Finnische Sprache

Finnisch ist eine agglutinierende Sprache und gehört zur Gruppe der finno-ugrischen Sprachen. Es ist entfernt mit dem Ungarischen und eng mit dem Estnischen verwandt.

Der Language Code ist fi bzw. fin (nach ISO 639).

Das finnische Alphabet besteht aus 29 Buchstaben:
a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, t, u, v, w, x, y, z, å, ä, ö

Ä, Ö und Y stehen im Alphabet an letzter Stelle, und nicht wie im Deutschen bei A und O. Y gilt praktisch als Umlaut und wird daher mit ä und ö am Ende aufgeführt (kann in Wörterbüchern beim Suchen hinderlich sein).

Table of contents
1 Zur Aussprache
2 Grammatik
3 Literatur
4 Weblinks

Zur Aussprache

Betont wird sehr regelmäßig: Die erste, dritte, fünfte, also jede ungerade Silbe, wobei die letzte Silbe nie betont wird. Weiterhin werden einige sehr kurze Silben in der Zählung übersprungen. Bei zusammengesetzten Wörtern behält jeder Teile seine Betonung -- es wird nicht neu gezählt.

I.A. wird so geschrieben, wie gesprochen wird (1 Laut = 1 Buchstabe, d.h. phonologische Schreibweise). Der Buchstabe d hat dabei eine Sonderrolle, denn er existiert nur, um verschiedene Dialekte einheitlich schreiben zu können. Er entspricht einem stimmhaften, dentalen Frikativ (Englisch ,th' in ,this') einer älteren Sprachestufe, der heute in den meisten Dialekten nicht gesprochen wird. Einige Dialekte haben ihn aber behalten, und dort klingt er wie r or l. Beispiel: ,ehdi' wird i.A. wie ,ehi' gesprochen.

Doppelvokale und Doppelkonsonanten werden tatsächlich doppelt so lang ausgesprochen:
kukka (= Blume); kuka (= wer)
tuli (= Feuer); tulli (= Zoll); tuuli (= Wind)

Sehr viele Zwielaute (Diphthonge) werden fließend zusammengezogen:
sauna (au wie dt.);
laina (ai wie dt. ai in Mai);
seura (nicht wie im dt., sondern e+u);
tie (nicht langes i, sondern i+e);
leipä (ei wie e+i)
usw.

Einige Kombinationen bilden aber zwei Silben.

Besonderheiten

h am Wortanfang immer wie das deutsche h, vor Konsonanten wird das h leicht wie "ch" ausgesprochen, z.B. in lahja (=Geschenk).
 
b (nur in Lehnwörtern: ,baari') etwa wie dt. p, nicht wie dt. b
n (vor g und k): wie dt. n in fangen, sonst wie dt. n;
r: Zungen-R (alveolar);
s: immer stimmlos;
v: wie dt. w;
y: wie dt. ü
t,p: stimmlos, nicht so scharf wie im Deutschen ausgesprochen

Vokalharmonie

Bei den Vokalen unterscheidet man "hintere" (=a, o, u), "vordere" (y, ä, ö) und "neutrale" (e, i). Grundsätzlich lassen sich 'hintere' und 'vordere' Vokale in einem Wort nicht mischen, daher werden Nachsilben und Endungen an den Wortstamm angepasst:
talo (das Haus) - talossa (im Haus);
metsä (der Wald) - metsässä (im Wald)
Enthält ein Wort nur 'neutrale' Vokale, werden für die Endungen die 'vorderen' Vokale (y, ä, ö) verwendet.

Eine Ausnahme bilden zusammengesetzte Wörter, bei denen die Bestandteile durchaus unterschiedliche Vokalgruppen haben dürfen.

Bei Fremdwörtern, die vordere und hintere Vokale enthalten, werden in der Aussprache meist hintere Vokale als dir korrespondierenden vorderen ausgesprochen. z.B. "Olympia" - gesprochen: wie "Olumpia".

Grammatik

Es gibt keine Artikel, weder bestimmte noch unbestimmte.
mies (Mann, der Mann, ein Mann);
nainen (Frau, die Frau, eine Frau). Häufig wird allerdings das Zahlwort ,yksi' -- eins verwendet, um Unbestimmtheit zu unterstreichen oder ein hinweisendes Fürwort, um Bestimmtheit zu unterstreichen.

Das Finnische kennt keine grammatischen Geschlechter. Bei der 3. Person Einzahl gibt es nur eine Form: hän (= er, sie). Für Gegenstände sowie Tiere wird in der 3.Person Einzahl die Form "se" verwendet. Weibliche Berufsbezeichnungen kommen immer mehr aus der Mode; man verwendet sie eigentlich nur noch, wenn man betonen will, dass es um eine weibliche Person geht:
myyjä (Verkäufer allgemein); myyjätär (Verkäuferin)

Im Finnischen gibt es 15 Fälle, wobei die meisten mit deutschen Präpositionen zu vergleichen sind:

Nominativ:
Grundform, Wer-Fall;
Bsp.: talo (Haus), talot (Häuser), tämä (dieser), nämä (diese/MZ), minä (ich), sinä (du)

Genitiv:
Zugehörigkeit, Wes-Fall;
Bsp.: talon (des Hauses), talojen (der Häuser), tämän (dieses), minun (mein), sinun (dein)

Akkusativ:
Objekt, Wen-Fall;
Bsp.: talon (Haus), talot (Häuser), tämän (diesen), sinut (dich)

Partitiv:
Teilobjekt, unbestimmte Menge; häufig auch als Objektfall benutzt.
Bsp.: Juon kahvia. (Ich trinke Kaffee.), Minä rakastan sinua. (Ich liebe dich.)

Inessiv:
im Raum (Wo?);
Bsp.: talossa (im Haus), taloissa (in /den/ Häusern), tässä (in diesem), sinussa (in dir)

Elativ:
aus dem Raum (Wo heraus?, von wo?);
Bsp.: talosta (aus dem Haus), taloista (aus Häusern), tästä (von diesem), näistä (von diesen), sinusta (von dir)

Illativ:
in den Raum (Wohin?);
Bsp.: taloon (ins Haus), taloihin (in die Häuser), tähän (in diesen), näihin (in diese/MZ), sinuun (zu dir)

Adessiv:
auf etwas (Worauf?); auch: "haben";
Bsp.: pöydällä (auf dem Tisch), junalla (mit dem Zug, wörtlich: auf dem Zug), täällä (hier); Minulla on jano. (Ich habe Durst.)

Ablativ:
von etwas, (Von wo?);
Bsp.: pöydältä (vom Tisch), minulta (von mir), täältä (von hier), näiltä (von diesen)

Allativ:
auf, zu etwas (Zu wem/was?); entspr. auch oft dem dt. Dativ;
Bsp.: pöydälle (auf den Tisch), minulle (mir, für mich), tänne (hierher), näille (auf diese), Kirjoitan sinulle. (Ich schreibe dir.)

Essiv:
Zustand, als etwas; häufig auch bei Zeitangaben
Bsp.: lapsena (als Kind), tänä (als dieser), näinä (als diese/MZ), maanantaina (am Montag)

Translativ:
Zustand als Ergebnis einer Veränderung;
Bsp.: kauniiksi (wird schön) saksaksi (auf Deutsch) suomeksi (auf Finnisch), Hän tuli opettajaksi. (Er/sie wurde Lehrer.)

Abessiv:
Mangel, ohne etwas;
Bsp.: talotta (ohne Haus), taloitta (ohne Häuser)

Komitativ:
Dazugehörigkeit (Womit?);
Bsp.: taloineen (mit dem Haus/mit den Häusern); Der Komitativ wird in der Praxis selten verwendet. Meistens wird er einfach durch die Postposition kanssa (=mit) ausgedrückt: sinun kanssa (mit dir)

Instruktiv:
Art und Weise;
Bsp.: Lautanen on käsin tehty. (Der Teller ist von Hand gearbeitet.), Näin sen omin silmin. (Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.); Der Instruktiv kommt nur in wenigen idiomatischen Redewendungen vor.

Die Verben

Konjugation Gegenwart
puhua (=sprechen)

minä puhun - ich spreche;
sinä puhut - du sprichst;
hän puhuu - er/sie/es spricht;
me puhumme - wir sprechen;
te puhutte - ihr sprecht;
he puhuvat - sie sprechen

Vergangenheit
minä puhuin;
sinä puhuit;
hän puhui;
me puhuimme;
te puhuitte;
he puhuivat

Tipp: Die Personalpronomen kann man auch weglassen.

Befehlsform
Einzahl: Puhu!;
Mehrzahl: Puhukaa!

Natürlich werden nicht alle Verben so regelmäßig konjugiert. Es gibt beispielsweise noch den sgn. Stufenwechsel, bei dem sich dann auch noch die Wortstämme ändern. Es würde jedoch zu weit führen, das alles hier zu erläutern.

Zukunft
Es gibt kein Futur! Um zukünftiges auszudrücken, benutzt der Finne i.d.R. die Gegenwart und ein Wort, das auf die Zukunft hinweist.
Bsp.: Menen huomenna. - Ich werde morgen gehen.

Verneinung
Die Verneinung wird gebildet aus dem Verneinungsverb "ei", das konjugiert wird und dem Verbstamm, der nicht konjugiert wird.

Beispiel:
minä en puhu - ich spreche nicht;
sinä et puhu - du sprichst nicht;
hän ei puhu - er/sie/es spricht nicht;
me emme puhu - wir sprechen nicht;
te ette puhu - ihr sprecht nicht;
he eivät puhu - sie sprechen nicht;

"Ich spreche nicht finnisch" würde heißen: "(Minä) en puhu suomea."
"Ich verstehe nicht" heißt: "(Minä) en ymmärrä."

Die Verneinung in der Vergangenheit wird gebildet aus "ei" und dem Partizip Perfekt des Verbs.

Beispiel:
minä en puhunut - ich sprach nicht;
sinä et puhunut - du sprachst nicht ...;
hän ei puhunut;
me emme puhuneet;
te ette puhuneet;
he eivät puhuneet;

Fragen

Bei Entscheidungsfragen wird an das konjugierte Verb (oder auch an andere Wörter) die Frage-Endung -ko oder -kö (s. Vokalharmonie) angehängt.

Das sieht dann beispielsweise so aus:

Puhutko suomea? - Sprichst du finnisch?;
Etkö puhu suomea? - Sprichst du nicht finnisch?

Die Endung -ko/-kö entfällt, wenn im Satz schon ein Fragewort enthalten ist (Bestimmungsfragen):
Kuka puhuu suomea? - Wer spricht finnisch?

"Haben"

Es gibt im Finnischen kein Wort für "haben". Wenn man einen Besitz ausdrücken will, nimmt man die 3. Person EZ von olla (= sein) --> on und die Adessivform des Personalpronomens.

Beispiel:
Minulla on rahaa. - (Wörtlich: Bei mir ist Geld.): Ich habe Geld.

Verneinend sagt man:
Minulla ei ole rahaa. - (Wörtlich: Mir nicht ist etwas von Geld): Ich habe kein Geld.

Bei Verneinung wird das Objekt in den Partitiv gesetzt. (raha - rahaa)

Stufenwechsel

Der Stufenwechsel (auch k,p,t-Wechsel) kann auftreten bei der Deklination von Verben und beim Anfügen von Postpositionen.

1.Stufenwechsel von der starken zur schwachen Stufe:

kk-k K-Schwund 1 z.B. Mikko (finn. Name) - Mikolla on jano. (= Mikko hat Durst)

k-O K-Schwund 2 z.B. lukea (= lesen) - minä luen (= ich lese)

k-g K-Schwund 3 z.B. Helsinki - Helsingissä (= in Helsinki)

pp-p P-Schwund 1 z.B. Lappi (= Lappland) - Lapin kulta (= Lapplands Gold, finn. Biermarke)

p-v P-Schwund 2 z.B. rapu (= Krebs) - ravun (= des Krebses)

tt-t T-Schwund 1 z.B. matto (= Teppich) - matolla (= auf dem Teppich)

t-d T-Schwund 2 z.B. lähteä (= abfahren, weggehen) - minä lähden (= ich gehe weg)

2. Stufenwechsel von der schwachen zur starken Stufe

d-t z.B. sade (= Regen) - sateenkari (= Regenbogen)

p-pp z.B. opas (= Reiseführer) - oppaan (= des Reiseführers)

t-tt z.B. osoite (= Adresse) - osoitteen (= der Adresse)

Nützliche Redewendungen

Begrüßung:
Unter Freunden: Hei! oder Moi! (mehr umgangsprache bei Jugendlichen)
Unter lockeren Bekannten: Terve!
Formell: Hyvää huomenta! (Guten Morgen!)
Hyvää päivää! (Guten Tag!) Hyvää iltaa! (Guten Abend!) Hyvää yötä! (Gute Nacht!)

Näkemiin! (Auf Wiedersehen!)

Hei, hei! (Tschüß!)

Minä olen... (Ich heiße...)

Anteeksi! (Entschuldigung!)

Missä on...? (Wo ist...?) Missä on vessa? (Wo ist die Toilette?)

Mitä maksaa...? (Was kostet...?)

Kiitos! (Danke!)

Mitä kuuluu? (Wie geht's?)
Kiitos, (oikein)hyvää. (Danke, (richtig) gut.) Huonoa (schlecht)

Puhutko saksaa? (Sprichst du deutsch?)

Literatur

Weblinks





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