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Sie besagt, dass Jesus Christus im Leib seiner Mutter, der Jungfrau Maria, empfangen wurde, ohne dass ein menschlicher Vater daran beteiligt war. Statt dessen geschah das Wunder der Empfängnis, als der Heilige Geist Maria überschattete. Dabei soll der menschliche Leib Jesu nicht ex nihilo (aus dem Nichts) entstanden sein. Die kirchliche Tradition besagt, dass Jesus "sein Fleisch von Maria nahm".
Die Lehre stützt sich vor allem auf die Kindheitsgeschichten des Matthäus- und Lukasevangeliums (vgl. Mariä Verkündigung). Auch der Koran enthält dieselbe Erzählung.
Die Jungfräuliche Geburt ist ein mythisches Motiv in vielen Religionen und alten Kulturen:
(Vieles davon enthält entweder nur "Jungfräulichkeit" oder nur "Geburt", jedoch nicht beides, und gehört daher mEn nicht hierher. Zusammenstreichen? 212.144.210.81 22:17, 29. Jan 2004 (CET))
Die Jungfrauengeburt in nicht-christlichen Religionen
Oft wird die Weissagung Vergils in seiner vierten Ekloge mit der Ankündigung der Jungfrauengeburt bei Matthäus 1,23 verglichen :
Pythagoras, Plato, Alexander, Augustus, Apollonius von Tyana, Perseus, Scipio, Galerius Armentarius gelten als Söhne eines himmlischen Vaters und einer irdischen Mutter.
Die jungfräuliche Geburt wird innerhalb des Christentums unterschiedlich verstanden: Die Ansichten reichen von einem dogmatischen Konstrukt bis zu einer biologischen Tatsache.
Es gibt bei den biologischen Vorstellungen zwei verschiedene Ausprägungen:
Die zweite Variante gehört (spätestens seit dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 n.Chr.) zur offiziellen Lehre der orthodoxen und der katholischen Kirche; auch Martin Luther, Jean Calvin und Huldrych Zwingli vertraten sie, allerdings wird sie von den modernen Evangelischen Kirchen größtenteils nicht mehr vertreten.
In der kath. Theologie wie auch für Martin Luther zeigt Jesu jungfräuliche Geburt, dass in ihm die göttliche und menschliche Natur vereint sind und so der Weg für die Vereinigung aller Menschen mit Gott geebnet ist.
In den frühesten Schriften des Neuen Testaments, den Briefen des Paulus von Tarsus wird nur einmal erwähnt, dass Jesus von einer Frau geboren wurde (Gal. 4,4) um seine menschliche Geburt zu betonen. Da Paulus keine Biografie von Jesus schreibt und Markus überhaupt nichts von seiner Kindheit erwähnt, ist nicht feststellbar, wie sie die Jungfrauengeburt gesehen haben.
Die erste Variante der Jungfrauengeburt findet sich im Neuen Testament bei Matthäus (Mt. 1,18ff.) und Lukas (Lk.1,35).
Andererseits erwähnen alle vier Evangelien Brüder von Jesus, was der zweiten Variante zunächst widerspricht. Die katholische und orthodoxe Tradition erklären daraufhin, dass es sich entweder um Vettern von Jesus handelte oder um (Halb-)Brüder aus einer ersten Ehe von Josef.
Die beiden Evangelien sind gemäß historisch-kritischen Autoren etwa um das Jahr 90 n. Chr entstanden (gemäß konservativen Theologen zwei bis drei Jahrzehnte früher). Wie alt das von ihnen verarbeitete mündliche Material ist, ist nicht feststellbar, Lukas beruft sich allerdings in Lukas 1 auf Augenzeugen (was von historisch-kritischen Exegeten auch wieder angezweifelt wird).
Die Frage nach der Jungfräulichkeit Marias ist in der christlichen Kirche von Bedeutung, da sie in den Evangelien nach Matthäus und Lukas explizit genannt wird. Im Matthäusevangelium wird die Jungfräulichkeit als erfüllte Prophezeiung von Jesaja 7,14 im Alten Testament der Bibel angesehen. Eine Nicht-Jungfräulichkeit würde zumindest in konservativer Sicht die biblische Überlieferung in Frage stellen.
Kritiker von hebräischer Seite weisen schon seit der Frühzeit des Christentums darauf hin, dass der hebräische Text in Jesaja, wenn man ihn denn als relevante Prophezeiung anerkenne, keine Jungfräulichkeit fordere, und sehen den Ursprung der Vorstellung von der Jungfrau in einer fehlerhaften Übersetzung in der zu jener Zeit im Diaspora-Judentum vielgebrauchten griechischen Version des Alten Testamentes, der so genannten Septuaginta. Dieser Ansicht wird in modernen Bibelübersetzungen manchmal dadurch Rechnung getragen, dass in Vers 7,14 im Buch des Propheten Jesaja von einer "jungen Frau" gesprochen wird.
Die Jungfrauengeburt ist in der Überlieferung der Kirchenväter der ersten Jahrhunderte nicht bestritten, von den meisten Kirchenvätern wird die orthodoxe/katholische Variante unterstützt.
Eine wesentliche Quelle für die orthodoxe/katholische Variante ist das apokryphe Protoevangelium des Jakobus (von einigen katholischen Autoren auf ca. 120, sonst auf die Mitte oder zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts datiert), das erzählt, Maria habe schon als Kind geschworen, Jungfrau zu bleiben, und diese Idee dann in vielen Details weiterführt. Das Protoevangelium des Jakobus wurde dann durch das Decretum Gelasianum im 6. Jahrhundert für die kaholische Kirche verboten.
Origenes aus Alexandria vertrat um 200 n. Chr die unverletzte Jungfräulichkeit von Maria vor, in und nach der Geburt Jesu.
Eine eigentliche Marienverehrung in der orthodoxen und katholischen Kirche ist erst im dritten und vierten Jahrhundert nachweisbar.
Die Überlieferung des Neuen Testaments zur Jungfrauengeburt und die spätere Tradition der ewigen Jungfräulichkeit Marias wird von den protestantischen Kirchen nicht als bindende Lehre und von der historisch-kritischen Exegese als nicht relevant angesehen. Der Konflikt mit dem Schriftprinzip (Sola Scriptura) ist allerdings ungelöst.
Die Jungfrauengeburt wird, wie alle Wunder, von der liberalen historisch-kritischen Theologie als symbolisches Bild, nicht als Tatsache gedeutet. Als historische Quelle für die Tatsachenbezeugung der Jungfrauengeburt werden die Berichte der beiden Evangelien abgelehnt. Den Zweck der historisch-kritischen Forschung hat der liberale Kirchenhistoriker und Neutestamentler Adolf von Harnack bereits 1888 im Streit um die wörtliche Auslegung des "Apostolischen Glaubensbekenntnisses" formuliert: "Die Anerkennung des Apostolikums in seiner wörtlichen Fassung ist nicht die Probe christlicher und theologischer Reife". Deswegen, so Harnack, dient die kritische Forschung dazu, "sich in scheinbar oder wirklich fremde Vorstellungen zu finden", um letztlich "in dem Apostolikum ein altes Zeugnis seines eigenen Glaubens zu erkennen."
So könnte nach einer These einiger historisch-kritischer Theologen das frühe Christentum mit dem dogmatischen Konstrukt der "Jungfrauengeburt" die Bedeutung von Jesus Christus auch für die Gebildeten nachvollziehbar gemacht haben wollen. Die Vorstellung, dass ein Zimmermann und Wanderprediger so bedeutsam für die oft aus der Unterschicht kommenden Christen geworden war, stieß bei den gebildeten Römern und Griechen auf Unverständnis, ja Ablehnung. Die Übertragung des wandernden Rabbi in einen "von einer Jungfrau Geborenen" erleichterte die Kommunikation erheblich. Die "Jungfrauengeburt" war ein eingeführtes mythisches und poetisches Bild für die griechischen Heroen und römischen Gott-Kaiser. Z. B. Alexander der Große soll durch einen Blitzstrahl gezeugt worden sein, den seine Mutter in der Hochzeitsnacht empfing. (Plutarch, Alexander 2f.) und der römische Dichter Vergil hatte in seiner 4. Ekloge die Geburt eines Knaben durch eine Jungfrau besungen, der der Welt den Frieden bringen sollte.
Andere ebenfalls historisch-kritisch arbeitende Theologen halten es angesichts der Quellenlage für unmöglich, die Motive zu ermitteln, die ursprünglich zur - den Evangelisten Matthäus und Lukas schon vorliegenden - christlichen Tradition der Jungfrauengeburt geführt haben, und sehen in den jetzt vorliegenden Texten von Mt 1 und Lk 1 den erzählenden Ausdruck einer "hohen Christologie", die Jesus nicht nur in seiner Sendung und nicht erst nach seiner Auferstehung oder seiner Taufe, sondern in seiner ganzen Existenz und vom Beginn seines menschlichen Lebens an in einer einzigartigen Nähe Gottes sieht und auch die Zuschreibung göttlicher Prärogative rechtfertigt: Jesus wird sein Volk von seinen Sünden erlösen (Mt 1,21), in ihm ist Gott mit uns (Mt 1,23), er ist Sohn des Höchsten (Lk 1,32), heilig und Sohn Gottes (Lk 1,35), Herr (Lk 1,43).
Die katholische Kirche besteht auch heute auf dem Dogma der Jungfrauengeburt als Teil ihrer Lehre. Dies zeigt exemplarisch der Fall der Uta Ranke-Heinemann: Nach einem Streit mit der katholischen Kirche über die jungfräuliche Geburt, die die Theologin offensiv ablehnt, wurde der ersten katholischen Theologieprofessorin 1987 von ihrer Kirche die Lehrbefugnis entzogen. Dafür erhielt sie von der Universität einen kirchlich-unabhängigen Lehrstuhl. Aus Sicht der katholischen Kirche ist es nicht möglich, dass jemand, der öffentlich gegen ein grundlegendes Dogma der Kirche auftritt, im Namen dieser Kirche lehren kann. Von großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit, darunter auch vielen Christen und Katholiken, wird diese Haltung als intolerant und nicht zeitgemäß kritisiert. Andere gestehen der Kirche das Recht zu, ihre religiöse Identität zu wahren.
Diese Lehre wird oft mit der Unbefleckten Empfängnis verwechselt, hat mit jener aber nichts zu tun: Letztere besagt nach katholischer Auslegung, dass Maria vom Zeitpunkt ihrer eigenen Empfängnis im Leib ihrer Mutter von aller Befleckung durch die Erbsünde frei war. Sie wurde jedoch auf normalem Weg empfangen: sie hatte sowohl einen menschlichen Vater wie eine menschliche Mutter.Theologische Bedeutung
Die orthodoxe Bildtheologie bringt dasselbe zum Ausdruck, indem sie an das flammende Schwert vor dem Eingang zum Garten Eden erinnert, das durch Jesu jungfräuliche Geburt weggenommen sei, sodass die Menschheit wieder Zugang zum Paradies habe.
Moderne westliche Theologen deuten die Unterbrechung der männlichen Ahnenreihe im Stammbaum Jesu (Matth. 1,16) gern emanzipatorisch-antipatriarchalisch sowie als Zeichen für das "ganz Neue" des Gottesreichs, das mit ihm beginnt.Neutestamentliche Texte
Alttestamentlicher Hintergrund
Kirchliche Überlieferung
Historisch-kritische Sicht
Haltung der katholischen Kirche gegenüber abweichender Lehre
Verwechslung mit unbefleckter Empfängnis