Großserbisches Reich

Unter Großserbisches Reich versteht man zwei relativ kurze Zeiten im 9 und 14. Jahrhundert, in denen Serbien mit seinen südslawischen Nachbarn einen großen Staat bildete.

Großserbische Bestrebungen im 20. Jahrhundert

Die Erinnerung daran motivierte aber auch im 20. Jahrhundert - nach 500 Jahren unter den Osmanen - manche serbischen Politiker, nochmals einen panslawistisch-großserbischen Staat anzustreben.

Dies führte in der Gegnerschaft zu Österreich-Ungarn von 1907 bis 1914 zum 1. Weltkrieg, bzw. in der Unterdrückung von Autonomiebestrebungen von 1970 bis 1991 zum Zerfall Jugoslawiens.

Die Ursprünge Serbiens

liegen nach Meinung vieler Historiker im Kosovo, südlich der heutigen Republik Serbien. Dort sollen sich im 6. Jahrhundert die ersten Siedler niedergelassen haben und dort unterlagen ihre Nachfahren 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) dem Heer der Türken. Der Gedenktag 28. Juni wurde serbischer Nationalfeiertag.

Für Andere ist Serbiens Ursprung der Sandschak (türkischer Name für Raszien, serbisch Raška). Er bezeichnet ein heute ebenfalls islamisches Gebiet zwischen Zentralserbien und Montenegro, westlich des Kosovo in Richtung Bosnien. Seine Hauptstadt ist Novi Pazar. Man nannte die Serben früher auch Raszier.

Byzanz, Awarenreich und Südslawen

Nach den Römern hatte Byzanz (das "Ostrom" Konstantinopel) die Herrschaft über den Großteil der Balkanhalbinsel und förderte das Entstehen kleiner Pufferstaaten gegen das Awarenreich im Norden. Dieses bestand seit 567 vom Karpatenbogen bis zur Donau - bis zur Niederlage 803 gegen das Frankenreich von Karl dem Großen.

Byzanz ermunterte slawische Stämme, sich als Föderaten in den Provinzen des Balkan anzusiedeln. Diese seit 580 entstehende südslawische Einwanderung reichte vom heutigen Slowenien über Kroatien, Bosnien und Serbien bis nach (slawisch) Bulgarien und den Peloponnes. Manche nahmen die griechischee Kultur an, andere blieben slawisch nach Sprache und Volkstraditionen. Aus ihnen bildeten sich

Slawische Fürstentümer und Großserbien

unter der Oberhoheit von Ostrom. Von ihnen war das weitgehend selbständige serbische Fürstentum das bedeutendste. Es erlebte mit Zupan Vlastimir und der Hauptstadt Ras in der Mitte des 9. Jahrhunderts seine Blüte.

830 hatten sich benachbarte Stämme unter Vlastimir vereinigt, um sich gegen die unter Khan Presiam gegen das Byzantinische Reich vordrängenden Bulgaren wehren zu können. Vermutlich in dieser Zeit - ab 850 - wurde Serbien (Raszien) von den "Slawenaposteln" Kyrill und Method orthodox christianisiert und neigte im Machtgefüge der Balhanhalbinsel eher Byzanz zu.

Der bulgarische Zar Simeon I fürchtete eine Umklammerung und wollte Časlav, einen am bulgarischen Hof aufgewachsenen Urenkel Vlastimirs als Groß-Zupan einsetzen und dadurch Serbien als Provinz zu annektieren. Doch nach Simeons Tod 927 zog Časlav als Befreier nach Serbien zurück, anerkannte Byzanz und erhielt Hilfe beim Wiederaufbau des Landes. So festigte sich der Staat, der etwas größer war als unter Vlastimir, zerfiel aber wieder nach Caslavs Tod bei einem Angriff der Ungarn.

Im 11. Jahrhundert bekam Serbien die dritte Chance zur Regionalmacht. Mihaljo von Zeta verband sich durch seine Heirat mit Byzanz gesucht. Als dieses aber im Normannenkrieg geschwächt war, unterstützte er einen Aufstand der südslawischen Völker gegen die byzantinische Oberherrschaft. Dieser scheiterte, doch bekam Mihajlo Unterstützung im Westen. Der Papst wollte 1054 nach der Kirchenspaltung die Herrscher im Osten wieder für Rom gewinnen, ernannte Mihaljo zum König und machte so dessen Land Duklja zum ersten serbischen Königtum mit internationaler Anerkennung.

Das Großserbische Reich

Das 12. Jahrhundert wird durch Stefan Nemanja zum Angelpunkt des serbischen Nationalbewusstseins. Stefan, mit den Herrschern Rasziens verwandt, schließt nach einem Kampf gegen zwei seiner Brüder bei Pantino mit 2 anderen eine Union. Sie erkennen ihn als Groß-Zupan an, helfen Venedig und Ungarn im Krieg gegen Byzanz und verlieren gegen Kaiser Manuel. Doch nach Manuels Tod 1180 ringen sie Byzanz die Unabhängigkeit und große Gebiete ab - darunter den Kosovo und Niš, das zur neuen Hauptstadt wird. Ein Friedensvertrag mit dem byzantinischen Kaiser Isaak II Angelos stabilisiert die Lage.

1196 übergibt Stefan Nemanja seinem Sohn Stefan. Als "Mönch Simeon" gründet er zahlreiche Kirchen und Klöster (darunter Studenica und Hilandar) und nach seinem Tod 1199 als serbischer Nationalheiliger verehrt.

Nun ist Serbien zu Ende des 12. Jahrhunderts formell ein Königreich. Kroatien wurde schon im 11. Jahrhundert formell unabhängig von Byzanz und ein Königreich, das in Personalunion mit dem ungarischen regiert wurde. Auch in Bosnien gab es seit dieser Zeit unabhängige Herrschaften.

Große Macht erreichte das Großserbische Reich zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Es umfasste unter Stefan Dusan 1331 - 1355 die ganze westliche Balkanhalbinsel: Serbien, Herzegowina, Montenegro, Albanien, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien und Nordgriechenland sowie Teile der heutigen Staaten Kroatien und Bulgarien.

In dieser Machtfülle bestand es zwar nur einige Jahrzehnte, motivierte jedoch viele Serben zwischen 1907 und 1914, nochmals ein panslawistisch-großserbisches Reich anzustreben und damals von Österreich-Ungarn den Anschluss Bosniens an Serbien zu fordern.

Amselfeld und Osmanische Zeit

Die Reiche Serbien und Bosnien wurden durch die osmanisch-türkischen Eroberungen ab dem 14. Jahrhundert Teil des osmanischen Reiches. Die Serben unterlagen 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje), obwohl sie auch von Polen, Ungarn und Mongolen unterstützt wurden.

Die Schlacht mit 77.000 Toten leitete den Untergang des Großserbischen Reiches ein; ihre Auswirkungen sind noch in den Konflikten der Gegenwart zu spüren. Serbien verlor seine Eigenstaatlichkeit für 500 Jahre. In dieser Zeit wurden Viele zu Moslems, doch blieb das serbische Nationalgefühl u.a. durch die serbisch-orthodoxen Klöster erhalten.

Eine zweite Schlacht am 19. Oktober 1448, bei der Murad II die Türken befehligte, brachte die gänzliche Niederlage der Serben.

Wiedererstehen von Serbien

Einige Jahre nach der osmanischen Niederlage bei Wien 1683 (Zweite Türkenbelagerung siegte Prinz Eugen nach Ungarn auch bei Belgrad. Doch erst 180 Jahre später wurde Serbien 1878 wieder unabhängig und 1882 Königreich. Doch gingen Bosnien und der Sandschak an Österreich-Ungarn, das sie 1908 annektierte. Diese Situation führte schließlich zum 1. Weltkrieg. Knapp vorher hatten die Balkankriege 1912/1913 die türkische Vorherrschaft auf dem Balkan beendet.

Die weitere Geschichte am westlichen Balkan wurde durch die Gründung Jugoslawiens 1918 eingeleitet. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt, gerät 1931 unter serbische Vorherrschaft. Nach dem 2. Weltkrieg ersteht es unter Josip Broz Tito als "Föderative Volksrepublik Jugoslawien" mit 6 Teilrepubliken neu, unter denen Serbien bis 1990 den Ton angibt.

Als die Unterdrückung der Autonomiewünsche einiger Republiken und des Kosovo schließlich 1991 zum Bürgerkrieg und Zerfall des Staates führt, schließen sich Serbien und Montenegro zu "Restjugoslawien" zusammen. Seit 4. Februar 2003 firmieren sie aber wieder als teilweise getrennte Republiken.

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