|
|
Hasse wurde in Bergedorf nahe Hamburg geboren und empfing seine früheste musikalische Ausbildung von seinem Vater. Da er im Besitz einer schönen Tenorstimme war, wählte er eine Karriere am Theater und trat der Operntruppe von Reinhard Keiser bei, in dessen Orchester Händel einige Jahre vorher die zweite Geige gespielt hatte. Hasses Erfolg führte zu einem Engagement am Hoftheater von Braunschweig-Lüneburg, wo er 1723 sein Debüt als Komponist mit der Oper Antigonus hatte. Der Erfolg dieses ersten Werks veranlasste den Herzog, Hasse zur Vervollständigung seiner Studien nach Italien zu schicken. 1724 ging er nach Neapel, um sich von Porpora unterweisen zu lassen, mit dem er allerdings weder als Mensch noch als Künstler auskam. Andererseits gewann er die Freundschaft von Alessandro Scarlatti, dem er seinen ersten Auftrag für eine Serenade zu zwei Singstimmen verdankte; sie wurde bei einer Familienfeier eines wohlhabenden Kaufmanns von zwei der berühmtesten italienischen Sänger, Farinelli und Signora Tesi, gesungen.
Dieses Ereignis begründete Hasses Ruhm; seine Beliebtheit wuchs, und seine Oper Sesostrato, 1727 geschrieben für die königliche Oper in Neapel, machte seinen Namen in ganz Italien bekannt. 1727 ging er nach Venedig, wo er der gefeierten Sängerin Faustina Bordoni (*1700 in Venedig) begegnete, die 1730 seine Frau wurde. Die beiden Künstler nahmen bald darauf ein großzügiges Angebot des prachtliebenden Kurstfürsten August II. von Sachsen war, nach Dresden zu kommen. Hasse blieb dort zwei Jahre, reiste dann wieder nach Italien und schließlich 1733 nach London. Hier wurde er von der Händel gegenüber feindlich gesinnten aristokratischen Clique angestachelt, dessen Rivale und Widersacher zu werden. Dies lehnte er aber bescheiden und weise ab und blieb nur lange genug in London, um die Proben für seine Oper Artaserse (die zuerst 1730 in Venedig produziert worden war) zu beaufsichtigen.
Während dieser ganzen Zeit war Faustina als erklärter Liebling des Publikums (und unglücklicherweise auch des Kurfürsten) in Dresden geblieben, und ihr Ehemann, der ihr verbunden blieb, konnte sie nur äußerst selten sehen. Nach dem Tod Augusts ließ sich Hasse 1739 dauerhaft in Dresden nieder, bis er und seine Frau sich 1763 mit beträchtlichen Pensionen vom Hofdienst zurückzogen. Aber Hasse war noch zu jung, um sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Er ging mit seiner Familie nach Wien und fügte seinen zahlreichen Werken weitere Opern hinzu. Sein letztes Bühnenwerk war 1771 die Oper Ruggiero, geschrieben für die Hochzeit von Erzherzog Ferdinand von Österreich in Mailand.
Bei der gleichen Gelegenheit wurde ein Werk des vierzehnjährigen Mozart aufgeführt, und Hasse bemerkte "dieser Bursche wird uns alle übertreffen". Auf Wunsch seiner Frau ließ sich Hasse an ihrem Geburtsort Venedig nieder, wo er starb.
Seine Kompositionen umfassen 120 Opern, daneben Oratorien, Kantaten, Messen, und fast jede Art von Instrumentalmusik. Während der Belagerung Dresdens durch die Preußen im Jahr 1760 verbrannten die meisten seiner Manuskripte, die für eine Gesamtausgabe auf Kosten des Kurfürsten gesammelt worden waren. Einige seiner Werken, darunter die Oper Alcide al Bivio (1760), wurden veröffentlicht, und die Bibliotheken von Wien und Dresden besitzen Autographen von anderen.
Hasses Instrumentierung erhebt sich sicherlich nicht über das niedrige Niveau, das Durchschnittsmusiker seiner Zeit erlangten, und seine Ensembles bieten nichts überdurchschnittlich bemerkenswertes; an dramatischem Feuer mangelte es ihm ebenfalls. Aber er hatte einen Vorrat an sanften und ungekünstelten Melodien, und dieser Tatsache muss seine enorme Beliebtheit während seines Lebens zugeschrieben werden. Die beiden Lieder, die Farinelli dem melancholischen König Philipp V. von Spanien zehn Jahre lang jeden Tag vorsingen musste, stammten beide von Hasse. Über Faustina Hasse sei noch hinzugefügt, dass sie - in einer Zeit reich an Stimmkünstlern - gemäß dem einmütigen Urteil der Kritiker (einschließlich Charles Burney), eine der großartigsten Sängerinnen war. Das Jahr ihres Todes ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich war es kurz vor dem ihres Mannes.