Geschichte Thüringens

Das Land Thüringen hat eine sehr lange Geschichte. Es ist benannt nach einem germanischen Stamm der "Thüringer" ("jene, die Thor verehren", die schon im 4. Jahrhundert das Land besiedelten. Im Laufe der Geschichte zerfiel es in zahlreiche Herrschaften, die sich immer wieder veränderten.

Table of contents
1 Frühgeschichte und Altertum
2 Mittelalter
3 Neuzeit
4 20. Jahrhundert
5 Anhang

Frühgeschichte und Altertum

Das heutige Thüringen lag in der Altsteinzeit an den südlichsten Ausläufern der eiszeitlichen Gletscher (Elster-Eiszeit). Die ältesten Funde menschlicher Besiedlung im Land stammen aus Ehringsdorf (bei Weimar) sowie aus Ranis.

Um 100 v. Chr wandern Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und vertreiben bzw. vermischen sich mit Kelten. Letztere lebten bis um Christi Geburt südlich des Thüringer Waldes und erbauten dort ihr einziges Oppidum auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, die Steinsburg bei Römhild.

3 n. Chr. vereinigt Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich. 19 n. Chr. vertreibt Wibilo, König der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods, und verleibt sich so das böhmische Markomannenreich ein. Laut Tacitus (98 n. Chr.) entspringt die Elbe im Gebiet der Hermunduren. Die Elbquelle liegt im nördöstlichen Böhmen.

Die Römer herrschen zwar niemals in Thüringen, dennoch unterhalten sie Handelsbeziehnugen und unternehmen einige Expeditionen dorthin. Vielfach wurden im Land römische Münzen gefunden, und eine in Haarhausen bei Erfurt ausgegrabene Töpferei ist fast identisch mit denen der Römer.

Im 3. Jahrhundert brechen Angeln und Warnen von Norden nach Thüringen ein. Im 4. Jahrhundert wird der Name Toringi erstmals durch Flavius Vegetius Renatus schriftlich erwähnt.

Mittelalter

Königreich Thüringen

Das Königreich Thüringen existierte etwa von Christi Geburt bis zur Zerschlagung durch die Franken und Sachsen im Jahre 531. Es geht insbesondere auf den germanischen Stamm der Hermunduren (Ermunduren) (Duringer = Thüringer) zurück. Die Quellen sind spärlich, genau zu datieren ist nur das Ende.

Nach dem Hunneneinfall und ihrem Abzug im Jahre 452 kann König Bisinos (Bisinus) einen riesigen Machtbereich kontollieren. Sein Reich erstreckt sich nach Süden über den Main hinaus. Bisinos residiert in der Bisinesburg (Bösenburg, Saalkreis).

Um 500 heiratet Bisinos' Sohn Herminafried (Ermanfried, Hermenefred) die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgoten Theoderich.
526 stirbt Theoderich. Das Thüringische Reich verliert den gotischen Schutz, die Franken planen den Krieg.
531 ist das Ende des Reiches gekommen - in der Schlacht bei Burgscheidungen an der Unstrut besiegen die merowingischen Franken mit den verbündeten Sachsen die Thüringer. Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafried 534 in Zülpich) fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Das Reich wird zerschlagen, bleibt aber eine Verwaltungseinheit. Der Norden nördlich des Harzes geht an die Sachsen, der Süden an die Franken.

594 wird ein Aufstand der Warnen von den Franken niedergeschlagen.

Herzogtum Thüringen

Um 620 richteten die Merowinger in Thüringen ein Herzogtum unter der Herrschaft des Herzogs Radulf ein. Über ihn und seine Nachfolger (Heden I, Heden II) ist fast nichts bekannt. Unklar ist, ob es sich bei Radulf um einen Herzog Hruodi handelt, der etwa zeitgleich in der Würzburger Gegend herrschte. Das Herzogtum bestand bis ins späte 7. Jahrhundert.

Landgrafschaft Thüringen

An der Hauptverkehrsstraße, der Via Regia, bildete sich die Thüringer Städteachse mit den Orten Eisenach, Gotha, Erfurt und Buttelstedt. Um 1800 verschob sich die Verkehrsachse auf die Städte Eisenach, Gotha, Erfurt und Weimar sowie Jena und Gera.

1067 erbaut Ludwig der Springer, ein Graf aus dem Geschlecht der Ludowinger, die Wartburg. Seine Nachkommen erhalten 1130 die Würde eines Landgrafen von Thüringen. Die Thüringer Landgrafen waren:

  1. 1130-1140 Ludwig I
  2. 1140-1172 Ludwig II, der Eiserne
  3. 1172-1190 Ludwig III, der Milde oder der Fromme
  4. 1190-1217 Hermann I
  5. 1217-1227 Ludwig IV, der Heilige
  6. 1227-1241 Hermann II
  7. 1241-1247 Heinrich Raspe

Durch sie wird die Wartburg im 12 und 13. Jahrhundert ein Zentrum deutscher Kultur. Bekannt sind der Sängerkrieg (1207) und das Wirken der heiligen Elisabeth (1204-1236).
Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe, versucht 1246 die deutsche Königskrone zu erlangen, stirbt jedoch ein Jahr später. Das Land fällt zum Großteil an den Wettiner Heinrich den Erlauchten, der Westteil des ehem. ludowingischen Herrschaftsgebietes, die durch Heirat zur thüringischen Landgrafschaft hinzugekommenen hessischen Grafschaften, erlangen wieder ihre Unabhängigkeit 1264 und bilden die Landgrafschaft Hessen.
Bis 1423 führen die Wettiner den Titel "Landgraf von Thüringen", dann werden die Markgrafschaft Meißen und die Landgrafschaft Thüringen mit Sachsen-Wittenberg zum Kurfürstentum Sachsen vereinigt.

Neuzeit

Reformationszeit

1485 kommt es zur Leipziger Teilung, bei der die wettinischen Lande zwischen den Albertinern und den Ernestinern aufgeteilt werden. Der Hauptteil von Thüringen fällt dabei an die Ernestiner. Ihr Gebiet wird später in eine Vielzahl von Zwergstaaten aufgesplittert. Der Norden Thüringens verbleibt bei den Albertinern und damit beim Kurfürstentum Sachsen.

Während der Reformation spielt Thüringen eine bedeutende Rolle. Martin Luther hält sich 1521/22 auf der Wartburg versteckt und übersetzt dort das Neue Testament ins Deutsche.
1525 ist Thüringen neben Südwestdeutschland ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges. Bei Bad Frankenhausen kommt es am 15. Mai 1525 zu einer von dessen bedeutendsten Schlachten, wenige Tage später wird Thomas Müntzer in Mühlhausen aufgegriffen und hingerichtet.

1531 schließen sich die protestantischen Reichsstände in Schmalkalden zum Schmalkaldischen Bund gegen Kaiser Karl V zusammen. Die Ächtung der führenden Vertretr dieses Bundes im Jahr 1546 führt zum Schmalkaldischen Krieg von 1546/47.

Durch die Wittenberger Kapitulation von 1547 verlieren die Ernestiner Teile ihres Besitzes und auch die Kurwürde an die Albertiner. Die Ernestiner behalten lediglich ihre thüringischen Besitzungen, die sich wie folgt zusammensetzen: die Ämter, Städte und Schlösser Gerstungen, Eisenach, Wartburg, Creuzburg, Tenneberg, Waltershausen, Leuchtenburg, Roda, Orlamünde, Gotha, Jena, Kapellendorf, Roßla, Weimar, Wachsenburg, Dornburg, Camburg, Buttstädt, Arnshaugk, Weida und Ziegenrück.

Hierzu kamen nach dem Tode des Herzogs Johann Ernst von Coburg (1553) noch die Ämter Coburg, Sonneberg, Hildburghausen, Königsberg, Veilsdorf und Schalkau und durch den Naumburger Vertrag (24. Februar 1554) Altenburg, Eisenberg, Sachsenburg und Herbesleben, welche Kurfürst August abtrat, sowie 1555 durch Tausch mit den Grafen von Mansfeld die Herrschaft Römhild. Schließlich erwarb das Ernestinische Haus aus der hennebergischen Erbschaft (1583), definitiv allerdings erst 1660 die Ämter Meiningen, Themar, Maßfeld, Behrungen, Henneberg, Milz, Ilmenau, Kaltennordheim, Frauenbreitungen, Sand und Wasungen.

Durch die 1572 einsetzende Erbteilung der Ernestinischen Lande beginnt die Aufteilung Thüringens in zahlreiche kleine Einzelstaaten.

17. und 18. Jahrhundert

Die zerfallenen ernestinischen Gebiete (Ernestinische Herzogtümer) waren zeitweise in bis zu zehn Einzelstaaten aufgespalten, davon hatte im 17. Jahrhundert Sachsen-Gotha (mit Ernst dem Frommen), im 18. Jahrhundert Sachsen-Weimar-Eisenach die Vorherrschaft. Um 1800 wurde Weimar durch Herzogin Anna Amalia und Herzog Karl August ein Zentrum der deutschen Kultur, hier wirkten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

19. Jahrhundert

Der Reichsdeputationshauptschluss hebt 1803 die geistlichen Fürstentümer und fast alle Reichsstädte in Deutschland auf. Dies betrifft in Thüringen die kurmainzischen Gebiete Erfurt und Eichsfeld sowie die freien Reichsstädte Nordhausen und Mühlhausen. Die kleinen Fürstentümer der Ernestiner, der Reußen und der Schwarzburger bleiben hingegen erhalten. Sachsen-Weimar-Eisenach wird von Napoleon I zum Großherzogtum ernannt.

1806 siegt Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt über das Königreich Preußen.

Am Ende der Napoleonischen Ära wird Thüringen zum Ursprungsland der Burschenschaften - 1815 wird die erste derartige Studentenverbindung in Jena gegründet. 1817 findet eine der bedeutendsten Aktionen der Burschenschaften in Thüringen statt - das Wartburgfest.

Nach dem Wiener Kongress gibt es in Thüringen immer noch 12 unabhängige Staaten, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts auf acht reduzierten. Alle anderen Gebiete des heutigen Freistaates Thüringen fallen an Preußen. Nur das Gebiet um Schmalkalden gehört zu Hessen-Kassel, mit dem es 1866 ebenfalls preußisch wird.

Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg wurden die ernestinischen Herzogtümer neu aufgeteilt. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen erhielt ganz Sachsen-Hildburghausen, dessen Herzog zum Ausgleich Sachsen-Altenburg erhielt, und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld, das daraufhin mit Sachsen-Gotha in Personalunion zum Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha vereinigt wurde.

Die sächsischen Herzogtümer sowie die reußischen und schwarzburgischen Staaten wurden zusammenfassend als Thüringische Staaten bezeichnet. Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren dies folgende Länder:

  1. Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
  2. Herzogtum Sachsen-Meiningen
  3. Herzogtum Sachsen-Altenburg
  4. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha
  5. Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
  6. Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  7. Fürstentum Reuß jüngere Linie
  8. Fürstentum Reuß ältere Linie

An diese Staaten erinnern heute noch die acht Sterne im Thüringer Landeswappen.

20. Jahrhundert

Weimarer Republik und Drittes Reich

Die acht Staaten (mit Ausnahme des Gebietes um Coburg, das sich Bayern anschloss) wurden im Zuge der Novemberrevolution von 1918 Bundesstaaten mit republikanischer Verfassung und vereinigten sich am 1. Mai 1920 zum Freistaat Thüringen. Hauptstadt wurde Weimar. Der Staat erhielt am 11. Februar 1921 eine Verfassung.

Vom 6. Februar bis 30. September 1919 tagt in Weimar die verfassunggebende Nationalversammlung. Sie verabschiedet am 11. August die so genannte "Weimarer Verfassung", nach der die bis 1933 bestehende deutsche Republik die Bezeichnung "Weimarer Republik" erhält. Auch in Thüringen ist die Zeit der Weimarer Republik von politischen Wirren geprägt. Schon 1932 kann die NSDAP in Thüringen die Regierung bilden. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wird Weimar zur Gauhauptstadt ausgebaut, das so genannte "Gauforum" existiert noch heute. Gauleiter wird Fritz Sauckel. Außerdem werden in Thüringen die Konzentrationslager Buchenwald und Dora-Mittelbau errichtet.
Am 1. April 1944 wird der zur preußischen Provinz Sachsen gehörige Regierungsbezirk Erfurt sowie der zur preußischen Provinz Hessen-Nassau gehörige Kreis Schmalkalden mit dem Land Thüringen vereinigt.

Nachkriegszeit und DDR

Nach dem 2. Weltkrieg wird das Gebiet zunächst amerikanisch besetzt. Die Amerikaner setzten Herrmann Brill als Regierungspräsidenten (Ministerpräsidenten) ein. Auf Grund alliierter Vereinbarungen wird Thüringen ab 2. Juli 1945 von sowjetischen Truppen besetzt, unter denen Rudolf Paul zum Regierungspräsidenten ernannt wird. 1947 wird schließlich Werner Eggerath Regierungspräsident.

In der Folgezeit gibt es einige Grenzbereinigungen zwischen Hessen und Thüringen bzw. zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone. 1946 erhält das Land Thüringen wieder eine Verfassung und 1948 wird der Regierungssitz von Weimar nach Erfurt verlegt.

Ein Jahr später wird Thüringen Teil der DDR, aber schon am 25. Juli 1952 beschließt der Landtag das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in Thüringen. Damit wird das Land aufgelöst. Fortan bestanden die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl.

Thüringen als Land der Bundesrepublik Deutschland

Mit der politischen Wende in der DDR wird das Land Thüringen am 22. Juli 1990 wieder gegründet und am 3. Oktober ein Land der Bundesrepublik Deutschland. In Anlehnung an den Staat der Weimarer Republik nennt es sich Freistaat Thüringen. Landeshauptstadt wird Erfurt.

Auf einer Sitzung auf der Wartburg am 25. Oktober 1993 verabschiedet der Thüringer Landtag eine neue Verfassung, die am 16. Oktober 1994 durch eine Volksabstimmung angenommen wird.

Seit den ersten freien Landtagswahlen war immer die CDU Regierungspartei. Ministerpräsidenten waren 1990 bis 1992 Josef Duchac, 1992 bis 2003 Bernhard Vogel und seit 2003 Dieter Althaus.

Anhang

Verwaltungsgliederung des Landes Thüringen bis 1944

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Altenburg
  2. Stadtkreis Apolda
  3. Stadtkreis Arnstadt
  4. Stadtkreis Eisenach
  5. Stadtkreis Gera
  6. Stadtkreis Gotha
  7. Stadtkreis Greiz
  8. Stadtkreis Jena
  9. Stadtkreis Weimar

Landkreise
  1. Landkreis Altenburg
  2. Landkreis Arnstadt
  3. Landkreis Eisenach
  4. Landkreis Gera
  5. Landkreis Gotha
  6. Landkreis Greiz
  7. Landkreis Hildburghausen
  8. Landkreis Meiningen
  9. Landkreis Rudolstadt
  10. Landkreis Saalfeld
  11. Landkreis Schleiz
  12. Landkreis Sondershausen
  13. Landkreis Sonneberg
  14. Landkreis Stadtroda
  15. Landkreis Weimar

Verwaltungsgliederung des Regierungsbezirks Erfurt (bis 1944 preußische Provinz Sachsen)

Stadtkreise:
  1. Stadtkreis Erfurt
  2. Stadtkreis Mühlhausen
  3. Stadtkreis Nordhausen

Landkreise:
  1. Landkreis Grafschaft Hohenstein (Landratsamt in Nordhausen)
  2. Landkreis Heiligenstadt
  3. Landkreis Langensalza
  4. Landkreis Mühlhausen
  5. Landkreis Schleusingen (Landratsamt in Suhl)
  6. Landkreis Weißensee
  7. Landkreis Worbis
  8. Landkreis Ziegenrück

Ferner ab 1944 bei Thüringen:
  1. Landkreis Schmalkalden (bisher zur preußischen Provinz Hessen-Nassau)

Die Ministerpräsidenten von Thüringen

Zwischen 1952 und 1990 war das Land Thüringen aufgelöst.