Finanzierung

Table of contents
1 1. Überblick
2 2. Finanzierungsarten
3 3. Finanzierungspolitik
4 4. Finanzplanung
5 5. Analyse von Finanztiteln

1. Überblick

Unter dem betriebswirtschaftlichen Aspekt der Finanzierung ist "landläufig die Bereitstellung finanzieller Mittel" (1) zu verstehen. Anfänglich betrachtete man unter dem Stichwort Finanzierung nur die Kapitalbeschaffung durch Ausgabe von Wertpapieren, was sich später um die Kapitalrückzahlung und -umschichtung bis hin zur Ausdehnung des Begriffs auf die umfassende "Versorgung eines Unternehmens mit Kapital", erweiterte.

Investition und Finanzierung gelten als zwei verschiedene Seiten ein und derselben Medaille, da der durch eine finanzwirksame Entscheidung ausgelöste Beitrag zur Zielerreichung ausschlaggebend ist, unabhängig davon, ob der Zahlungsstrom als Investition oder Finanzierung bezeichnet wird.

Neben dieser betriebswirtschaftlichen Sicht, existiert aber auch eine volkswirtschaftliche Sicht. Werden nämlich die das Kapital benötigenden Wirtschaftssubjekte (z. B. Unternehmungen) und die Wirtschaftssubjekte, die Kapital anlegen wollen, gegenübergestellt, so ist es volkswirtschaftlich von Interesse, dass der Transfer des Kapitals von den Kapitalgebern/-anlegern zu den das Kapital benötigenden Wirtschaftssubjekten mit möglichst geringen Reibungsverlusten einhergeht. Durch effiziente Finanzierungsformen kann also ein volkswirtschaftlicher Gewinn erzielt werden. Als Vermittler zwischen Kapitalgebern und -nehmern können z. B. Börsen (direkte Finanzierung) oder Banken (indirekte Finanzierung bzw. Finanzintermediation) auftreten.

2. Finanzierungsarten

Außenfinanzierung

Fremdfinanzierung

Fremdfinanzierung betrifft in aller Regel eine Finanzierung durch Kredite, d.h. das Kapital strömt von außen durch Kreditgeber in das Unternehmen. Da aber keine Mitspracherechte und keine Beteiligung am Gewinn / Verlust existiert, wird zur "Entschädigung" ein Zins bezahlt. Darüber hinaus muss der Kreditnehmer selbst im Verlustfall den Kredit zurückzahlen. Ist ihm dies nicht möglich, wird die Sicherheit, welche der Kreditgeber meistens bei Vertragsabschluss gefordert hat, dem Kreditgeber übergeben.

Kredite werden gewöhnlich nach ihrer Laufzeit unterschieden:

Eigenfinanzierung

Auch zur Außenfinanzierung gehört die Eigenfinanzierung, welche auch unter "Beteiligungs- und Einlagenfinanzierung" bekannt ist. Wie der Name schon sagt, wird
Eigenkapital von außerhalb des Unternehmens zugeführt. Dabei wird zwischen emissionsfähigen (AG, KGaA) und nicht-emissionsfähigen Unternehmen (OHG, GmbH, KG, eG) unterschieden. Letztere haben nicht die Möglichkeit an der Börse ihre Wertpapiere (Aktien) auszugeben und so hohe Eigenkapitalbeträge aufzubringen. Statt dessen müssen die Gesellschafter entweder neues Kapital einschießen (nur begrenzt möglich wegen limitierten Vermögen der Gesellschafter) oder einen neuen Gesellschafter aufnehmen. Sollte aber ein neuer Gesellschafter aufgenommen werden, ändern sich die bisherigen Machtstrukturen. Je nach Haftungsform ist es den Unternehmen vom Gesetzgeber unterschiedlich einfach gemacht worden an neues Kapital zu gelangen. Dies reicht vom einfachen Fall eines neuen Kommanditisten bis hin zur relativ schwierigen Aufnahme (Formvorschriften) eines neuen Gesellschafters bei der GmbH.

Sonderformen: Leasing, Factoring, Asset Backed Securities (ABS)

siehe auch: Leasing

Factoring ist grundsätzlich eine Form des Outsourcing. Dabei werden die Forderungen eines Unternehmens oder ein Ausschnitt daraus an die Factoring-Gesellschaft verkauft und im Gegenzug erhält man die sofortige Zahlung des Kaufpreises. Meist werden 90% bevorschusst. Die restlichen 10% werden ausbezahlt, wenn der Debitor die Rechnung begleicht oder zahlungsunfähig wird. Beim Factoring handelt es sich um einen "true sale", dass heisst, die Factoring-Gesellschaft wird Eigentümerin der Forderung und hat damit auch das Ausfallrisiko. Unterschieden werden a) das "Inhouse-Verfahren" (das Debitorenmanagement wird vom Forderungsverkäufer selbst weitergeführt) und (b) das "Full-Service-Verfahren" (das Forderungsmanagemnt wird vom Factor übernommen). Weiterhin gibt es das (a) "stille Verfahren" (der Forderungsverkauf wird gegenüber den Debitoren nicht offen gelegt. - Immer nur im Zusammenhang mit dem Inhouse-Verfahren und nur bei guten Bonitäten) und das (b) "offene Verfahren" (der Forderungsverkauf wird den Kunden angezeigt). Ein Sonderfall ist das Fälligkeitsfactoring, dass die Forderungen zu 100% gegen Ausfälle absichert, aber keine Finanzierungsfunktion hat.

Vorteile des Factoring sind:

Nachteile sind: Asset Backed Securities (ABS) ist ein Spezialform des Factorings. Hierbei werden die Forderungen (Assets) nicht an einen Factor, sondern an ein speziell eingerichtete Ankaufsgesellschaft (SPV) verkauft, die diese verbrieft (Securisation) und als Commercial Papers (CP) am Kapitalmarkt plaziert. Käufer dieser CPs sind institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen. Um die Ausfallrisko der Anleger zu verringern, werden die zugrundeliegenenden Forderungen weitreichend abgesichert (credit enhancement z.B. durch eine Warenkreditversicherung oder durch Fälligkeitsfactoring) und die Ankaufsgesellschaft von Ratingsagenturen (Standard & Poor's, Moody's oder Fitch) beurteilt. Im Vergleich zum Factoring ist die Finanzierung deutlich günstiger. Allerdings ist ABS nur für grosse Unternehmen (Umsatz > 500 Mio. EUR) geeigent. Inzwischen gibt es auch Varianten für mittelständische Unternehmen (M-ABS), indem Forderungsbestände mehrerer Unternehmen in einem Pool gebündelt werden. Für diese Variante ist ein Forderungsbestand von mindestens 5 Mio. EUR erfroderlich.

Innenfinanzierung

Selbstfinanzierung

Auch in diesem Punkt wird zwischen zwei möglichen Finanzierungsunterpunkten getrennt: Bei der offenen Selbstfinanzierung, werden die ausgewiesenen Gewinne entweder vollständig oder zumindest zu einem Teil einbehalten. Werden sie ganz einbehalten, verzichten die Gesellschafter auf ihren Gewinn, wohingegen Kapitalgesellschaften nur einen Teil einbehalten dürfen. Wird der Gewinn ausgeschüttet und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung um den Betrag des Gewinns durchgeführt, können Steuern gespart werden. Dieser Sachverhalt ist auch unter "Schütt-aus-hol-zurück-Methode" bekannt.

Die verdeckte oder stille Selbstfinanzierung resultiert durch das Auflösen von stillen Reserven, die dann zur Finanzierung verwendet werden können. Stille Reserven gelten als das "Fett" eines Unternehmens. Sie resultieren aus dem Vorsichtsprinzip bei den Bilanzierungswahlrechten:

Die Selbstfinanzierung gilt in einigen Situationen als vorteilhaft, da durch sie Steuern gespart werden, sie die Krisenfestigkeit eines Unternehmens erhöht und durch ausbleibende Zinszahlungen eine risikoreicherer Unternehmensstrategie forciert werden kann. Zugleich kann aber auch Kapital nicht optimal verwendet werden und im Vergleich zu den Marktalternativen könnte sie vergleichbar "teurer" (mögliche Kosten durch fehlende Gewinne bei Finanzanlagen) sein.

Umschichtung

in Arbeit...

Finanzierung aus Rückstellungen

in Arbeit...

Finanzierung aus Abschreibungsrückflüssen

in Arbeit...

3. Finanzierungspolitik

Finanzierungsregeln

Im Hinblick auf eine optimale Kapitalstruktur, was eine kostenminimierende und damit auch gewinnmaximierende Auslegung der Finanzierung bedeutet, haben sich einige Finanzierungsregeln ausgeprägt. Diese zielen nicht nur auf eine optimale Verschuldung sondern auch auf die Erhaltung der Zahlungsfähigkeit, also eine optimale Liquidität. Die meisten der oben genannten Regeln erweisen sich in der Praxis oft als utopisch, da sie je nach Branche kaum bis gar nicht umzusetzen sind. Außerdem vermindern sie, häufig zu Gunsten der Liquidität, die Rentabilität aber ermöglichen auch, je besser die Regeln erfüllt sind, längere wirtschaftliche Durststrecken zu überwinden. So gesehen ist eine Anpassung der starren Regeln auf jedes einzelne Unternehmen oder zumindest auf eine Branche nötig um den Praxisbezug herzustellen. Eine besondere Rolle spielt der Leverage-Effekt, übersetzt, die Hebelwirkung des Fremdkapitals.

4. Finanzplanung

Die Finanzplanung betrachtet als ihre Hauptaufgabe die Erhaltung der Liquidität unter der Voraussetzung der Rentabilitätsmaximierung (in diesem Fall also die Kapitalkostenminimierung). Folglich muss ein dynamisches Gleichgewicht zwischen allen künftigen Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen herrschen. Die Zahlungsunfähigkeit droht auch in Fällen, wenn das Gleichgewicht in einer unendlich kleinen Zahlungsperiode gestört ist, sollte sie nicht durch Sofortmaßnahmen (zusätzliche liquide Mittel) behoben werden können.

Mögliche Liquiditätszustände:

Um Überliquidität abzubauen können Investitionen getätigt werden oder Schulden zurückgezahlt werden. Unterliquidität kann durch zusätzliche externe Kapitalquellen (Kredite, Kapitalerhöhungen) oder unternehmensintern mittels Streichungen von Investitionen/Stellen aufgefangen werden.

5. Analyse von Finanztiteln

Im Gegensatz zur Finanzplanung wird bei der Analyse von Finanztiteln (Sicht des Unternehmens) die Sicht der Eigenkapitalgeber bzw. der Gläubiger/Fremdkapitalgeber angenommen. Gleichwohl können Unternehmen auch selbst als Kapitalgeber für andere Unternehmen auftreten, in dem sie z. B. nicht benötigte Liquidität in Wertpapieren anlegen. Diese Art der Analyse kann auch als Wertpapieranalyse bezeichnet werden.

Bilanzanalyse

Aus dem Rechnungswesen stammt die Methode, anhand der Bilanz finanzwirtschaftliche Kennzahlen zu ermitteln, um aus Sicht des Gläubigers das Ausfallrisiko einer Fremdfinanzierung abzuschätzen oder aus Sicht der Eigenkapitalgeber Hinweise auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu bekommen. Im Wesentlichen existieren dafür vier Kennzahlen:

{| bgcolor="#DDDDFF" cellspacing="2" style="float:center;margin-right:20px" width="100%" |----- align="center" bgcolor="white" | | |----- align="center" bgcolor="white" | | | colspan="2" align="center" | Fremdkapitalquote auch unter Anpassungsgrad bekannt |}

Eine hohe Fremdkapitalquote oder das Gegenteil, eine niedrige Eigenkapitalquote bedeuten häufig ein erhöhtes Risiko, da bei einem Konkurs die nicht oder nicht vollständig durch Sicherheiten gedeckten Kredite teilweise ausfallen können. Der Verschuldungsgrad kennzeichnet die Relation des Fremdkapitals zum Eigenkapital und bewertet somit das Gleiche wie die beiden Finanzierungsquoten.

Systembedingte Schwächen der Bilanzanalyse sind die fehlenden Auskünfte über Marktstellung, -potential und Qualität des Management, da die Bilanz als Stichtagsübersicht wenig Informationen über die zukünftige Stellung des Unternehmens liefert und kaum etwas über die bisherigen Erfolge oder Probleme der Unternehmsführung im Markt aussagt.


(1) Günter Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 21. Aufl., München 2002





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