendmahlsverständnis
Hier wird an einigen Beispielen das unterschiedliche Abendmahlsverständnis verschiedener Konfessionen gezeigt:Römisch-katholische Kirche
Wesen der Eucharistiefeier
Nach katholischem Glauben stellt die Eucharistiefeier ein Sühneopfer dar, so lehrt das Konzil von Trient:
Daneben erfährt die Gemeinde in der Eucharistiefeier im Rahmen der Messe die ewig gewährte Gemeinschaft mit dem auferstandenen und verklärten Christus und sagt dafür Dank. Dieser Gedanke wird jedoch als zweitrangig angesehen, die präzise Lehre des Konzils von Trient sagt dazu:
Indem das in der Kirche vereinte Volk Gottes beim Mahl des Herrn den Leib Christi empfängt, wird es selbst zum "Leib Christi".Realpräsenz
Nach katholischer Lehre sind bei der Eucharistie "Leib und Blut Christi wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtig" (Realpräsenz). Durch das vom Priester gesprochene eucharistische Hochgebet, speziell durch die Epiklese (Anrufung des Heiligen Geistes) und die Konsekrationsworte, vollzieht sich die geheimnisvolle Wesensverwandlung von Brot und Wein zum Leib und Blut Christi.Kommunion
Eine Besonderheit der katholischen Eucharistiepraxis seit dem Hochmittelalter war, dass der Kelch von den Laien mehr und mehr gemieden und ihnen schließlich entzogen wurde; nur der Priester trank den Wein, damit nichts vom Blut Jesu verschüttet wurde. Heute ist der Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalt wieder möglich (besonders empfohlen für den Gründonnerstag), wird aber nicht immer und überall praktiziert.Orthodoxe Kirchen
Auch die Orthodoxen Kirchen sind der Auffassung, dass Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi sind (Realpräsenz). Die Liturgie hat Parallelen zum jüdischen Tempelgottesdienst. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Eucharistielehre gibt es für sie jedoch keine konkrete Formel, durch die der Priester die Wandlung vollzieht - das Mysterium des Abendmahls geschieht durch die Liturgie als Ganzes. Auf eine philosophoische Klärung des "wie" der Wandlung wird verzichtet. Die Eucharistie gilt als Opfer, genauer als Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi. Die Teilnahme von nicht-orthodoxen Christen gilt als unmöglich, da nach orthodoxem Glauben der Teilnehmerkreis der Eucharistie (und nichts anderes) die Kirche ist, und nicht-orthodoxe somit quasi automatisch zur Orthodoxen Kirche überträten wenn sie teilnähmen.Lutherische Kirche
Martin Luther hat am römischen Verständnis des Sakramentes an entscheidenden Stellen Kritik geübt und es vom Evangelium her neu zur Geltung gebracht. Seine Kritik betraf das römisch-katholische Verständnis der Messe und die Transsubstantiationslehre.
Luthers Kritik an der römischen Transsubstantiationslehre betraf nicht die Realpräsenz (wirkliche Gegenwart) Christi in den Elementen von Brot und Wein. Darin war er durchaus mit den römischen Theologen einig. Er wandte sich jedoch gegen zwei Aspekte dieser Lehre:
Seine Meinung zur römisch-katholischen Lehre von der bleibenden Präsenz Christi in den konsekrierten Elementen ist sehr differenziert: Luther lehnt es ab, dass das Sakrament entgegen seiner Stiftung verwendet wird, also beispielsweise in der Fronleichnamsprozession. Das Sakrament will ausgeteilt und von den Gläubigen empfangen werden. Allerdings hält Luther an der bleibenden Präsenz Christi in den konsekrierten Elementen fest. Noch weit über Luthers Tod hinaus werden die konsekrierten Hostien in der Monstranz und in einer Sakramentsnische oder einem Tabernakel auch in lutherischen Kirchen aufbewahrt und sorgsam von den unkonsekrierten unterschieden. Luther selbst ließ sogar Pfarrer, die konsekrierte von nichtkonsekrierten Hostien nicht deutlich unterschieden, ihres Amtes entheben und schwer bestrafen. Außerdem zeigt seine persönliche Frömmigkeit seinen Glauben an die bleibende Realpräsenz: Mehrmals tropfte bei Messfeiern etwas vom konsekrierten Wein auf den Boden. Luther warf sich unter Tränen und lautem Stöhnen zu Boden und sog mit dem Mund den Wein vom Boden auf, damit das Blut Christi nicht entweiht würde. Im Anschluss an den Gottesdienst wurden dann die Kleidungsstücke, auf die das Blut Christi getropft war, verbrannt. Auch die Kniebank, die mit dem konsekrierten Wein benetzt worden war, wurde abgehobelt. Die Hobelspäne wurden ebenfalls verbrannt.
Weil Luthers Realpräsenzglaube so konkret war, war es für ihn auch klar, dass im Abendmahl sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen Christi Leib und Blut empfangen. Nicht der Glaube macht das Sakrament, sondern Christi allmächtiges Wort: "Das ist mein Leib - Das ist mein Blut". Er wehrte die These vehement zurück, dass nur für den Gläubigen Christus in Brot und Wein gegenwärtig wäre, da sonst der Gläubige keine Gewissheit und keinen Frieden finden könnte. Das Sakrament schafft den Glauben, nicht umgekehrt.
Im Blick auf die Frage nach der Realpräsenz kam es nach Luthers Tod zu Meinungsverschiedenheiten im Luthertum. Schüler des Theologen Philipp Melanchthon setzten ihre Anschauungen mehr und mehr durch. Der Glaube an die bleibende Präsenz Christi wurde geschwächt oder ging verloren, sicher ganz und gar nicht im Sinne Luthers.
Literatur zur lutherischen Abendmahlslehre:
Wissenschaftlich: Hardt, Tom G.A., Venerabilis et adorabilis Eucharistia. Eine Studie über die lutherische Abendmahlslehre im 16. Jahrhundert, Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Band 42, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1988 (Deutsche Übersetzung von Hardts auf Schwedisch verfasster Dissertation).
Allgemeinverständlich: Diestelmann, Jürgen, Über die Lutherische Messe. Gemeindevorträge und Abhandlungen, Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 1998.
Anglikanische Kirche
Bei den Anglikanernn ist die schwer verständliche Lehre von der Transsubstantiation schon früh ein Stein des Anstoßes gewesen. Zunächst hielt man, nachdem Heinrich VIII mit der katholischen Kirche gebrochen hatte, noch eine Weile an der katholischen Auffassung fest. Doch zwinglianisch-calvinistische Einflüsse sorgten Mitte des 16. Jahrhunderts dafür, dass das Abendmahl nur noch als Erinnerungsmahl an den Tod Christi verstanden wurde, bei dem das Brot zwar den Leib Christi repräsentiere, es aber von den Gläubigen "only after an heavenly and spiritual manner" genossen würde. Radikale anglikanische Theologen verglichen die Vorstellung des Verspeisens des Leibes Christi beim Abendmahl sogar mit Kannibalismus. Erzbischof John Tillotson ging in seinem Discourse against Transubstantiation (1684) so weit, den Begriff hocus pocus vom lateinischen hoc est corpus abzuleiten und schrieb, dass es lächerlich und ein Skandal sei, daran zu glauben, dass man beim Abendmahl das Fleisch des Menschensohns esse und sein Blut trinke: "what can any man do more unworthily towards a friend? How can he possibly use him more barbarously, than to feast upon his living flesh and blood?"
Die anglikanische Kirche erlebte im 19. Jahrhundert allerdings hier eine entscheidende Wende durch die sog. Oxford-Bewegung (John Henry Newman). Die Realpräsenz wurde neu entdeckt, allerdings in einer eher der römisch-katholischen Auffassung nahestehenden Weise. Heute stehen sich in der anglikanischen Kirche beide Auffassungen gegenüber.
Reformierte Kirchen
Kirchen, die der Lehre von Zwingli und Calvin folgen, vertreten die Auffassung, Brot und Wein seien nur Zeichen für Jesus. Wenn Jesus sagt: "Das ist mein Leib", dann sei dieses ist als bedeutet zu verstehen, so Ulrich Zwingli (1484-1531). Das Abendmahl gilt als ein reines Gedächtnismahl zum Gedenken an den Opfertod Christi. Für Zwingli ist das Fleisch nach Joh. 6, 63 "nichts nütze", es könne unseren Geist nicht nähren. Gott handle vielmehr als Geist im Geiste des Menschen. Die Vorstellung von der Transsubstantiation ist für ihn daher ein Wahn. Auch für Calvin sind Brot und Wein beim Abendmahl lediglich "Zeichen und Zeugnisse" der Gegenwart Christi, den wir leiblich aber nur in der "Höhe", im Himmel finden. Dort allein ist er zuhause. Es hat daher keinen Sinn, ihn hier auf Erden im Brot und Wein zu suchen. Erfahrbar wird der himmlische Leib Christi allein durch den Glauben an ihn und durch das Band des Heiligen Geistes.
Dieses Abendmahlsverständnis wird auch von vielen Freikirchen (z.B. Baptisten) geteilt.
Liberale Theologie
Ein zeitgenössisches Verständnis des Abendmahles ist z.B. das des evangelischen Theologen Ernst Lange (1927-1974). Er definiert Abendmahl anhand des Satzes "Geber und Gabe des Abendmahls ist Jesus Christus selbst" folgendermaßen: