Geschichte
Das alte, bis zum Bürgerkrieg in den 1990er bestehende Jugoslawien entstand als Serbo-Kroatisches Staatsgebiet 1918 nach dem Ersten Weltkrieg aus Teilen Österreich-Ungarns (hpts. Krain, Kroatien und Bosnien), aus Montenegro und Serbien. Es nannte sich zunächst Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat). Am 3. Oktober 1929 ließ es König Alexander I. während einer Staatskrise in Jugoslawien umbenennen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde in der Westhälfte des Königreiches ein faschistischer Satellitenstaat Kroatien eingerichtet. Parallel zu den Kriegshandlungen Italiens und der deutschenWehrmacht fand ein Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Monarchisten statt, den die Kommunisten unter Josip Broz Tito für sich entscheiden konnten.
Nachdem sich Tito mit Stalin zerstritten hatte, wurde Jugoslawien Hauptakteur der Bewegung der Blockfreien Staaten. Innenpolitisch wurde der immer wieder aufflackernde Nationalismus restriktiv unterdrückt. Nach dem Tode Titos kam es anfangs im Kosovo, danach auch in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu Separationstendenzen, die im bosnisch-kroatischen und im Kosovo - Krieg gipfelten.
Restjugoslawien überstand nach dem Sturz Slobodan Milosevics nur noch wenige Jahre. 2002 wurde vereinbart, dass sich Jugoslawien im Jahr 2003 endgültig auflöst. Nachfolger ist ein loser Verbund »Serbien und Montenegro«, dem beide Staaten als quasi unabhängige Staaten angehören. Sie streben offensichtlich die eigenständige Mitgliedschaft in der UNO an. 2006 soll die Bevölkerung über den Fortbestand dieser losen Vereinigung abstimmen.
Chronologie
Von Rom zum Frankenreich
- 2/3. Jahrhundert: Das Gebiet des historischen Jugoslawien gerät unter römische Herrschaft (Provinz Illyricum).
- 3/4. Jahrhundert: Mit der Neuordnung des Kaisers Diocletian wird Dalmatia Westrom, Moesia (heute: Serbien, Mazedonien) Ostrom zugeschlagen.
- 5. Jahrhundert: Illyricum wird christianisiert.
- 5/6. Jahrhundert: Nordwest-Illyricum (Slowenien, Kroatien, Bosnien) bildet einen Teil des Ostgotenreiches; Ost-Illyricum (Serbien, Mazedonien) verbleibt unter oströmischer Herrschaft (Byzanz).
- 568 bis ca.600: nach dem Abzug der Langobarden Richtung Italien wird der Westen von Alpenslawen besiedelt (Slowenen, Windische oder Wenden genannt); er kommt im
- 8. Jahrhundert gemeinsam mit Kärnten als Karantanien an Bayern und mit diesem an das Frankenreich.
Reiche im Mittelalter
- 9/10. Jahrhundert: Serbien, Bosnien und Mazedonien bilden einen Teil des Bulgarischen Reiches; Kroatien und Slowenien bilden ein unabhängiges Königreich (845-1091).
- 1089/1091: Das Königreich Kroatien wird ungarisch.
- 1180: Bosnien wird unabhängig (ab 1203 zu Ungarn).
- 1180: Serbien wird unabhängig und 1217 Königreich.
- 1331: Begründung des Großserbisches Reichs, das neben Serbien auch Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Nordgriechenland (bis Epirus) umfasst.
- 1355-1402: Vordringen der Türken (Osmanen) auf dem Balkan, der Teil des Osmanischen Reiches wird.
- 1389: In der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje im heute autonomen Kosovo) unterliegen die Serben endgültig der osmanischen Herrschaft.
Westlicher Balkan unter den Osmanen
Königreiche 1849-82, 1918 und 1929
- 1849: Slowenien und Kroatien bilden ein Königreich innerhalb der Monarchie Österreich-Ungarn und ab 1868 im Zuge des "Ausgleichs" eine Union mit Ungarn.
- 1852: Montenegro wird eigenständiges Fürstentum.
- 1867: Die Osmanen räumen die letzten militärischen Festungen.
- 1878: Serbien bildet ein unabhängiges Fürstentum und wird 1882 Königreich. Auch Montenegro wird unabhängig. Bosnien und der Sandschak werden von Österreich besetzt und verwaltet.
- 1908: Bosnien und Herzegowina werden von Österreich annektiert und der Österreichisch-Ungarischen Monarchie eingegliedert.
- 1912/1913: Balkankriege und Aufteilung der europäischen Türkei (Ende der osmanischen Vorherrschaft auf dem Balkan).
- 1913: Teil Mazedoniens wird serbisch (Vardarska banovina).
- 1914 (28.6.): Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo durch serbische Nationalisten führt zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
- 1914-1918: Im Ersten Weltkrieg besetzen die Mittelmächte (Deutsches Reich und Österreich Ungarn) Serbien und Montenegro.
- 1918 (1.12.): Nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bilden Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro und Serbien das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Erster König wird Peter I. Karajordjević (*1844, †1921).
- Um 1920: etwa 100.000 Donauschwaben müssen aus Jugoslawien fliehen oder ziehen es vor, nach Deutschland oder Österreich auszuwandern.
- 1921 (16.8): Alexander I. (*1888) wird neuer König. Er wird 1934 bei einem Besuch in Frankreich von kroatischen und mazedonischen Extremisten ermordet.
- 1928: Anhaltende Zwistigkeiten zwischen Serben und Kroaten gipfeln in der Ermordung des Kroatenführers Stjepan Radić (*1871), der sich gegen den serbischen Zentralismus auflehnt und die kroatische Unabhängigkeit fordert.
- 1929 (3.10.): Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wird in Königreich Jugoslawien umbenannt.
- 1931 (3.9.): Eine neue Verfassung zementiert die serbische Vorherrschaft.
- 1934 (9.10.): Nach der Ermordung Alexander I. wird der elfjährige Peter II. (*1923, †1970) neuer König. Er wird während des Krieges am 17.4.1941 abgesetzt.
Titos Jugoslawien
- 1941 (6.4.): Einmarsch deutscher und italienischer Truppen in Jugoslawien, das am 17.4. kapituliert. Kroatien wird für unabhängig erklärt (10.4.; faschistische Ustaša), Montenegro italienisches Protektorat, der Rest des Landes unter deutsche Militärverwaltung gestellt. König Peter II. bildet in London eine Exilregierung.
- Ab 1941 wird auf Druck Italiens die deutschsprachige Minderheit der Gottschee in Slowenien in die Untersteiermark ausgesiedelt, von wo sie 1945 nochmals vertrieben wird.
- 1944: Die Partisanenarmee unter Josip Broz Tito (*1892, †1980) kontrolliert noch vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen weite Teile des Landes.
- 1945: fast ¼ Million Donauschwaben werden vertrieben, viele erleiden den Tod (nur in Ungarn kann sich die Minderheit als Ungarndeutsche später Rechte erwerben).
- 1945 (29.11.): Das befreite Jugoslawien wird Republik unter der Bezeichnung Föderative Volksrepublik Jugoslawien. Erster Staatspräsident ist Ivan Ribar (*1881-1968). Erster Ministerpräsident wird Josip Broz Tito.
- 1953 (14.1.): Josip Broz Tito übernimmt auch das Amt des Staatspräsidenten (bis zu seinem Tod am 4.5.1980) und wird damit Alleinherrscher des nunmehr kommunistisch regierten Jugoslawien.
- 1946 (30.1.): Die neue Verfassung gliedert Jugoslawien in 6 Republiken: Serbien (mit den autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo), Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina,Jugoslawische Volksrepublik Mazedonien und Montenegro.
- 1948: Jugoslawien widerstrebt der sowjetischen Bevormundung, was zum Bruch mit der Sowjetunion führt. Außenpolitisch führt Jugoslawien nun einen unabhängigen Kurs und stellt sich an die Spitze der neutralen und blockfreien Staaten.
- 1954: Beilegung des Konflikts mit Italien um Triest.
- 1955: Aussöhnung mit der Sowjetunion.
- 1963 (7.4.): Die Föderative Volksrepublik Jugoslawien wird in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien umbenannt.
- 1971: In Kroatien werden nationalistische Autonomiebestrebungen gewaltsam unterdrückt.
- 1980 (4.5.): Tod von Josip Broz Tito. Vereinbarung über zyklischen Wechsel der Präsidentschaft unter den 6 Teilrepubliken. Beginn der politischen und gesellschaftlichen Destabilisierung des Landes.
- 1981: Unruhen und Demonstrationen der Albaner im Kosovo, das den Status einer eigenständigen Republik innerhalb der Föderation anstrebt. Die Proteste und Forderungen werden mit Waffengewalt unterdrückt.
- 1989 (8.5): Slobodan Milosevic (*1941) wird Präsident der Teilrepublik Serbien.
- 1990: Die Autonomierechte der Provinzen Vojvodina und Kosovo werden aufgehoben. Die beiden Regionen werden der direkten Kontrolle Serbiens unterstellt. Der letzte Präsident Gesamt-Jugoslawiens, der Kroate Stipe Mesic, versucht es vergeblich zu verhindern.
Zerfall Jugoslawiens
- 1991 (25.6.): Kroatien und Slowenien erklären ihren Austritt aus dem jugoslawischen Staatsverband und werden unabhängig (definitiv am 8.10.1991). Serbien reagiert mit Waffengewalt gegen die Sezession, doch Slowenien siegt gegen die "Bundesarmee" überraschend schnell. In Kroatien entbrennt ein lang anhaltender Bürgerkrieg.
- 1991 (15.9.): Auch die "Jugoslawische Volksrepublik Mazedonien" proklamiert die Unabhängigkeit (internationale Anerkennung am 8.4.1993 von der UNO als FYROM).
- 1991 (15.10.): Bosnien-Herzegowina löst sich ebenfalls von Jugoslawien und erklärt seine Unabhängigkeit (internationale Anerkennung am 7.4.1992). In der Folge kommt es zu lang anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Serbien und Bosnien, aber auch zu Gebietsansprüchen und gewaltsamen Interventionen von kroatischer Seite.
- 1992 (Jan.): Stationierung von UNO-Truppen in Kroatien.
- 1992 (21.2.): Der UNO-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung einer Friedenstruppe nach Jugoslawien.
- 1992 (8.4.): Beginn der Offensive der bosnischen Serben mit Luftangriffen in Bosnien.
- 1992 (27.4.): In einem Referendum votiert die Mehrheit der Bevölkerung von Montenegro für einen Verbleib bei Jugoslawien. Die beiden Staaten bilden die neue Bundesrepublik Jugoslawien. Erster Präsident des neuen Staatenbunds wird Dobrica Kosić (*1921), beherrschende Figur bleibt aber Slobodan Milošević.
Milosevic, Dayton, Kosovo und Djindjic
- 1992 (30.5.): Der UNO-Sicherheitsrat verhängt ein Wirtschafts- und Waffenembargo gegen Jugoslawien wegen der Kriegsführung in Bosnien-Herzegowina.
- 1994 (28.2.): Militärischer Einsatz der NATO gegen Jugoslawien. Fortgang des Bürgerkriegs in Bosnien-Herzegowina.
- 1995 (April bis Aug.): Kroatien erobert die im Bürgerkrieg an Serbien verloren gegangenen Gebiete (Westslawonien und Krajina) zurück.
- 1995 (14.12.): Slobodan Milošević unterzeichnet zusammen mit den Präsidenten von Kroatien und Bosnien-Herzegowina - Franjo Tudjman und Alia Izetbegović – das Friedensabkommen von Dayton (USA). Ende der Kriegshandlungen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina.
- 1997 (15.7.): Slobodan Milošević – seit 1989 Präsident Serbiens - lässt sich zum Staatspräsidenten Jugoslawiens wählen.
- 1999 (24.3. bis 10.6.): Kosovo-Krieg mit heftigen Bombardements der NATO auf Belgrad und andere Städte Serbiens und Montenegros. Die abtrünnige Provinz Kosovo (alban. Kosova) wird von Jugoslawien abgekoppelt und unter die Kontrolle der UNO gestellt.
- 2000 (5.10.): Sturz von Präsident Slobodan Milošević.
- 2000 (7.10.): Vojislav Kostunica (*1944) wird neuer Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, drei Monate später der Reformer Djindjic Premier von Serbien.
- 2001 (1.4.): Ex-Präsident Milošević wird verhaftet und am 28.6. dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (Niederlande) überstellt (Prozessbeginn: 12.2.2002).
- 2003 (4.2.): Die Bundesrepublik Jugoslawien – bestehend aus Serbien und Montenegro – legt sich auf Betreiben der EU die neue Bezeichnung Republik Serbien-Montenegro zu. Der neue Staatenbund besteht nur noch als lose Föderation.
- 2003 (12.3.): Zoran Djindjic (*1952, seit Januar 2001 serbischer Ministerpräsident) wird in Belgrad ermordet.
Siehe auch
Geschichte Serbiens, Geschichte Montenegros, Großserbisches Reich, Osmanisches Reich, Sandschak, Erster Weltkrieg.