Eurotunnel

Der Eurotunnel oder Kanaltunnel ist ein Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal. Er verbindet Cheriton in Kent, in England und in Sangatte in Nordfrankreich. Das lange geplante und sehr kostspieliges Projekt, dem einige frühere Ideen vorangingen, wurde schließlich 1994 durchgeführt.

Table of contents
1 Vorausgehende Versuche
2 Der heutige Tunnel
3 Weblinks

Vorausgehende Versuche

Eine Verbindung zwischen Großbritannien und Frankreich war schon bei vielen Gelegenheiten vorgeschlagen worden. Aber erst im 19. Jahrhundert haben die Ingenieure überhaupt die technische Möglichkeiten bekommen, solch ein Großprojekt realisieren zu können. Es wurden von verschiedenen französischen und britischen Ingenieuren Anträge und Arbeiten über einen Tunnel eingereicht, an dem auch kurz 1880 gearbeitet wurde, die aber wegen einer Überschwemmung wieder eingestellt wurden. Die britische Regierung hatte außerdem große Befürchtungen, dass eine feste Verbindung von den Franzosen als Invasionweg benutzt werden könnte. So wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg die Konzepte erneut überdacht.

Der heutige Tunnel

Planung

1957 wurde die Kanaltunnel-Arbeitsgemeinschaft gebildet. Sie empfahl 1960 einen Bahntunnel mit zwei Hauptröhren und einem kleinerem Service-Tunnel. Das Projekt wurde 1973 gestartet, musste aber wegen der finanziellen Probleme 1975 eingestellt werden.

Im Jahre 1984 wurde die Idee erneut von der britischen und französischen Regierung ausgeschrieben, verbunden mit einem privat finanzierten Bau und Unterhaltung. Von den vier eingegangenen Angeboten wurde der Plan, der dem von 1973 am nächsten kam, ausgewählt und am 20. Januar 1986 verkündet. Der Vertrag wurde durch die zwei Regierungen in Canterbury, Kent am 12. Februar 1986 unterzeichnet und 1987 ratifiziert.

Der geplante Weg des Tunnels sollte von Calais nach Folkestone verlaufen (ein Weg der länger als die kürzeste mögliche Überfahrt ist). Der Tunnel sollte in einer einzigen Kreideschicht verlaufen und dieser folgen, wodurch er tiefer gehen würde als vorangegangene Versuche. auf großen Strecken des Weges ist der Tunnel so fast 40m unter dem Meeresgrund wobei der südliche Abschnitt tiefer ist als der im Norden.

Bau

Mit dem Bau des Tunnels waren 15.000 Arbeiter über sieben Jahren beschäftigt, wobei der Tunnel von beiden Seiten gleichzeitig vorangetrieben wurde. Der Hauptauftragnehmer für den Bau war die Anglo-Französische Konsortium, eine Vereinigung verschiedener Bauunternehmen. Die Ingenieure verwendeten großer Tunnel-Bohrmaschinen (TBMs), bewegliche Aushöhlungfabriken, die das Bohren kombinieren, mit materiellen Abbau und den Prozeß des Abstützens der weichen und durchlässigen Tunnelwände mit Auskleidungselementen. Nachdem das britische und französische TBMs nahe der Mitte eingetroffen waren, wurde das französische TBM abgebaut, während das britische in den Felsen umgeleitet und dort verlassen wurde. Fast 4 Million Kubikmeter Kreide wurden auf der englischen Seite ausgegraben und unter Shakespeare Klippe nahe Folkstone entleert wurde, um 90 Morgen Land vom Meer zurück gewinnen.

Der Kanaltunnel besteht aus drei parallelen Tunneln: zwei Haupttunnel, in denen die Züge jeweils nach Norden bzw. Süden fahren, und ein kleinerer Servicetunnel. Dieser Servicetunnel ist durch Querdurchgängen in regelmäßigen Abständen mit den Haupttunneln verbunden. So bekommt das Wartungspersonal einen sicheren Zugang zum Tunnelkomplex zu und im Notfall können von hier aus Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Weiterhin ist der Servicetunnel zum Abbau der aerodynamischen Schockwelle die sich vor dem Zug aufbaut notwendig, damit dieser auch mit voller Geschwindigkeit reist durch den Haupttunnel fahren kann.

Fertigstellung

Am 1.Dezember trafen sich die beiden Tunnelröhren dort ,wo heute eine der "Überkreuzungshallen" sich befindet, in der die Züge von einer Hauptröhre in die andere ausweichen können. Damit war es zum ersten Mal seit dem Ende der letzten Eiszeit vor über 13.000 Jahren wieder trockenen Fußes vom Festland Europas nach Großbritanniens zu gehen. Durch den Einsatz von Laservermessung bei Tunnelbau trafen sich beide Röhren mit einer Abweichung von weniger als 2 cm.

Der Tunnel wurde offiziell von der Königin Elizabeth II und vom französischen Präsidenten Francois Mitterrand in einer feierlichen Zeremonie am 6. Mai 1994 eröffnet.

Statistiken

Der Tunnel ist 50 Kilometer lang, wobei 39 Kilometer unterseeisch sind. Die durchschnittliche Tiefe ist 40 m unter den Meeresgrund. Er ermöglichte ab 1994 den Eisenbahntransport von Personen und Fahrzeugen. Fast 7 Million Passagiere nutzen die 35 minütigen Reise durch den Tunnel jedes Jahr.

Die American Society of Civil Engineers (Amerikanische Gesellschaft der Bauingenieure) hat den Tunnel zu einem der modernen sieben Weltwunder erklärt.

Betrieb

Der Tunnel wird von der Firma Eurotunnel betrieben, die vier Arten von Zugdienstleistungen anbietet:

Obgleich Eurostar Züge mit hohen Geschwindigkeiten in Frankreich verkehren (wo die Schienen modern und für die Standard-TGV Geschwindigkeit von 300 km/h erlaubt sind), wird ihre Geschwindigkeit in Kent durch den verhältnismäßig schlechten Schienen begrenzt. Die britische Regierung hat einen teils Regierung-finanzierten Projekt eingeleitet, um eine Schnelllinie von London zum Tunneleingang auszubauen. Innerhalb des Tunnels reisen Züge bis zu 160km/h.

Asylsucher

Oft wurde von Asylsuchenden versucht durch den Tunnel in von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen, da dort die Wahrscheinlichkeiten des Asyls besser ist als in Frankreich. Einige versuchten, auf den Zügen selbst, in Frachtbehältern oder auf LKWs durch den Tunnel zu gelangen. 2002 führte die britische Immigrationbehörden ein hochentwickeltes Abhör- und Durchleuchtungsverfahren in Kent ein und hofft so über die Herzschläge oder und Atmung die Versteckten zu finden. In frühen 2003 überzeugte die britische Regierung die französischen Behörden, dasumstrittene Asylsucherzentrum bei Sangatte zu schließen, das öfters Ausgangspunkt solcher Aktionen von Asylbewerbern gewesen ist.

Der Kanaltunnel in Filmen

Im Film Mission: Impossible (Brian De Palma, 1996), wird Tom Cruis an einem Zug hängend von einem Helikopter in den Tunnel gejagt.

Diese große CGI Szene enthält viele Fehler. Zwei der bedeutendsten Fehler sind der offensichtliche Gebrauch französischen StandardTGVs im Kanal Tunnel (SNCF Passagierzüge funktionieren nicht im Tunnel) und die rechteckige und zweigleisige Ausbauform des Tunnels. Tatsächlich benutzt der Eurotunnel zwei physikalisch getrennte einspurige zylindrische Tunnels, für jede Richtung einen eigenen Tunnel.

Weblinks





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