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Durch den Einfluss der Durkheim-Schule an den Rand gedrängt und lange Zeit fast vergessen, wurde Gabriel Tarde erst durch den prominenten Platz, den er im Werk von Gilles Deleuze und Félix Guattari einnimmt, wiederentdeckt. Seine Position lässt sich am ehesten charakterisieren als Theorie der vorrationalen, leidenschaftlichen, affektiven sozialen Energien und Kräfte; er betont die kollektive und pluralistische Dimension in jedem gesellschaftlichen Zusammenschluss, jeder sozialen Institution, jeder Sprache und jedem Code, wobei diese überindividuell-energetische Dimension dennoch nicht als abstraktes "Soziales" zu denken ist, das dem "Rational-Individuellen" gegenüber zu stellen wäre. Dieser Gedanke führt Tarde zu einer Analyse derjenigen Gesetze der Vergesellschaftung, die zwischen dem verobjektivierten sozialen "System" und den individuell bewussten Entscheidungen oder Zwängen, auf einer sozusagen chaosmotischen Ebene angesiedelt sind (wie z.B. die Gesetze der Nachahmung, der Wellenbewegung oder der universalen Wiederholung).
Werke
Tardes Werke werden in Frankreich seit 1999 unter der Leitung von Eric Alliez neu herausgegeben. Auf Deutsch erschienen 2003 "Die Gesetze der Nachahmung" (frz. Les lois de l'imitation, übers. v. Jadja Wolf).