Vorkoloniale Kulturen
Peru hat vor der spanischen Eroberung schon einige Hochkulturen erlebt. Dazu gehören die Chavin (ca. 800 - 300 v. Chr), von denen noch (bereits touristisch erschlossene) Ruinen existieren, wie auch die Nasca (300 - 600 n. Chr.), die die geheimnisvollen Nasca-Linien ca. 500 km südlich von Lima in den Küstensand scharrten.
Ab dem 1. Jahrhundert existierte im Norden die Mochica-Kultur, die im Wüstenstreifen an der Pazifikküste eine ertragreiche Landwirtschaft mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen betrieb. Sowohl die Keramik als auch die Metallverarbeitung waren hoch entwickelt. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Die Mochica hatten mehrere Fürstentümer, die Kultur verschwand aber im 7. Jahrhundert, vermutlich infolge eines El Nino-Ereignisses. Danach entwickelten sich die Chimus in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo. Ihre Fähigkeiten im Kunsthandwerk waren schlechter als bei den Mochica. Sie legten mehr Wert auf Massenproduktion und Nutzgegenstände. Am Ostrand der Anden lebten von 800 bis 1600 die Chachapoyas. Von ihnen ist nur sehr wenig bekannt. Das kriegerische Volk war hochgewachsen, hellhäutig und blond. Die Überbleibsel ihrer Kultur sind völlig untypisch für südamerikanische Andenvölker. Im 16. Jahrhundert verschwanden die Chachapoyas spurlos.
Die aber wohl bekannteste Kultur ist die der Inka, die gerade zu dem Zeitpunkt ihren Höhepunkt erreicht hatte, als Francisco Pizarro das Inkareich für Spanien eroberte (1532) und Bürgerkriegsunruhen innerhalb der Inkas ausnutzen konnte, um den damaligen Inka-Herrscher Atahualpa zu stürzen.
Es folgten Jahrhunderte der Kolonialherrschaft, geprägt durch Sklaverei und Ausbeutung. Erhebliche Goldschätze der Inkas werden geraubt.
Geschichte der Neuzeit
- 1531-1533: Francisco Pizarro (*1476, †1541 [ermordet]) erobert das Inka-Reich. Er wird spanischer Statthalter und Generalkapitän und lässt den Inka-Kaiser, Atahualpa, am 29.8.1533 hinrichten.
- 1543: Die Spanier schaffen das Vizekönigreich Perú mit der Hauptstadt Lima, das für die spanische Krone wegen seines Reichtums an Edelmetallen (Gold und Silber) große Bedeutung erlangt. Dem Vizekönigreich gehören auch die Gebiete des heutigen Ecuador, Kolumbien und Venezuela (Neu-Granada), sowie Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay an.
- 1572 (24.9.): Die Spanier lassen Tupac Amarú (*um 1545), den letzten Kaiser des (Rest-)Inkareiches, hinrichten.
- 1739: Ecuador, Kolumbien und Venezuela bilden ein eigenes Vizekönigreich Neu-Granada und werden aus dem Staatsverband des Vizekönigreichs Perú herausgelöst.
- 1776: Im Süden werden Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay von Perú getrennt und bilden das neu geschaffene Vizekönigreich Río de la Plata.
- 1780, 1805 und 1811-1814: Indianeraufstände gegen die spanische Herrschaft, die blutig niedergeschlagen werden.
- 1821 (28.7.): General José de San Martín (*1778, †1850), ein Mitstreiter des südamerikanischen Freiheitshelden Simón Bolívar (*1783, †1830), befreit Perú von der spanischen Herrschaft und führt das Land in die Unabhängigkeit. Die Kämpfe gegen die Spanier dauern aber noch bis 1826.
- 1823 (13.9.): Nach dem Rückzug von General San Martín aus der Politik (1821-1822) wird Simón Bolívar zum Diktator Perús ernannt.
- 1825: Oberperú trennt sich als selbstständige Republik Bolivien von Perú.
- 1836 (15.8.): Der bolivianische Diktator Andrés Santa Cruz (*1792, †1865) marschiert in Lima ein und vereinigt Perú und Bolivien in der Confederación Perú-Boliviana. Die Vereinigung zerbricht mit dem Sturz von Santa Cruz am 20.1.1839.
- 1845-1851 und 1855-1862: Unter der Präsidentschaft von General Ramón Castilla (*1797, †1867) erfährt Perú einen beachtlichen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung.
- 1866: Perú gerät mit Spanien in kriegerische Auseinandersetzungen.
- 1879-1883: Im Grenzkonflikt zwischen Chile und Bolivien in der Atacama-Wüste verbündet sich Perú mit Bolivien und wird in den Salpeterkrieg verwickelt. Perú verliert die Gebiete um Tacna, Arica und Tarapacá.
- 1929 (3.6.): Die an Chile verlorene Provinz Tacna wird an Perú zurückgegeben.
- 1930: Victor Raúl Haya de la Torre (*1895, †1979) sucht in seiner politischen Massenbewegung, der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) die Interessen der sozialen Unterschicht (vornehmlich Indios) gegen die herrschende Schicht der überwiegend spanischstämmigen Oberschicht (etwa 10% der Bevölkerung) durchzusetzen.
- 1931/1936: Nach zwei fehlgeschlagen Präsidentschaftskandidaturen geht Haya de la Torre in den Untergrund. Sein sozialreformerisches Programm bestimmt jedoch weiterhin die Innenpolitik.
- 1942: Beim Friedensabkommen von Rio erhält Perú vertraglich das von Ecuador ebenfalls reklamierten Staatsgebietes zugesprochen (Ecuador: Provinz Oriente am Oberlauf des Amazonas, Peru: Nordteil des Departament Loreto).
- 1948: Sturz von Präsident José Luis Bustamante y Rivero (*1894, †1988). Der neue Machthaber, General Manuel A. Odría Amoretti (*1897, †1974) betreibt gegenüber der APRA eine äußerst aggressive Politik.
- 1956: Ende der Militärdiktatur von General Odría und Wiederzulassung der APRA.
- 1962: Victor Raúl Haya de la Torre gewinnt die Präsidentenwahlen, wird vom Militär aber an der Machtübernahme verhindert.
- 1963: Im vom Militär durchgeführten Neuwahlen geht General Fernando Belaúnde Terry (*1912) von der Acción Popular (AP) als Sieger hervor. Während seiner Regierungszeit entsteht eine prokommunistische Guerillabewegung, die weite Landesteile kontrolliert.
- 1968: Sturz des Präsidenten Belaúnde Terry. Das Militär übernimmt unter Juan Velasco Alvarado (*1910, †1977) erneut die Macht.
- 1969: Gründung der Andengemeinschaft mit Bolivien, Chile, Ecuador und Kolumbien.
- 1975: Sturz von General Velasco Alvarado. Nachfolger wird General Francisco Morales Bermúdez (*1921). Dieser betreibt eine wirtschaftliche und soziale Reformpolitik.
- 1976/1977: Verhängung des Ausnahmezustandes nach schweren Unruhen.
- seit 1980: Andauern der Wirtschaftskrise und der Guerillatätigkeit. Die linke Terrororganisation »Leuchtender Pfad« (Sendero Luminoso) führt ein blutigen Krieg gegen die Staatsgewalt und unterwirft ein Viertel des Landes seiner Kontrolle.
- 1980-1985: Erneute Präsidentschaft von Fernando Belaúnde Terry.
- 1983: Verhängung des Ausnahmezustandes wegen anhaltender Guerillatätigkeit.
- 1985-1990: Präsidentschaft von Alán García Pérez (*1949).
- 1986 (Juni): Massaker an inhaftierten Mitgliedern des »Sendero Luminoso« (250 Tote).
- 1990 (10.7.): In Präsidentenwahlen gewinnt der japanischstämmige Alberto Fujimori (*1938) von der neu gegründeten Bewegung Cambio 90.
- 1990 (Sept.): Intensivierung der Guerillatätigkeit des »Sendero Luminoso«.
- 1992 (5.4.): Alberto Fujimori löst nach einem von den Militärs gebilligten institutionellen Staatsstreich das Parlament auf und setzt die Verfassung außer Kraft.
- 1993 (29.12.): Inkrafttreten einer neuen Verfassung.
- 1995 (Jan.): Militärischer Grenzkonflikt mit Ecuador. Beilegung durch die Friedenserklärung von Itamaraty (17.2.).
- 1995 (9.4.): Alberto Fujimori wird in seinem Amt als Präsident bestätigt.
- 1996 (17.12.): Linksgerichtete Rebellen überfallen die Residenz des japanischen Botschafters in Lima und halten die dort anwesenden Personen als Geiseln. Eliteeinheiten der peruanischen Armee stürmen am 22.4.1997 die Residenz und befreien 71 der 72 Geiseln.
- 2000 (28.5.): Alberto Fujimori erneut Präsident. Seine Wiederwahl führt zu heftigen Protesten in der Bevölkerung.
- 2000 (Nov.): Sturz von Alberto Fujimori, der sich nach Japan absetzt.
- 2001 (Juli): In freien Wahlen gewinnt Alejandro Toledo die Präsidentenwahlen. Er ist das erste Staatsoberhaupt indianischer Herkunft.