Kanalisation

Unter Kanalisation versteht man Anlagen zur geordneten Entsorgung von Abwässern, Niederschlagsabflüssen und Schmelzwässern. Sie bestehen vor allem aus Kanalnetzen zur Siedlungsentwässerung und zugehörigen Sammel- und Reinigungsanlagen. Die Abwässer werden durch die Kanalisation gesammelt und zu Abwasserbehandlungsanlagen (Kläranlagen) transportiert oder in Gewässer eingeleitet.

Table of contents
1 Entwicklung
2 Entwässerungsverfahren
3 Kanäle
4 Organisation und Kosten

Entwicklung

Mit der Bildung von zusammenhängenden Siedlungen entstanden auch Probleme durch Abfälle, Abwässer und Überflutungen. Deren einfache Entsorgung war ein Hauptgrund für die Entstehung von Siedlungen an Bächen und Flüssen; dadurch kann die natürliche Vorflut zur Ableitung genutzt werden.

Um Flut- und Regenereignisse schnell ableiten zu können und aus hygienischen Gründen Abwässer geordnet ableiten zu können entwickelten sich schon vor langer Zeit erste Kanalisationen. Bei der Schwemmkanalisation wurden Abfälle und Abwässer durch Wasser weggespült. Meist diente dazu Regenwasser, oder aber auch natürliche Gewässer. Entwässerungskanäle lassen sich schon 3.000 v. Chr. in Euphrattal nachweisen. Schon zu Zeiten der Römer wurde Schwemmkanalisationen verwandt, meist handelte es sich dabei allerdings um offene Gerinne, wegen des hohen Bauaufwandes waren Abwasserrohre selten. Die bekannteste römische Kanalisation ist die Cloaca Maxima in Rom.

Im frühen Mittelalter ging das Wissen um die hygienische Bedeutung einer geordneten Abwasserentsorgung weitgehend verloren, weshalb es über Jahrhunderte hinweg zu verherenden Pest- und Choleraepidemieen kam. Erst in der Neuzeit wurde in den aufgrund der Industrialisierung stark gewachsenen Städten eine geordnete Abwasserentsorgung essentiell und ab 1842 wurde in London mit dem Bau des Kanalisationssystems begonnen. In Hamburg entstand ab 1856 das erste deutsche Kanalisationssystem.

Entwässerungsverfahren

Die Abwässer, die von der Kanalisation erfasst werden, sind heute die Siedlungsabwässer von Haushalten und Kleingewerbe und zum großen Teil die Niederschlagsabwässer, die von Dachflächen und versiegelten Oberflächen abgeleitet werden. Zum Teil gelangen auch Industrieabwässer in die Kanalisation, wegen der oft sehr speziellen Verunreinigungen durch Mineralöle, Salze oder andere Chemikalien, ergeben sich meist besondere Reinigungsanforderungen. Industrieabwässer werden deshalb vielfach in firmeneigenen Anlagen vorgeklärt, bevor sie in grössere Systeme eingeleitet werden.

Bestanden in Deutschland und Österreich noch bis in die 60er Jahre hinein (in den ländlichen Gebieten bis in die 90er Jahre) viele Hausfäkalkanäle aus Senkgruben und Sickergruben, so wurde in den letzten Jahrzehnten von den Kommunen viel investiert um diese Hausanlagen in Ortskanalisationen zusammenzufassen und die Abwässer Kläranlagen zuzuleiten.

Nach dem Abfluss unterscheidet man folgende Entwässerungssysteme:

In Deutschland überwiegt bis heute die Mischkanalisation, mit der etwa 60% der Siedlungsgebiete aller Einwohner entwässert werden. Beim Neubau von Anlagen wird vor allem in Wohngebieten aber meist die Trennkanalisation verwandt. Auch wandelte sich die Entwässerungskonzeption in den letzten Jahren. Von der Ableitungsorientierten Sicht und im Sinne einer ökonomischen und ökologischen Sichtweise gewinnt die dezentrale Regenwasserversickerung vor Ort zunehmend an Bedeutung.

Nach der Größe unterscheidet man:

Kanäle

Üblicherweise weisen Abwasserkanäle ein Gefälle von 2 bis 8% auf. Die Kanäle sind in der Regel als so genannte Freispiegelleitungen ausgeführt, d.h. der Wasserspiegel liegt innerhalb des Kanals offen, die Kanäle sind nur in Ausnahmefällen komplett mit Abwässern gefüllt (z.B. bei starken Regenereignissen bei Mischkanalisation). In Sonderfällen (geringes Gefälle im Einzugsgebiet oder Transportleitungen) werden Unterdrucksysteme oder Druckleitungen verwendet. Ist das Rohrgefälle zu gering oder es sind Steigungen zu überwinden, müssen zusätzliche Pumpenanlagen vorgesehen werden. Die Leitungen haben im Vergleich zu Frischwasserleitungen große Querschnitte, Hauptabwassersammler in Ballungsräumen sind begehbar ausgeführt. Für entlegene Ansiedlungen (z.B. abgelegene Gehöfte, Wochenendhaussiedlungen) werden in Ausnahmefällen auch Druck- oder Vakuumentwässerungen oder Kleinkläranlagen angewandt. Kanäle werden in den verschiedensten Materialien ausgeführt, wie Faserbeton- oder PVC- oder Betonrohren.

Organisation und Kosten

Für Österreich gilt:

Die Errichtung, Erhaltung und Betrieb von Abwasserbeiseitigungsanlagen erfolgt durch Einzelpersonen, Betriebe und Unternehmungen, Wassergenossenschaften, Kommunen und Wasserverbände.

Die Verrechnung der Kanalisationskosten ist in Österreich Gemeindesache. Grundsätzlich gibt es für die laufenden Gebühren derAbwasserkanalisation zwei Verrechnungsmodelle:

Außerdem sind beim Neuanschluss Anschlussgebühren zu entrichten.




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