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Homosexualität bezeichnet die sexuelle Neigung zu Partnern des gleichen Geschlechts. Homosexuelle Männer werden auch als schwul (von schwül = drückend heiß), Frauen als lesbisch (von der griechischen Insel Lesbos) bezeichnet. Ursprünglich abwertend gebraucht, wurden diese Bezeichnungen später im Rahmen der Emanzipationsbewegung von der Homosexuellenszene selbst, auch als politischer Kampfbegriff, übernommen und damit die abwertende Bedeutung immer mehr zurückgedrängt.
Als Überbegriff für Lesben und Schwule hat sich auch das Wort Queer eingebürgert, dies schließt dann meist Transgender mit ein. Daneben findet die Bezeichnung Gays für Schwule rasche Verbreitung.
Während in der Europäischen Kultur Homosexualität erst in den letzten Jahrzehnten ihre Position als Tabuthema verloren hat, was auch an der Macht der Kirchen lag, ist die hiesige Debatte über Homosexualität in manchen anderen Kulturen fast unbekannt. Dort wird weniger streng zwischen homo und hetero unterschieden, was der Charakteristik der menschlichen Sexualität, in der es weder Schwarz noch Weiß gibt, eher gerecht werden dürfte. Vielmehr gibt es wohl verschiedenste Abstufungen zwischen Homo- und Heterosexualität, in dessen Mitte sich die Bisexualität einordnen lässt. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch ein bisschen homo ist, manche mehr, manche weniger.
Ein Lebensstil, der eine Kategorisierung in die klassischen Rollenkategorien ablehnt, ohne dies jedoch explizit auf die Sexualität zu beziehen, nennt sich Metrosexualität.
Bei den meisten eher homosexuell empfindenden Menschen kommt es im Laufe ihres Lebens zu einem so genannten Coming-Out, d. h. zu der Erkenntnis, dass die gleichgeschlechtliche Liebe bevorzugt wird. Bei manchen geschieht dies schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 Jahren über ihre eigentliche sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten dürften ihr Coming-Out im Schulalter haben, also etwa zum Zeitpunkt der Pubertät. In diesem jungen Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden oft nicht über den eigenen Zustand informiert. Werden die Betroffenen mit ihren Sorgen allein gelassen, kann das Coming-Out in eine Lebenskrise führen, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten steigern kann. Beratungsstellen in den größeren Städten und Info-Seiten im Web versuchen den jungen Menschen zu helfen, ihre Homosexualität anzunehmen. Tatsächlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen signifikant höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.
Ein biologisches und demografisches Phänomen liegt darin, dass homosexuelle Partner gemeinsam keine Nachkommen zeugen können, vielmehr dazu der Hilfe eines gegengeschlechtlichen Nicht-Partners bedürfen. Dennoch wachsen (zunehmend) Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf. Die Wissenschaft diskutiert dieses Phänomen zunehmend unter dem Begriff Regenbogenfamilien.
Die Ursachen der Homosexualität sind unbekannt; es werden zwar immer wieder körperliche oder psychische Faktoren entdeckt, die sich aber im Allgemeinen nicht empirisch belegen lassen.
In der Schwulen- und Lesbenbewegung wird die Forschung nach Ursachen der Homosexualität oft kritisch gesehen, weil die Erforschung der Ursache nur einem Zweck dienen könne, nämlich diese abzuschalten, d. h. – wie man befürchtet – als schwul bzw. lesbisch vermutete Föten abzutreiben oder ggf. gentechnische Korrekturen vorzunehmen.
1993 wollte der amerikanische Forscher Dean Hamer ein "Schwulen-Gen" auf dem X-Chromosom entdeckt haben, das für die männliche Homosexualität mitverantwortlich sein soll. Es handelt sich dabei um einen Bereich auf dem X-Chromosom, einen so genannten genetischen Marker, der bei einem bestimmten Typ von Homosexualität etwas wahrscheinlicher vorkam als bei anderen. Die Annahme schien sich zunächst zu bestätigen, weil eineiige Zwillingsbrüder, die diesen Chromosomenabschnitt trugen, beide schwul waren. Eine Nachuntersuchung des Jahres 1999 an 46 eineiigen Zwillingsbrüderpaaren relativierte allerdings die Existenz des Schwulen-Gens, weil nur bei rund der Hälfte der untersuchten Zwillingspaare in beiden Fällen Homosexualität auftrat. Die Ergebnisse zeigten nun auch keinen eindeutigen Bezug mehr zwischen männlicher Homosexualität und den Genorten am X-Chromosom. Es gibt auch Berichte, wonach Onkel mütterlicherseits von Schwulen häufiger schwul sind, als bei Heterosexuellen.
In der Wissenschaft gibt es inzwischen Vorstellungen, dass Homosexualität sogar der Arterhaltung dient, also auch im Sinn der Evolutionstheorie einen Nutzen hat, da sie dafür sorgt, dass sich eine größere Anzahl von Menschen um ein neugeborenes Kind kümmern kann. Unterstellt wird hierbei, dass eher homosexuell Veranlagte keine eigenen Kinder zeugen, jedoch ihre genetisch nah verwandten Neffen und Nichten mitversorgen, wodurch letztlich auch ihre Gene eine Chance auf Fortbestand haben. Gegen diese Idee spricht jedoch, dass eher homosexuell Veranlagte im Schnitt meist genausoviele Kinder zeugen, wie eher heterosexuell Veranlagte. Dies lässt vermuten, dass gleichgeschlechtlicher Sex, wie Sex allgemein, eine soziale Funktion erfüllt.
Eine andere Zugang zur Sexualitätsthematik ist, die Frage warum es überhaupt die Norm der Heterosexualität gibt und alles andere als Abweichung gesehen wird. In den Gender Studies wird analysiert das der Heterosexismus ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft ist und die soziokulturelle Konstruktion von Homosexualität ausgezeigt.
Die soziale Stellung Homosexueller variiert je nach Kultur stark; sie reicht von Verehrung über Akzeptanz, Duldung, Ablehnung bis zur Todesstrafe. Letztere wird in einigen Ländern und Kulturen noch heute praktiziert.
In Deutschland war Homosexualität lange Zeit eine als Unzucht bezeichnete Straftat. Viele Homosexuelle waren im Dritten Reich in Konzentrationslagern interniert, männliche Homosexuelle nach dem § 175 StGB, sie wurden mit dem rosa Winkel gekennzeichnet; weibliche Homosexuelle als Asoziale (da der § 175 nur die männliche Homosexualität unter Strafe stellte). Eine Entschädigung von staatlicher Seite hat nie stattgefunden. Noch heute wird Homosexualität in radikalpolitischen Gruppen und konservativ-kirchlichen Kreisen als widernatürlich bezeichnet.
Historiker kamen inzwischen zu der Erkenntnis, dass ausschließliches Ausleben der Homosexualität eine moderne kulturelle Erscheinung ist. Die Kulturgeschichte belege, dass homoerotische Neigungen mal mehr, mal weniger öffentlich zu allen Zeiten und in allen Kulturen ausgelebt wurde. Auffällig ist aber, dass bis in die jüngste Zeit hinein homosexuelle Männer nicht seltener Vater wurden als heterosexuelle. Dies zeigt, dass Homosexuelle oft ein bisexuelles Leben führen oder ihre Homosexualität nicht offen ausleben und sogar Scheinehen eingehen, um gesellschaftliche Ächtung zu vermeiden. Aus diesem Grund entwickelte sich auch in allen gesellschaftlichen Kulturen, die die Homosexualität negativ einstuften, eine homosexuelle Subkultur. Auf der anderen Seite entwickelt sich langsam auch die Vorstellung, dass auch für eher heterosexuelle Menschen homosexuelle Erfahrungen zum Erfahrungsschatz gehören können.
Ein besonders Problem ergibt sich für Homosexuelle, die z. B. öffentlich angestellt sind (Lehrer, Politiker) oder einer Beschäftigung im christlich-religiösen Leben nachgehen (Priester). Schwule Lehrer werden wegen angenommener Beeinflussung der Schüler oft mit erheblichem Druck abgelehnt. Politiker, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, konnten sich erst in jüngerer Zeit profilieren. Schwule oder lesbische leitende Angestellte (auch Manager) sehen sich meist selbst als kompromittierbar (erpressbar) und leben häufig in (Schein-)Eheverhältnissen. Katholische Geistliche mit homosexueller Veranlagung werden noch heute als nicht existent bzw. nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar verleugnet.
Namen von prominenten Schwulen und Lesben finden sich im Buch von Karen-Susan Fessel und Axel Schock: "Out!", 600 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle.
Insbesondere die katholische Kirche zeige sich, wie Kritiker ihr vorwerfen, nicht bereit, das Thema objektiv zu diskutieren – eine Anerkennung von Homosexualität als natürlich auftretende Neigung durch die Kirche ist undenkbar. Gemäß katholischer Lehre ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar ungeordnet und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als sittlich schlecht angesehen werden. In einer Stellungnahme der Kongregation für die Glaubenslehre vom 3. Juni 2003 wird festgestellt: „Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören.“ Die Unfähigkeit zur Gründung einer Familie treibt christlich geprägte Homosexuelle oft in einen Gewissenskonflikt. Im christlichen Glauben wird die Familie oft als ein wesentliches Lebensziel angesehen.
Früher wurde häufig angenommen, dass es sich bei Homosexuellen um Menschen handle, bei denen nicht nur der Geschlechtstrieb sondern auch die Geschlechtsrolle invertiert sei; daher das heute noch geläufige Vorurteil von den weibischen Schwulen und den männlichen Lesben. Dies lässt sich empirisch nicht belegen. Im Gegenteil: Viele männliche Schwule geben sich gar nicht weibisch, sondern in Leder-Clubs der SM-Szene oft sogar extrem männlich. (Siehe auch: Heteronormativität und Geschlechtsrolle.)
Es wird angenommen, dass Schwule und Lesben in allen Berufsgruppen gleichermaßen präsent sind. Typisch schwule Berufe gibt es demnach nicht (obschon insbesondere Frisöre und Künstler oft als schwul angesehen werden). Genauso wenig gibt es Berufsgruppen, in denen Homosexuelle nicht vorkommen (angeblich aber soll es keinen schwulen Profifußballer geben).
Der § 175 StGB wurde in der Bundesrepublik Deutschland erst 1969 dahingehend liberalisiert, dass ein Schutzalter von 21 Jahren eingeführt wurde, das 1973 auf 18 Jahre gesenkt wurde. Der entsprechende § 151 wurde 1988 in der DDR gestrichen. In der Bundesrepublik Deutschland vollzog sich dieser Schritt beim § 175 1994.
Auch wenn innerhalb der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung umstritten ist, ob man sich der Norm einer Zweierbeziehung als Kopie der bürgerlichen Ehe annähern soll, wird die weitgehende rechtliche Gleichstellung mit Heterosexuellen überwiegend von Homosexuellen begrüßt.
Seit dem 1. August 2001 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, so genannte Eingetragene Lebenspartnerschaften eintragen zu lassen. Näheres findet sich unter Eingetragene Lebenspartnerschaft. Ähnliche, zum Teil schwächere, zum Teil weitergehende, Regelungen gibt es in den Niederlanden, Frankreich und den skandinavischen Ländern.
In Deutschland fehlt es nach Meinung des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD vor allem noch an der Gleichstellung im Bereich der Steuern, der Hinterbliebenenversorgung und der Möglichkeit der gemeinsamen Adoption von Kindern.
Nach Verabschiedung des neuen Lebenspartnerschaftsgesetzes meldeten einige Politiker Zweifel daran an; kurzzeitig bemühten sich die Unionsparteien sogar um eine völlige Aufhebung desselben vor dem Bundesverfassungsgericht, welches aber klarstellte, dass einer Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stünde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil es einen anderen Personenkreis betrifft.
Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, die die Lebenspartnerschaft (als Ehe light verpönt) und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung für Homosexuelle ablehnen. Wieder andere fordern die Abschaffung von beidem und plädieren für so genannte "Wahlverwandtschaften" auf Zeit.
Die Emanzipationsbewegung der Schwulen und Lesben, welche ihre Anfänge in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte, trug nach Stonewall (1969) ihre Anliegen zunehmend in die Öffentlichkeit.
Zur Emanzipation der Lesben trug neben der Öffentlichkeitsarbeit von und für Lesben in hohem Maße auch die Frauenbewegung bei, in der sich sehr viele Lesben engagierten.
Durch die politischen Anstrengungen der Emanzipationsbewegung wurde 2001 in Deutschland die Verabschiedung des Gesetzes zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften erreicht.
Daraus ging das seit August 2001 gültige Lebenspartnerschaftsgesetz hervor, dass schwulen und lesbischen Paaren eine rechtlich anerkannte Begründung der Lebenspartnerschaft erlaubt (so genannte Schwulenehe, siehe oben).
Die Arbeit politisch aktiver Schwule und Lesben hinsichtlich der Emanzipation ist damit längst nicht beendet.
Zur Emanzipation der Schwulen trug – ebenfalls neben der Öffentlichkeitsarbeit – auch stark die AIDS-Epidemie zu Beginn der 1980er Jahre bei. Dies klingt zunächst widersprüchlich, da sich AIDS in den westlichen Ländern aufgrund der höheren Promiskuität zunächst stark in schwulen Kreisen verbreitete.
Durch die von den AIDS-Hilfen und der deutschen Bundesregierung initiierten Aufklärungs-Kampagnen geriet das Tabu-Thema Homosexualität aber stärker in den Blick der Öffentlichkeit. Dadurch wurde nicht nur Aufklärung über HIV und die Erkrankung AIDS erreicht, vielmehr wurde als Vorsichtsmaßnahme für Safer Sex geworben. Dabei konnten auch viele Missverständnisse über Schwule und Lesben (s. o. weibische Männer, Mannweiber) aufgeklärt werden. Der Großteil der Bevölkerung hat inzwischen nachvollzogen, dass es eben Menschen gibt, die eine andere Sexualität ausleben möchten als sie selbst und sie dadurch keineswegs gestört werden. Die moralischen Gesellschaftswerte haben sich also verschoben, auch wenn es immer noch Menschen gibt, die Homosexualität strikt ablehnen. Gründe dafür sind entweder ihr Weltbild oder fehlende Auseinandersetzung mit der Thematik.
Heutzutage empfinden es vor allem junge Homosexuelle als ungerechtfertigt, dass ihre Sexualität automatisch mit AIDS in Verbindung gebracht wird. Dieser Zusammenhang sei kausal nicht mehr zu begründen. Menschen in homosexuellen Beziehungen sind - wenn überhaupt - insofern einer besonderen Risikogruppe zuzurechnen, als die Verletzungsgefahr bei homosexuellem Sex tendenziell höher ist als bei heterosexuellem.
Siehe auch: Gay, Bisexualität, Lesbe, Heterosexualität, Christopher Street Day, Sexualität, Queer.
Schattierungen zwischen homo und hetero
Coming-Out
Unfähigkeit zur Gründung einer Familie?
Ursachen
Genetische Ursachen
Evolutionstheoretischer und sozialer Nutzen der Homosexualität
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Verteilung Homosexueller auf bestimmte Berufsgruppen
Gesetzliche Regelungen in Deutschland
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AIDS
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