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An der alten Heerstraße von Braunschweig nach Magdeburg gelegen war Evessen, nach Bodenfunden zu urteilen, schon vor etwa 5.000 Jahren besiedelt. Urkundlich wurde es als Curtis Hebesheim (Heim des Hebo) 938 erwähnt. Otto I schenkte 965 die alte fränkische Königsburg dem Moritzkloster in Magdeburg, 1351 gehörte der Klosterhof dem Kreuzkloster in Braunschweig. Wegen der schwierigen Böden wurde die Siedlung im Volksmund Hungersdorf genannt. Es lohnt sich, in Evessen zu verweilen, den Schlüssel für die Kirche beim Küster zu erbitten, die Grabstein- Inschriften an der Kirchenmauer zu studieren und den Lindenhügel zu besteigen...
Die romanische Wehrkirche
....wurde vermutlich auf einer befestigten Wehranlage (curtis) errichtet. Um 1200 erfolgte die Aufstockung des Turmes und ungefähr 100 Jahre später die Einwölbung des Chores. Der Choranbau datiert um 1500 und fällt wohl mit der Beseitigung der romanischen Apsis zusammen. Im 16. Jahrhundert entstanden Wandgemälde über die zehn Gebote mit niederdeutschen Spruchbändern. Eine der beiden noch erhaltenen Darstellungen warnt die Menschen vor unmäßigem Kartenspiel, unziemlichen Reden und leichtfertigen Schwüren. Aber stärker noch als die beiden Wandbilder beeindruckt das Kreuz über dem Altar. Zwei alte Grabsteine an der äußeren Kirchenmauer wirken mit ihren Inschriften wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch dieses Ortes und sind zugleich Zeugnis eines tragischen Lebens:
Hinter vorgehaltener Hand flüsterten sich die Frauen zu: Wenn du einen Nagel auf deinen kranken Zahn legst und dann in den Baum schlägst, vergehen die Schmerzen. Otto Schütte überlieferte sogar den Spruch, der bei solcher Pein zu murmeln war: "Nagel, ick klage dick, min tan de plaget mik in mik vergeilt - in dik bestreit, dat mik sin lewe nistwedder angeit!". Noch heute hat Evessen keinen Zahnarzt!
Leuchtende Augen bekommt, wer vernimmt, dass unter dem mächtigen Hügel ein Fürst begraben liegt und zwar in einem goldenen Sarge. Es wird auch berichtet - und das ist eine Tatsache - dass unter der Linde das Voigteigericht Recht sprach. In Rechnungen des Braunschweiger Domstiftes werden schon 1347 die Evesser Gerichtsverhandlungen erwähnt. Aufgehoben wurde das Gericht erst 1808 durch König Jerome. In Venturinis Buch über das Herzogtum Braunschweig heißt es 1826: "Der Baum, worunter das Vogteigericht gehalten wurde, ist noch zu sehen". Verhandelt wurden Fragen des Nachbar- und Familienrechts, darunter olzdiebstähle, sowie Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten unter den Dorfbewohnern. Auch wurden Verkäufe in althergebrachten Formen als rechtens anerkannt. Der Verkäufer legte symbolisch die Hand an den Hut des Richters, der Käufer fasste ebenfalls den Hut, um Besitz zu ergreifen. Nicht zur Verhandlung erschienene Parteien mussten zehn Groschen Strafe zahlen, dies gehört dem Gericht zu vertrinken. Vermutlich hatte man in damaliger Zeit in Evingsen mehr Möglichkeiten als heutzutage zu vertrinken.
Im Zuge der Enträtselung des Hügels erkannte schon 1745 Pastor Johann Friedrich Faicke, dass es sich auch bei diesem Hoch um ein vorgeschichtliches Grab handeln müsse. In diesem Zusammenhang ist ein Aufsatz in den Braunschweigischen Anzeigen vom 16. Januar 1745 aufschlussreich, wonach der Evesser Tumulus für ein Fürstengrab gehalten wird, das aus der frühen Bronzezeit (1800 bis 1600 vor Christi Geburt) oder sogar aus der Jungsteinzeit (4000 bis 2000 v. Chr.) stammt. Möglicherweise ist er aber auch wie andere Grabhügel über längere Zeiträume immer wieder als Grabstätte aufgesucht worden, so dass seine heutige Gestalt das Ergebnis langandauernder Prozesse ist. Das Alter der Linde auf dem Hügel wird auf mehr als 800 Jahre geschätzt; der Baum wurde 1944 zum Naturdenkmal erklärt. Seine Rinde hat viele Mensuren. Der ausgehöhlte und zum Teil morsch gewordene Stamm wurde von Baumchirurgen imprägniert, das Innere der Linde dabei aber nicht etwa mit Zement ausgegossen, sondern hohl gelassen, um, so die Sachverständigen, die Adventivwurzeln nicht zu schädigen, die der Baumriese in zähem Selbsterhaltungstrieb von oben her durch den hohlen Stamm getrieben hat. Die Krone wurde durch mehrere Anker gesichert, die kleineren Öffnungen durch Plomben verschlossen, größere durch Maschendraht geschützt. Das war nötig, um der Dorfjugend den Zugang in das Innere der Linde zu versperren. Es wird berichtet, dass bei Rauchversuchen das Innere des Baumes einmal in Brand gesteckt wurde und sogar die Feuerwehr eingreifen musste. Die Linde hat die Stürme, ob die des Wetters oder der Geschichte, überlebt, und die Verjüngungskur ist ihr sichtlich gut bekommen. Hoffen wir, dass sie noch viele Jahrhunderte standfest bleibt.
Ursprünglich ware in der Nachbarschaft zwei weitere, ebenso große Grabhügel (Kleines Hoch und Thies-Hoch) vorhanden, die im 18. Jahrhundert abgetragen wurden. Beim Graben im Kleinen Hoch wurde 1745 eine Urne, vermutlich eine Nachbestattung, gefunden.
Ein Augenzeuge berichtet:
DER(!) Tumulus

Außer dem Tumulus und der Kirche prägt die alte Bausubstanz der Häuser den Ort. So steht ein Laubengang aus Holz am Papenberg 4 unter Denkmalschutz, der Ende des 18. Jahrhundert erbaut wurde. Der Hof Mumme, ein typischer Steinquaderbau,
wurde zwischen 1825 und 1850 errichtet. Ein weiteres Schmuckstück aus dem 18. Jahrhundert ist das Pfarrhaus, Sitz der Pfarrgemeinde Evessen mit den Ortschaften Hachum, Gilzum, Kneitlingen und Ampleben.
Durch die reizvolle Elmrandlage bieten sich auch verlockende andere Möglichkeiten in der freien Landschaft. Zwei Parkplätze im Siedlungsbereich, direkt am Waldrand, liegen günstig am ausgewiesenen Wanderwegenetz im Naturpark. Das Reitlingstal, nach Meinung vieler die Perle des Elms, ist von hier aus sowohl zu Fuß, als auch mit Fahrrad oder Auto schnell zu erreichen. Die Siedlung Evessen, das Obstanbaugebiet am Südhang des Elms, ist besonders im Frühjahr einen Besuch wert. So weit das Auge reicht, präsentiert sich dem Wanderer die Landschaft als Blütenmeer. Damit nicht genug, auch der Weitblick über die Asse, zum Harz mit dem alles überragenden Brocken, die Salzgitterberge, der Oder sowie die Städte Wolfenbüttel und Braunschweig erschließen sich dem Wanderer bei einer Rundtour.