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Victoria, genannt "Vicki", war das älteste Kind des Königspaares und somit präsumptive Thronfolgerin - bis ihr jüngerer Bruder Albert Edward, der spätere König Edward VII am 9. November 1841 geboren wurde.
Die Erziehung der Prinzessin wurde von den Eltern streng überwacht. Victoria galt als frühreif und intelligent, ganz im Gegensatz zu ihrem Bruder. Ihre Gouvernante Lady Lyttelton lehrte sie lesen und schreiben bevor sie fünf Jahre alt war und mit ihrem französischen Kindermädchen sprach sie nur französisch. Die Prinzessin lernte Französisch und deutsch von verschiedenen Gouvernanten und Kindermädchen und Naturwissenschaften, Literatur, Latein und Geschichte bei Sara Ann Hildyard. Ihr Vater, Prinz Albert, unterrichtete sie in Politik und Philosophie.
1851 traf sie ihren zukünftigen Ehemann, den späteren deutschen Kronprinzen Friedrich-Wilhelm, der mit seinen Eltern zur Eröffnung der Weltaustellung nach London gekommen war. Friedrich-Wilhelm, genannt Fritz, war zu dieser Zeit, als Sohn des preußischen Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar, auf Platz drei in der Thronfolge des preußischen Königshauses. Das Paar verlobte sich 1855 als Friedrich-Wilhelm zu Besuch auf Schloss Balmoral war. Am 19. Mai 1857 wurde die Verlobung öffentlich bekannt gegeben. Die Bekanntgabe der Verlobung führte in der britischen Öffentlichkeit zur Kritik. Die "Times" hielt den preußischen Prinzen für keine gute Partie, da Preußen "eine armselige deutsche Dynastie" sei.
Das Paar heiratete, auf Wunsch Königin Viktorias, am 25. Januar 1858 in der Kapelle des St. James' Palace in London. Die Verbindung war beides, eine Liebesheirat und eine dynastische Allianz. Viktoria und Albert versprachen sich von der Heirat mit dem zukünftigen preußischen König, dass sie eine enge Verbindung zwischen London und Berlin begründen und vielleicht die Bildung eines vereinigten, freiheitlichen Deutschlands fördern würde.
Das Paar hatte acht Kinder:
Während der deutschen Einigungskriege identifizierten sich Viktoria und ihr Mann Fritz mit der Sache Preußens und des Norddeutschen Bundes. Ihre politischen Sympathien führten zu einem Graben innerhalb der weitverzweigten Familie Queen Viktorias, der so genannten Großmutter Europas, seit Edward, der Prince of Wales, Prinzessin Alexandra von Dänemark geheiratet hatte, die Tochter König Christians IX von Dänemark, der ebenfalls regierender Herzog Schleswig-Holsteins, des strittigen Territoriums im Preußisch-Dänischen Krieg von 1864, war. Am 18. Januar 1871 riefen die siegreichen Fürsten des Norddeutschen Bundes König Wilhelm I von Preußen zum Deutschen Kaiser aus. Fritz und Vicki wurden Kronprinz und Kronprinzessin des Deutschen Kaiserreichs (Kaiserliche und Königliche Hoheit). Nach dem Tod seines Vaters am 9. März 1888 wurde der schwer kranke Friedrich-Wilhelm als Friedrich III) König von Preußen und Deutscher Kaiser. Er regierte nur 99 Tage und starb am 15. Juni an Krebs.
Nach dem Tod ihres Gatten nannte sie sich seinem Andenken zu Ehren Kaiserin Friedrich und zog sich auf ihren Witwensitz Schloss Friedrichshof (das heutige Schloßhotel in Kronberg) im Taunus zurück, das extra zu diesem Zweck errichtet und von der Kaiserin selbst mit den auf vielen Reisen gesammelten Möbelstücken und Kunstschätzen ausgestattet wurde. Hier verbrachte sie den größten Teil des Jahres, solange sie nicht auf Reisen war. Ihre politischen Ansichten blieben liberal, was das ohnehin angespannte Verhältnis zum Kaiser, ihrem missratenen Sohn, noch stärker belastete. In Berlin gründete sie mehrere Schulen für die Ausbildung von Mädchen und die Berufsausbildung von Krankenschwestern. Die Kaiserinwitwe, die selbst eine begabte Malerin war, förderte Künste und Bildung und wurde 1891 Schirmherrin der Großen Berliner Kunstausstellung. Auch mit der Kronberger Malerkolonie hielt sie guten Kontakt.
Während ihrer Ehejahre und ihrer Witwenzeit blieb die Kaiserin stets in enger Verbindung mit der königlichen Familie in London, besonders mit ihrem ältesten Bruder, dem zukünftigen König Edward VII. Sie unterhielt eine regelmäßige Korrespondenz mit ihren Eltern und nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter. In langen Briefen berichtete sie über alles, was sie erlebte und bewegte, auch politische Themen kamen dabei zur Sprache. 3.777 Briefe der Queen Viktoria an ihre älteste Tochter und ungefähr 4.000 Briefe der Tochter an ihre Mutter sind laut Royal Encylopedia erhalten und katalogisiert. Ein Teil davon wurde nach dem Ersten Weltkrieg in England veröffentlicht, was in Deutschland zu heftiger Kritik führte.
Vicktoria starb im August 1901 in Friedrichshof an Rückenmarkskrebs und wurde neben ihrem Gemahl im Mausoleum der Friedenskirche im Park von Sanssouci in Potsdam beigesetzt.