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Lebende Zellen können ein Fließgleichgewicht von Substraten über längere Zeiträume deshalb aufrechterhalten, weil typische enzymatische Umsetzungen Teil einer Reaktionskette sind. In einer solchen wird umgeschlagenes Substrat durch das vorgeschaltete Enzym regeneriert und entstehendes Produkt durch das nachfolgende Enzym abgeleitet.
Diese Bedingungen sind bei den klassischen enzymkinetischen Messungen eindeutig nicht gegeben, dennoch hat sich gerade auf diesem Gebiet der Begriff des "Fließgleichgewichtes/steady states" eingebürgert. Bei einer typischen Anordnung gibt es nämlich einen einzigen Punkt, an dem die Substratkonzentration definiert bzw. bekannt ist und somit der Reaktionsgeschwindigkeit zugeordnet werden kann: den Reaktionsstart. Diese Zuordnung gelingt allerdings nur durch Extrapolation ("Stichwort: Tangente an den Ursprung"), wie im folgenden gezeigt wird
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2 "Fließgleichgewicht" in der Enzymkinetik 3 Weblink |
Annahmen und Vereinfachungen
Nach der Michaelis-Menten-Theorie ist die Existenz des Enzym-Substratkomplexes, ES, das zentrale Phänomen für das Verständnis enzymkinetischer Messungen. Nach der folgenden allgemeinen Reaktionsgleichung
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geht das Enzym E zunächst eine reversible Bindung mit seinem Substrat S ein, wobei ES entsteht. In einem langsameren zweiten Schritt, der ja eine chemische Umwandlung beinhaltet, bildet sich der Enzym-Produkt Komplex, EP, aus dem dann durch Dissoziation das Produkt freigesetzt wird. Unter den Bedingungen der Enzymkinetik hat sich die folgende Vereinfachung eingebürgert
2 -
und zwar mit folgender Begründung:
Abschließend ist festzuhalten, dass der Begriff "Fließgleichgewicht" in unterschiedlichem Zusammenhang gebraucht wird - eine stete Quelle von Missverständnissen, die hier bewusst herausgestellt wird.
siehe auch: Gleichgewicht"Fließgleichgewicht" in der Enzymkinetik
Kurz nachdem das Enzym mit Substrat vermischt worden ist, gibt es eine Anfangsphase ("pre-steady-state"), in der sich der ES Komplex aufbaut. Die Verfolgung dieser Phase erfordert spezielle Messmethoden ("stopped-flow") und liegt außerhalb des Standardrepertoires der herkömmlichen Enzymkinetik. Die Reaktion erreicht schnell den geschilderten Zustand eines "quasi-stationären" Zustandes, während dessen die Reaktionsgeschwindigkeit v0 die Substratkonzentration reflektiert. Vereinfachend wird hier vom "Fließgleichgewicht" gesprochen, obgleich v0 auf die Anfangsphase der Reaktion beschränkt und damit nur durch die erwähnte Extrapolation zugänglich ist. Nur unter Sättigungsbedingungen ([S]>>[E]), das sind die Bedingungen einer Aktivitätsmessung, ist die lineare Phase am Anfang der Reaktion sehr ausgedehnt. Unter diesen Bedingungen lässt sich allerdings keine Information über den Affinitätsparameter (Michaelis-Konstante Km) bzw. die katalytische Effizienz (kcat / Km, im Jargon "kcat-über-Km" genannt) gewinnen