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Die Heilsgeschichte, auf die sich der christliche Glaube bezieht, hat ihre Mitte ("Fülle der Zeit" Gal. 4,4; Eph. 1,10) räumlich in der römischen Provinz Judäa, zeitlich in den ersten Jahrzehnten der christlichen Zeitrechnung: Leben und Wirken, Kreuzestod und Auferstehung des Jesus von Nazaret. Als dessen Ankündigung und Vorbereitung gilt die Menschheitsgeschichte seit Schöpfung und Sündenfall, insbesondere die Geschichte Israels von Abraham über Mose (Exodus), David, die Propheten bis zum Babylonischen Exil und dem Wiederaufbau des Tempels. Die Geschichte nach Christus gilt als "letzte" oder "Endzeit", in der das Evangelium zu allen Völkern dringt, bis die Zahl der Geretteten voll sein und Christus in Herrlichkeit wiederkehren wird (s. Messias, Endgericht, Eschatologie, Apokalypse).
Heilsgeschichtliches Denken liegt der gesamten christlichen Kunst des Abendlandes zugrunde. Es hat auch das philosophische Denken geprägt (Joachim von Fiore, Georg Wilhelm Friedrich Hegel u.v.a.) und als Fortschrittsglaube sowie als Kern politischer Ideologien unabsehbare Konsequenzen gehabt. Moderne Kritiker sehen in ihm eine der Ursachen für die Entfremdung des Menschen von der in Zyklen lebenden Natur. Für den Existenzialismus andererseits (Kierkegaard; Heidegger; Sartre) ist Geschichtlichkeit die Grundverfasstheit des Menschen, sein Schicksal und seine Würde.