Hinduismus

Hinduismus ist eine Religion, die neben dem Buddhismus ihren wahren Ursprung auf dem indischen Subkontinent hat. Die Angehörigen dieser Religion werden Hindu genannt. In Indien bekennen sich etwa 83 Prozent der Bevölkerung zum hinduistischen Glauben. Seit der britischen Kolonialzeit in Indien ist hinduistisches Gedankengut in Europa und Nordamerika bekannt geworden, und Einwanderung hat zum Aufbau hinduistischer Tempel und Gemeinden in vielen Ländern geführt. Weltweit gibt es etwa 811 Millionen Anhänger.

Der Hinduismus kennt keine Gründerfigur (wie etwa Moses im Judentum oder Buddha im Buddhismus). Es gibt auch keine wohldefinierte Schriftensammlung, die alleingültig ist oder als vollständig gilt. Dennoch sind die Veden die grundlegenden Schriften des Hinduismus. Später kamen der Vedanta und die Upanischaden (Geheimlehren) hinzu. Der Hinduismus ist auf das Gurusystem aufgebaut. Jeder Guru bringt seine Realisation ein und hat Schüler, die ihm folgen. So haben viele spirituelle Lehrer (Gurus) in ihren Schriften ihre persönliche Lehre hinterlassen. Das führte bei den einfachen Geistern im Westen zu einer vollkommenen Missinterpretation der Hinduistischen Religion. Gleichzeitig gibt es viele einander widersprechende Richtungen im Hinduismus, die aufgrund ihrer unterschiedlichen zugrundeliegenden Schriften, Traditionen und Gottesvorstellungem manchmal als eigenständige Religionen angesehen werden. Brahma, Vishnu und Shiva sind jedoch in den meisten Richtungen verehrte Hauptgottheiten. Götter, Menschen und Tiere durchwandern die Yuga genannten Weltzeitalter, nach hinduistischer Glaubensvorstellung, in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf. Während der Durchläufe wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Wiedergeburten oder die Erlösung (Nirvana), das Aufgehen der Einzelseele (Atman) in das "kosmische Bewußtsein" (Brahman). Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung des Geistes und je nach Realisation des Suchers kann diese durch viele Methoden (Yoga) erreicht werden. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus trotz Streichung des Kastensystems aus der Verfassung weiterhin große soziale Relevanz.

Andererseits ist das Wort 'Hindu' von der persischen Bezeichnung für 'Inder' abgeleitet, und wurde oft als Bezeichnung für alle Inder benutzt. Alexander der Große (ca 300 vor Chr.) hat die dort ansässige Bevölkerung nach dem Indus benannt, in Bevölkerung vor und hinter dem Indus. Indische Glaubensrichtungen wie Sikhismus oder Jainismus, die im letzteren Sprachgebrauch manchmal unter Hinduismus gefasst werden, sind im Westen bekannt. Die Sikhs gehen auf den großen indischen Guru Nanak zurück. (1469 - 1539) Seine Erleuchtung erlangte Guru Nanak 1496. Seine Anhänger sind heute meist durch den Turban und oft auch durch ein "Singh" im Namen erkennbar. Die Sikhs gelten als sehr wehrhaft und haben nach einem hinterhältigen Mordanschlag im 16. Jahrhundert, bei dem sie ihre geistigen Führer (Gurus) verloren haben, daraufhin zur Selbstverteidigung das Schwert getragen. Dadurch wurden sie zu Kriegern und dienen heute auch den indischen Politikern als Bodygards.

Die Jains wiederum haben durch ihre vollkommene Gewaltlosigkeit Bekanntheit im Westen erlangt. Um kein Tier zu töten (zu zertreten) kehren sie die Straße bevor sie einen Schritt gehen und tragen auch einen Mundschutz um keine Mücke einzuatmen. So versuchen sie auch den Tierseelen nicht zu schaden und dadurch gutes Karma zu schaffen.

Wieweit die "geheimen Lehren" der Hinduschriften, die Upanischaden, die westliche Philosophie beinflussten, kann heute nur erahnt werden. Sicher ist, dass Arthur Schopenhauer sich immer darauf bezogen hat. Der Solipsismus von Fichte ist auch ein Ausdruck davon und viele Hegelsche Ansätze.

Den weitreichenden Ansatz des Hinduismus kann man am besten kennenlernen, wenn man das Leben ihrer Heiligen (Erleuchteten) studiert. Besonders hervorzuheben ist dabei Ramakrishna, ein großer Heiliger im 19. Jhd. Sein Meisterschüler Swami Vivekananda brachte die Yogalehre des Vedanta und seine Auslegung dieser Schriften Ende des 19. Jhd. nach Europa und Amerika.

Seine unsterblichen Schriften für den Westen, "Raya Yoga", hierin enthalten ist besonders der Text von Patanjali zu erwähnen (200 n.Chr.). Dieser Text: "Die Yogasutras des Patanjali" wurde ganz in "Raya Yoga" aufgenommen und von Vivekananda interpretiert. Er ist der Basistext des Yoga. Weitere Schriften: "Karma Yoga", der Yoga durch gute Taten eine gutes Karma (Schicksal) zu verdienen und so der Erleuchtung näher zu kommen. "Jnana Yoga", der Yoga der Weisheit, der Weg der Philosophen und "Bhakti Yoga", der Yoga der göttlichen Liebe und Hingabe. Swami Vivekanada war der Wegbereiter von Paramahansa Yogananda, der 1920 in die USA kam und mit seiner "Autobiographie eines Yogi" nach mehr als 30 Jahren im Westen (Los Angeles) etwa 100.000 Schüler des Kriya-Yoga (ein spezieller Kundalini-Yoga seines Meisters Shri Yukteswar) in den USA und Europa hinterließ.

In den 30-er und 40-er Jahren hat der große Weise vom Berg Arunachala (Morgenrot) in Südindien viele Suchende aus Ost und West angezogen. Shri Ramana Maharishi ist auch heute noch nach seinem Tod 1950 der Beweis für die Realisation des "Ich bin". Prof. Heinrich Zimmer, Schwiegersohn von Hugo von Hofmannsthal, hat dieser Suche ein Buch gewidmet. Paul Brunton hat Shri Ramana Maharishi in Amerika bekannt gemacht und viele Schüler aus dem Westen reisten nach Indien. Auch heute ist Shri Ramana der Inbegriff für die Realisation im Jnana Yoga. (Was ist das in mir das "Ich" sagt? Durch die langjährige innere Frage nach dem Ich löst sich dieses auf, und die wahre göttliche Natur des Menschen offenbart sich.)

Weitere Gurus folgten, so machte George Harrisson von den Beatles seinen Guru Maharishi Mahesh Yogi, den Begründer von TM (Transzententale Meditation) im Westen bekannt.

Weiters ist Sai Baba im Westen sehr bekannt. Sai Baba lebt mit seinen Schülern in Indien (mehr als 12 Millionen) und hat auch viele Anhänger aus dem Westen. Er lehrt einen Yoga des Herzens (Bhakti Yoga) aber er ist auch fest in der indischen Tradition verhaftet. Bekannt wurde er auch durch physische Manifestationen. Früher Ringe und Schmuckstücke auf Wunsch der Schüler heute "nur mehr" heilige Asche.

Für negative Schlagzeilen (das ist keine Aussage über die Qualität seiner Lehren, es zeigt nur das Wesen der Presse, die Geschenke an den Guru - zahlreiche Rolls Royce in verschiedenen Pastellfarben - als Sensation des religiösen Wahnsinns aufzuzeigen) hat ein Tantra- Guru "Bhagawan" später "Osho" in den 80 er Jahren in der Weltpresse gesorgt. Seine Anhänger, die zuerst in oranger, später in roter/rosa Robe sich Sanyasins nannten, haben besonders in Deutschland (ca. 50.000 Sanyasins) aber auch in vielen weiteren europäischen Ländern und in den USA die (esoterische) Seminarlandschaft in vielen Bereichen bis heute sehr positiv geprägt.

Noch einmal gesagt: Der Hinduismus ist eine Gurureligion, das heißt, ein Guru "realisiert" die Einheit der Individualseele mit dem Kosmischen Bewußtsein (Brahman) oder mit dem Herrn des Himmels Ishvara (der persönliche Gott). Dadurch wird er zum Sat-Guru, einem lebenden Gott unter Menschen. Je nach der geistigen Reife des Schülers geht dieser nun zu einem Sat-Guru, der seinem geistigen Zustand entspricht. Von den heiligen Männern, die als Anwesenheit Gottes verehrt werden, müssen die Pandits, die Schriftgelehrten unterschieden werden. Diese sind, wie der Name schon sagt, Schriftgelehrte, die als Priester fungieren und ihre Weisheit nicht durch persönliche Realisation (Einheit mit dem Höchsten), sondern eben durch das Studium der Schriften erlangen. Die Schüler (Chelas) erhalten Anweisungen zur heiligen Lebensweise. Das kann sowohl als Haushälter als auch als Mönch oder Swami sein.

Neben der Sat-Gurus gibt es leider auch viele Möchtegern Gurus die durch seltsame Praktiken, die kaum etwas mit der Realisation der göttlichen Natur des Menschen zu tun haben, ihre Schüler durch magische Kunststücke/Tricks oder autoritäre Auslegung der Schriften beeindrucken. Dennoch kann der Hinduismus nur an seinen Sat-Gurus gemessen werden und bietet hier einen unglaublichen Ausweg aus den beschränkten Perspektiven des menschlichen Bewußtseins. Ein Satz zum Schluß: Sat - Chit - Anand : das heißt soviel wie: Die Wahrheit (Sat) ist das Bewußtsein (Chit) von Glückseligkeit (Anand) Das ist das Bewußsein/die Realität eines Sat-Gurus.

Anmerkung:

In diesem Artikel ist die Schreibweise von Worten, die aus dem Sanskrit oder seinen modernen Formen Hindi und Bengali, sowie aus dem Drawidischen oder Tamil stammen, nicht notwendigerweise in Einklang mit etablierten Normen.

Siehe auch: Geschichte des Hinduismus, Religion

Weblinks

Quellen





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