Indoeuropäische Sprachen

Die Indoeuropäische Sprachfamilie - wissenschaftlich auch indogermanische Sprachfamilie genannt - ist die größte Sprachfamilie der Welt. Da bei der Kreation des Begriffes "Indogermanisch" indo- die ursprünglich östlichsten Vertreter der Sprachfamilie, und germanisch die westlichsten bezeichnen soll, wird heute neutraler indoeuropäisch verwendet, um dem germanischen Zweige gegenüber den anderen keine besondere Rolle einzuräumen. Ungefähr die Hälfte der Menschheit hat eine indoeuropäische Muttersprache.

Table of contents
1 Ursprung und Entwicklung
2 Untergruppen
3 Literatur
4 Weblinks

Ursprung und Entwicklung

Alle indeuropäischen Sprachen sind im linguistischen Sinne genetisch verwandt, im Gegensatz zu einer Sprachverwandtschaft durch einen Sprachbund.

Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen Sanskrit und einigen europäischen Sprachen, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel geben muss. Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt daher - zumindest im deutschen Sprachraum - als Entdecker des Indogermanischen.

Diese indoeuropäische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen. Für die Sprachen, die auf das Indoeuropäische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein "Stammbaum" darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem "Stammbaum" gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben. Schleicher versuchte das hypothetische Protoindoeuropäische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indoeuropäischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der Fabel "Das Schaf und die Pferde" als "Avis akvasas ka". Die Sprachwissenschaft hat das nie akzeptiert.

Ausgehend von Wortstämmen, die allen indoeuropäischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indoeuropäer zu bestimmen. Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen.

Lange galt es als die plausibelste Theorie, dass die Urheimat der Indoeuropäer die südrussischen Steppen waren. Man identifizierte die dort vorgefundene Kurgankultur als das indoeuropäische Urvolk. Die Kurgan-Hypothese wurde vor allem von der litauisch-amerikanischen Archäologin Marija Gimbutas vertreten.

Nach der These des britischen Archäologen Colin Renfrew hätte die Entwicklung des Indoeuropäischen bereits vor 8000 Jahren in Anatolien ihren Anfang genommen. Das Proto-Indoeuropäische hätte sich demnach friedlich mit der Entwicklung des Ackerbaus ausgebreitet. Renfrew kritisiert die Kurgan-Hypothese vor allem in drei Punkten:

1) archäologisch: die Kurgane seien Monumente einer seßhaften Kultur 2) erschlossene Wurzelwörter für Pflanzen und Tiere können ihrer Bedeutung geändert haben und taugten nicht für Rückschlüsse auf ein bestimmtes geografisches Gebiet 3) das Gesamtbild sei nicht überzeugend: was hätte riesige Horden berittener Krieger veranlassen sollen zu Ende des Neolithikums nach Westen zu ziehen und den Vorbewohnern ihre Sprache aufzudrücken.

Er betont demgegenüber, das Neuankömmlinge eine Technologie mitbringen mussten, die der bisherigen überlegen war und es gäbe nur ein Ereignis in der Vorgeschichte, das eine radikale Verbesserung der Lebensbedingungen erbracht habe - die Einführung der Landwirtschaft. Anbau von Weizen und Gerste, Schaf- und Ziegenhaltung stammen aus dem Nahen Osten und Anatolien. Von drei Regionen im Nahen Osten hätten sich drei große Sprachfamilien verbreitet: der anatolische Bereich als Wiege der indoeuropäischen Sprachen, der Bereich um Jericho als Ursprungsgebiet der afro-asiatischen Sprachen und das Gebiet um Ali Kosh als Quelle der elamo-drawidischen Sprachen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen die Sprachwissenschaftler Gamkrelidse und Iwanow, nach den sich das Proto-Indoeuropäische von Ost-Anatolien aus verbreitet hätte. Sie stützen sich dabei außer auf Untersuchungen des indoeuropäischen Konsonantensystems auf die Annahme, dass die vermutete Heimat des Indoeuropäischen eines des Gebiet sein müsse in denen im 4. Jahrtausend vor Chr. das Pferd domestiziert und als Zugtier verwendet wurde. Petroglyphen (in Stein gehauene Symbole), die im Gebiet des Transkaukasus und Obermesopotamien (zwischen Van- und Urmia-See) gefunden wurden, seien die frühesten Bilder von Wagen, die von Pferden gezogen wurden.

Der Populationsgenetiker Luigi Cavalli-Sforza sieht in beiden Hypothesen keinen Widerspruch. Seiner Ansicht nach hätten Bauern ein altertümliches Indoeuropäisch aus Anatolien mitgebracht und in Europa verbreitet; in einer zweiten Welle hätten sich die restlichen indoeuropäischen Sprachen aus dem Kurgan-Gebiet verbreitet.

In letzter Zeit häufen sich die Versuche, mit Computerprogrammen aus der Bio-Systematik die Entwicklung der indogermanischen Sprachen zu entschlüsseln. Die Verfahren übersehen jedoch in der Regel die Unterschiede zwischen Sprachen und Genen. Dies gilt vor allem, wenn auf diesem Wege auch noch die zeitliche Entwicklung und sogar die Urheimat erschlossen werden sollen. (Beispiel: Die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003).

Aus der Arbeit von Populationsgenetikern (wie Luigi Cavalli-Sforza u.a.) hat sich zumindest ergeben, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft von u.U. weit auseinander lebenden Bevölkerungsgruppen und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen d.h. die Populationsgenetik kann sprachwissenschaftliche Hypothesen stützen oder schwächen.

Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt. Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit u.a. Semitisch-Hamitisch=Afro-Asiatisch, sowie mit den altaijschen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch) untersucht.

Eine überholte Unterteilung der indoeuropäischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für Hundert in Kentumsprachen als westliche Gruppe (nach lateinisch kentum, altgriechisch he-katon) und Satemsprachen als östliche Gruppe (nach avestisch satem, altiranisch satam, altkirchenslawisch sato, litauisch simtas\). Im Tocharischenen steht für Hundert känt, känte, und müsste demnach obwohl es im östlichen Tarimbecken beheimatet ist den Kentumsprachen zugerechnet werden. Die Sprache der kleinasiatischen Hethiter konnte ebenfalls als zur Kentum-Gruppe zugehörig identifiziert werden. Aus diesen Gründen verlor diese Unterteilung an Bedeutung.

Untergruppen

Zu den indoeuropäischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen:

Literatur

Weblinks





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