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Erste Kontakte
1652 errichtete Jan van Riebeeck im Auftrag der Dutch East Indiens Company einen Versorgungsposten in Südafrika, um den holländischen Gewürzhändlern auf ihrem Weg von Europa nach Ostindien eine sichere Zwischenstation zu gewähren. Damit war der erste Stein zur Kolonisierung Südafrikas gelegt. Lange Zeit beschränkte sich die europäische Präsenz hauptsächlich auf den Versorgungsposten. Erst im 18. Jahrhundert begannen sich dort vermehrt holländische Calvinisten wie auch einige französische und deutsche Siedler niederzulassen. Die Europäer dehnten ihre Versorgungstätigkeit aus und betrieben nun auch Landwirtschaft und Viehzucht.
Die Kolonisierung Südafrikas
1795 erschienen erstmals Briten in Südafrika und liessen sich 1806 permanent dort nieder. Bald schon verloren die Buren, wie die holländischen, deutschen und französischen Siedler genannt wurden, ihre dominante Stellung und die Briten gewannen, nachdem sie ab 1820 in grösserer Zahl einreisten, die Oberhand. Somit galt Englisch als offizielle Sprache und die englischen Gesetze erhielten Rechtsgültigkeit. Die Buren wichen ins Landesinnere aus, wo sie auf beinahe unbesiedeltes Land stiessen. Diese Wanderung, an der rund 14.000 bis 15.000 Buren beteiligt waren, ging als Great Trek in die Geschichte ein.
Die Buren begannen sich nach 1837 vor allem in Transvaal immer weiter auszudehnen. Dabei ignorierten sie die Landrechte der dort lebenden Bantu-Ethnien, vor allem der Ndebele. Aufgrund des Druckes von Seiten der Buren kam es unter den Bantu-Gruppen zu grösseren Wanderungsbewegungen, der Mfecane. Die Buren gründeten die beiden Republiken Transvaal und Orange Free State. Die dortigen Bantu wurden untergeordnet. In der Folge kam es insbesondere nach den Diamantenfunden im Jahre 1867 und den Goldfunden neunzehn Jahre später zu heftigen Kriegen zwischen den Buren und den Briten. Die Briten konnten sich letztlich durchsetzen, versuchten sich jedoch mit den Buren zu arrangieren. So wurde das Afrikaans, die Sprache der Buren, die sich vor allem aus dem Holländischen entwickelt hatte, als zweite offizielle Landessprache neben dem Englischen eingeführt.
Für die Bantu hatte dies einschneidende Veränderungen ihrer Gesellschaftsstruktur zur Folge. Sie waren keine unabhängigen Gesellschaften mehr. Es entwickelte sich ein ökonomischer Individualismus. Viele Bantu begannen anstatt für ihre Gesellschaft für den Markt zu produzieren. In Gold- und Diamantenminen fanden sie weitere alternative Beschäftigungsmöglichkeiten. Etliche Gruppen zogen in die Nähe von Missionsstationen.
Die Bantu leisteten zum Teil starken Widerstand gegen die oben geschilderte Entwicklung. Es kam zu einigen verlustreichen Kriegen, insbesondere zwischen den Xhosa und den Briten. Ein Krieg zwischen diesen beiden Völkern von 1834 bis 1835 forderte rund 1500 Opfer, davon nur hundert auf britischer Seite.
Gebrochen wurde der Widerstand der verschiedenen Bantu-Ethnien oft durch eine Reihe anderer Faktoren, wie Naturkatastrophen und Trockenheit. Die Rinderpest beispielsweise tötete Ende des 19. Jahrhunderts 80 bis 90 Prozent des Viehs in der Transkei und beinahe ebensoviel in der Ciskei. Die Ernteerträge der Bantu gingen stark zurück. Der Grund für die Einbussen in der Landwirtschaft sind vielseitig. Zum einen erhielten sie durch europäische Grossfarmer starke Konkurrenz. Dazu kam eine allgemeine Rezession von 1873 bis 1896 sowie der interne wie auch externe Druck durch den Diamantenabbau ab 1860 und den Goldabbau ab 1880. Der interne Druck wurde verursacht durch das Interesse vieler Bantu, sich am Abbau zu beteiligen, was die Schwächung der traditionellen Strukturen und damit der Landwirtschaft zur Folge hatte. Externer Druck entstand durch den Wert der Diamanten und des Goldes, welcher die Weissen zu einer gezielteren Kolonisierung drängte.
Eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Kolonisierung spielten sicherlich die Missionare, die allerdings mit unterschiedlichem Erfolg operierten. Wo beispielsweise die Tswana recht offen auf die missionarischen Bemühungen reagierten, zeigten sich die Zulu sehr zugeknöpft.
Insgesamt dauerte die Kolonisierung Südafrikas relativ lange. Dies lag sicherlich am grossen Widerstand der Bantu, aber auch an der verhaltenen Vorgehensweise der britischen Regierung.
Um 1820, als britische Siedler im grossen Stile in die Kapkolonie einwanderten, übernahm Grossbritannien dort die dominante Stellung. In der Sand River Convention von 1852 regelten sie die Landaufteilung mit den Buren. Sie überliessen den Buren sämtliches Land nördlich des Flusses Vaal und anerkannten deren Unabhängigkeit in der Republik Transvaal. Zwei Jahre später anerkannten sie auch die Unabhängigkeit der zweiten Burenrepublik, des Orange Free State.
In der Folge vergrösserten die Briten ihr Territorium kontinuierlich, sowohl durch Grenzverschiebungen der Kapkolonie wie auch durch Annexion weiterer Kolonien. So verleibten sie 1843 die fünf Jahre zuvor von den Buren gegründete Kolonie Natal in die Kapkolonie ein. 1868 annektierten sie Basutoland.
1872 gewährte Grossbritannien der Kapkolonie innere Autonomie. Dies war der erste Schritt zum eigenständigen Staat Südafrika. Die Vergrösserung des durch die südafrikanischen Briten kontrollierten Territoriums ging nun in erhöhtem Tempo weiter. Zwischen 1872 und 1894 eroberte die Kapkolonie von den Bantu mehr Land als im ganzen vorangegangenen Teil des Jahrhunderts. 1877 annektierte sie die Republik Transvaal, die sie allerdings nur vier Jahre halten konnte, bevor sie sie in einem Krieg wieder an die Buren verlor. Nach der Annexion von Bechuanaland und Pondoland besiegte die britische Kapkolonie die Buren im Burenkrieg von 1889-1902, bei dem auch die Schwarzen Tausende von Toten zu beklagen hatten, endgültig. Die Burenrepubliken gingen an die Briten über. Mit dem Friedensvertrag von Vereeniging begann die offizielle Diskriminierung der Schwarzen. Der Vertrag beinhaltete eine Klausel, wonach nur die Reicheren, die einen gewissen Eigentumsnachweis erbringen konnten, das Wahlrecht erhielten. Damit waren die allermeisten Schwarzen von der aktiven Politik ausgeschlossen.
1910 entstand die Südafrikanische Union als unabhängiges Dominion im britischen Commonwealth. Sie war ein Zusammenschluss von der Kapkolonie, Natal, Oranjefreistaat und Transvaal. 1915 fiel Deutsch-Südwestafrika an Südafrika. Der Völkerbund vergab an die Union ein Mandat über dieses Gebiet.
Zwei politische Lager standen sich gegenüber. Die South African Party, die sich für engere Beziehungen zu Großbritannien einsetzte und die National Party, die sich von England abgrenzen wollte. Die NP predigte außerdem die Überlegenheit des weißen Afrikanertums. Von 1910 bis 1919 regierte die SAP, deren Premierminister Louis Botha Südafrika an der Seite von Großbritannien im Ersten Weltkrieg kämpfen ließ. 140.000 weiße Südafrikaner nahmen an den Kämpfen teil, unterstützt von 80.000 schwarzen Hilfstruppen.
Die Wirtschaft des Landes versank in einer Rezession. Die Eigentümer der Goldbergwerke nutzten die Situation, senkten die Löhne und stellten mehr schwarze Arbeiter ein. In Johannesburg kam es zu Unruhen, die über 100 Tote forderten. Die afrikaansen Nationalisten unterstützten den Widerstand der weißen Arbeiter. Sie prägten den Begriff des Poor Whites, dessen Rechte gegen das britische Kapital zu verteidigen seien.
1924 wurde die Nationale Partei an die Regierung gewählt. In Koalition mit der Labour Party hatte die Regierung eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Um die die Arbeitslosigkeit unter den weißen Arbeitern zu senken, wurde für sie Arbeitsplätze in der Verwaltung und in der Industrie geschaffen.
Weitere restriktive Maßnahmen gegen die Schwarzen und Inder wurden beschlossen. Premierminister James Barry Munnick Hertzog setzte die Rassentrennungspolitik mit der Segregation fort. Schwarzen war es nun verboten, in den Städten zu leben.
Großbritannien erlaubte Südafrika 1926, Botschaften in anderen Ländern zu eröffnen. Ein unabhängiges südafrikanisches Außenministerium entstand. 1931 erhielt Südafrika die formelle Unabhängigkeit.
1934 vereinigten sich überraschend SAP und NP zur United South African National Party (United Party). 1938 errang die vereinigte Partei noch ein Mal einen Wahlsieg. Doch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zerbrach das Bündnis. Premierminister Hertzog war für die südafrikanische Neutralität. Justizminister Jan Chritiaan Smuts war für den Kriegseintritt Südafrikas an der Seite Großbritanniens. Hertzog unterlag bei der Parlamentsabstimmung von 4. September 1939. Südafrika erklärte Deutschland den Krieg. Premierminister wurde Smuts.
1943 wurde Smuts mit absoluter Mehrheit wiedergewählt. Er genoss als Mitglied im Kriegskabinett Churchills, trotz seiner antibritischen Haltung, in Großbritannien hohes Ansehen. Südafrikanische Soldaten kämpften in Abbessinien, Nordafrika und Italien. Unterstützt wurden sie dabei von schwarzen, unbewaffneten Hilfstruppen.
Inzwischen wuchs durch die Rüstungsaufträge die südafrikanische Wirtschaft. Da viele Weiße an der Front waren, mussten schwarze Arbeiter verstärkt in der Industrie angestellt werden. Die Schwarzen zogen vermehrt in die Städte. Ihr Bevölkerungsanteil wuchs an. Schwarze Oppositionsgruppen entstanden, wie der ANC, Gewerkschaften wie der ICU, sowie religiöse Splittergruppen.
Die weiße Bevölkerung, besonders die Afrikaaner, fühlten sich dadurch bedroht und sahen in einer strikten Apartheidspolitik die Sicherung ihrer Stellung. Am 26. Mai 1948 wurde Daniel François Malan zum Premier gewählt. Er war Garant für die verstärkte Rassentrennung im Land. Er wollte die baasskap, die weiße Vorherrschaft sichern. 1951 wurde ein Erlaß herausgegeben, dass Farbigen nur noch mit vier weißen Abgeordneten im Parlament vertreten sein durften.
Die Regierung förderte vor allem die burischen Afrikaaner, indem diese vorrangig Arbeitsplätze in der Verwaltung erhielten. Die Regierung legte die Grundlagen für vierzig Jahre Apartheid. In dieser Zeit sollten über 1.000 verschiedene Bestimmungen im Sinne der Rassentrennung erlassen werden.
Die Unterwerfung der Bantu
Die Weissen fühlten sich dank ihrer dominierenden Stellung den Bantu überlegen. Sie sahen sich von Gott auserwählt, über die Schwarzen zu herrschen und sie zu zivilisieren. Damit rechtfertigten sie die Unterwerfung der Bantu, die sich hauptsächlich zwischen 1830 und 1900 abspielte.Chronologie der Kolonisierung
Die Kolonisierung Südafrikas durch die Engländer erfolgte schrittweise, ausgehend von der Kapkolonie, welche aufgrund ihrer klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft ungeeignet ist. Auf der Suche nach besseren landwirtschaftlichen Landstücken breiteten sich die burischen Siedler immer weiter nach Norden und Osten aus.Gründung der Südafrikanischen Union
Präsidenten
Siehe auch:
Apartheid, Burenkrieg