Kartoffel

{| border="1" cellspacing="0" style="float:right;margin-left:0.5em" ! align="center" bgcolor="#ffc0c0" | Kartoffel |- | align="center" | |- ! align="center" bgcolor="#ffc0c0" | Systematik |- | {| border="0" |- | Überordnung: || Solananae |- | Ordnung: || Solanales |- | Familie: || Nachtschattengewächse (Solanaceae) |- | Unterfamilie: || Solaneae |- | Gattung: || Nachtschatten (Solanum) |- | Art: || Kartoffel (S. tuberosum) |} |}

Die Kartoffel (Solanum tuberosum), auch Erdapfel oder Speisekartoffel, regional auch Bramburi und Grundbirn genannt, ist eine Pflanzenart in der Gattung Nachtschatten (Solanum), die in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) steht. Sie ist daher mit Tomate, Paprika und Tabakpflanze verwandt, nicht jedoch mit der Süßkartoffel. Anders als der Name der Familie vermuten lässt, liebt sie das Licht.

Ihre Samen bildet sie in einer tomatenähnlichen Frucht, die für Menschen ungenießbar ist. Neben der geschlechtlichen Vermehrung verbreitet sie sich durch ihre unterirdischen Knollen vegetativ. Letztere sind auch das, was im deutschen Sprachgebrauch mit Kartoffeln gemeint ist - die essbaren Sprossknollen.

Wie alle Nachtschattengewächse enthält die Kartoffelpflanze giftige Alkaloide. Der Verzehr von oberirdischen Teilen der Pflanze führt zu Vergiftungserscheinungen.

Table of contents
1 Herkunft
2 Verbreitung
3 Landwirtschaft
4 Verwendung
5 Kartoffelsorten
6 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
7 Verarbeitung in der Küche
8 Saatkartoffeln
9 Forschung, Genforschung

Herkunft

Die Kartoffel stammt aus den südamerikanischen Anden. Dort lernten die Spanier in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von den Inkas die neue Frucht Patata kennen - der englische Name potatoes erinnert noch heute daran. Der deutsche Name Kartoffel erinnert dagegen an Trüffel, italienisch tartufolo, mit denen sie am Anfang verglichen wurden. Den französischen Ausdruck pommes de terre kann man als Erdäpfel übersetzen. Die Kartoffel hat jedoch in jedem Dialekt und in jedem Landstrich noch zahlreiche andere, fast wie Liebkosungen klingende Namen wie zum Beispiel Erdbirnen.

Verbreitung

Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte, brachten sie Europäer überall hin mit, wo sie später Fuß fassten. Im Supermarkt werden heute Kartoffeln aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort ist eine Ernte zweimal im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der EU. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf zweitausend Meter Höhe angebaut, doch manchmal kann ein Bergwanderer neben einer Almhütte noch einen Pflanzplatz sehen, der mit ein paar Zeilen Kohl und Kartoffelstauden der Selbstversorgung des Senns dient.

Landwirtschaft

Die anspruchslose Bodenfrucht ist heute nicht mehr die gleiche wie früher, wo sie praktisch überall gedeihen konnte. In der modernen mechanisierten Landwirtschaft wird auch die Kartoffel am liebsten auf großen, zusammenhängenden, nicht all zu steilen Äckern angebaut, da die großen schweren Maschinen, die im Frühjahr Kartoffeln stecken, das Feld immer wieder umgraben und im Herbst die Knollen aus der Erde ernten, auf kleinen, steilen, steinigen Bergparzellen keine Chance haben. Die Inkas bauten ihre Kartoffeln dort an, wo Mais nicht mehr wuchs, heute wachsen Mais und Kartoffeln im Mittelland und im Voralpengebiet nebeneinander.

Kartoffeln sind frostempfindlich, sie dürfen erst gepflanzt werden, wenn im Frühjahr kein Frost mehr droht. Nicht aus Samen sondern aus Saatkartoffeln, aus besonders gepflegten und ausgesuchten Knollen, werden neue Pflanzen gezogen. Nur zur Kreuzungszwecken werden die neuen Sorten aus Samen gezüchtet. Die aus der Knolle entstandene Tochterpflanze ist ein Klon, sie ist also mit der Mutter genetisch identisch. Das macht die Sorte stabil, verhindert aber genetische Anpassung an die Umwelt. Ohne sorgfältige Saatzucht können schnell Ernteausfälle die Folge von veränderten klimatischen Bedingungen oder anderen Umweltfaktoren sein.

Fast-Food-Ketten lassen meist bestimmte Sorten anbauen, weil die daraus erzeugten Pommes Frites eine weltweit charakteristische Farbe haben. Diese gedeihen aber nicht überall gleich gut und benötigen hierzulande einen größeren Aufwand im Anbau und bei der Lagerung.

Die Kartoffel ist im Unterschied zu ihrem Ruf nicht ganz pflegeleicht: Sie muss mehrmals im Jahr von Unkraut befreit werden und braucht viel Licht und lange Tage, damit sich viel Grünkraut bilden kann. Die Pflanze speichert Nährstoffe, die sie durch Photosynthese aus Kohlenstoff und Stickstoff aus der Luft gewinnt, in der unterirdischen Frucht. Die Knollen dagegen dürfen kein Licht sehen, da sie sonst grün und giftig wie der gesamte grüne Teil der Pflanze werden. Mehrmals im Jahr muss daher die Pflanzenwurzel mit mehr Erde zugeschüttet werden. Das schützt den Wurzelraum auch vor zuviel Feuchtigkeit, was Fäulnis zur Folge hätte. Was früher anstrengende Arbeit mit der Hacke war (daher auch der Name Hackfrucht), besorgen heute Maschinen.

Am Anfang fand in der Alten Welt die neue Frucht aus Übersee nur wenig Schädlinge und Krankheiten. Das änderte sich jedoch spätestens am Anfang des 18. Jahrhunderts gründlich: Die Fressfeinde und Kartoffelkrankheiten kamen wie die Knolle selbst aus Amerika. Noch in den sechziger Jahren sah man in Mitteleuropa ganze Schulklassen den aus den USA stammenden Kartoffelkäfer von Hand sammeln. Gegen Schädlinge, Pilze und auch gegen Unkraut setzen viele Landwirte heute Giftstoffe, die Pestizide, Fungizide und Herbizide ein. Auch vor der Ernte wird der Kartoffelacker oft noch zweimal gründlich mit letzteren bespritzt, um das oberirdische Grün schnell welken zu lassen, damit es den Erntemaschinen nicht im Wege steht. Es entwickeln sich daneben aber zunehmend auch alternative Methoden, um vor der Ernte das Kartoffelkraut mechanisch zu entfernen. Solche alternativ oder umgangssprachlich biologisch gezüchteten Kartoffeln bringen ca. ein Drittel weniger Erträge, brauchen jedoch zusätzlich einen um ca. ein Drittel höheren Arbeitsaufwand. Dem stehen auf dem Markt etwa doppelte Verkaufspreise gegenüber, so dass sich diese Anbauform für Landwirte, die den Mehraufwand auf sich nehmen, lohnen kann.

Man kennt heute vier Gruppen von sehr frühen Sorten, die bereits im Juni auf den Markt kommen, bis zu sehr späten Sorten, die erst Ende September geerntet werden. Heute wird in Europa meistens mit großen Erntemaschinen geerntet. Dazu muss die Krautschicht chemisch oder mechanisch beseitigt werden. Der Mensch greift bei der komplexen Vollerntemaschine nur noch kontrollierend ein. In einem zweitem Arbeitsgang werden die Früchte gründlich sortiert, was derzeit noch nicht ganz ohne Menschenhand und ohne das menschliche Auge möglich ist. Wichtig ist es dabei, alle angeschnitten und verletzten Knollen und auch solche mit Fäulnisflecken oder Grünstellen zu entfernen.

Lagerung

Kartoffeln müssen dunkel, trocken und kühl gelagert werden. Die traditionellen Kartoffelkeller werden heutigen Qualitätsansprüchen kaum noch gerecht. Die Lagerräume müssen oft klimatisiert werden, zusätzlich wird oft auch die Luftzusammensetzung künstlich beeinflusst, um vorzeitiges Keimen zu verhindern. Außerhalb Großbritanniens, Deutschlands und Österreichs werden Kartoffeln oft und immer häufiger zusätzlich mit radioaktiven Strahlen haltbar gemacht. Sie werden dabei aber nicht selbst radioaktiv. Allerdings verändern die meisten Lebensmittel bei nicht exakter Einhaltung der Bestrahlungsmenge ihre Eigenschaften so gründlich, dass umstritten ist, ob man von einer harmlosen Behandlung reden kann. Als bedenklich für den Verbraucher wird gesehen, dass es bis heute noch keine Deklarationspflicht für derart behandelte Lebensmittel gibt.

Die Kartoffel enthält viel Wasser, braucht also relativ viel Raum, verträgt bei der Lagerung keinen Frost und keine Nässe. Gewaschene Kartoffeln sind nicht mehr lagerfähig. Auch sollte die Luft nicht zu trocken sein, sonst verliert die Frucht Gewicht und Form. Die ideale Lagertemperatur liegt bei knapp unter 4 °C mit ca. 55 % Luftfeuchtigkeit. Einzelne Boxen sind besser kontrollierbar als große Halden, sonst kann eine einzige faule Knolle Tonnen anstecken und vernichten. Moderne Wohnhauskeller sind meistens zu warm, um über längere Zeit Kartoffeln zu lagern.

Transport

Heute werden Konsumkartoffeln nicht mehr in Säcken sondern in großen Standardboxen transportiert. Diese sind leichter mechanisch zu bewegen, und die Früchte werden weniger verletzt. Industriekartoffeln werden hingegen lose als Schüttgut bewegt. Die Verteiler werden heute aus der ganzen Welt versorgt, billige Importe haben meist lange und teuere Lagerung ersetzt. In der Saison werden Kartoffeln jedoch meistens von umliegenden Bauernhöfen angeboten. Fast überall in Mitteleuropa ist es heute möglich, direkt dort einkaufen.

Verwendung

Weniger als ein Viertel der Kartoffelernte gelangt direkt zum Verzehr. Ein Viertel wird zu Stärke und Alkohol verarbeitet, ca. vierzig Prozent landen im Futtertrog von Masttieren, ca. zehn Prozent der Ernte werden als Saatkartoffeln wieder in die Erde versenkt.

Seit Ende das zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertigprodukte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen, Chips und Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch immer öfter Reis und Teigwaren gewählt, sie sind meist preiswerter und auch leichter zuzubereiten.

Billige Futterimporte, besonders von Soja, machen der Kartoffel auch als Viehfutter starke Konkurrenz.

Kartoffelsorten

Man unterscheidet Früh- und Spätkartoffeln (Lagerkartoffel) sowie zwischen festkochenden und mehligen Sorten. Die Industrie hat für ihre Zwecke eigene Sorten entwickeln lassen.

Bekannte Kartoffelsorten in Deutschland sind: Datura, Clivia, Grata, Irmgard, Hela, Bintje... (wer die kennt, bitte noch in Liste eintragen)

Festkochend Vorwiegend festkochend Mehlig kochend
Charlotte Berber
Cilena
Ditta Felicina
Marfona Mirabell
Nicola
Primura Quarta
Princess Satina
Sieglinde Secura

Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten

Kartoffeln enthalten:

Dass die Kartoffel dick machen soll, ist ein altes Vorurteil, das nur sehr schwer zu überwinden ist. Die Frucht besteht zum großen Teil aus Wasser. Kartoffelgerichte werden jedoch oft mit viel Salz und Fett zubereitet, davon kann man dick werden, nicht von der Kartoffel. Richtig zubereitet behält die Kartoffel ihre Vitamine und wichtige Spurenelemente, die ideale Kombination zu Milchprodukten oder Eiern. Mit Kartoffeldiät kann man sogar ganz angenehm und ohne Hunger abnehmen.

Als erste Babynahrung nach der Muttermilch ist Karotten- und Kartoffelbrei beliebt und bewährt.

In jüngster Zeit wurden Forschungsergebnisse vorgestellt, dass insbesondere zu starkes Anbraten oder Fritieren der Kartoffel krebserregendes Acrylamid produzieren würde.

Die grünen und die Stellen um die Kartoffelaugen enthalten wie die oberirdischen Teile der Pflanze das Pflanzengift Solanin, ein Alkaloid, mit dem sich zahlreiche Pfanzen vor dem Fraß durch Feinde schützen.

Verarbeitung in der Küche

Eine der beliebtesten Zubereitungsarten ist das Garen in Salzwasser (Salzkartoffeln). Weitere Verwendung findet sie als Bratkartoffel, als Kartoffelsalat oder als Rösti. In Deutschland wird die Kartoffel zunehmend in Form von Veredelungsprodukten verzehrt, z.B. Pommes Frites, Chips, Fertiggerichte. Hier noch eine kleine Auswahl von traditionellen Gerichte aus den "Tollen Knollen" - die französischen Name zeigen wie edel die Kartoffel durchaus auch in der feinen Küche eingestuft werden kann:

  • Annakartoffeln - pommes Anna
  • Bratkartoffeln - pommes sautées
  • Dauphin-Kartoffeln - gratin dauphinois
  • Französische (Brat)Kartoffeln- pommes rissolées
  • Gefüllte Kartoffelknödel - mit Obst, Fleisch oder Speck
  • Glacierte Kartoffeln - pommes glacé
  • Haushofkartoffeln - pommes à la maître d'hôtel
  • Herzoginkartoffeln - pommes duchesse
  • Kartoffelbrei, Stock, Püree - pommes en purée
  • Kartoffelgoulasch
  • Kartoffelgratin - pommes au gratin
  • Kartoffelknödel, Kartoffelklöße
  • Kartoffelknödel "Halb und Halb"
  • Kartoffelkroketten - pommes croquettes
  • Kartoffelnocken oder Kartoffelgnocchi
  • Kartoffelrösti, Berner Rösti - pommes à la bernoise
  • Kartoffelsalat
  • Kartoffelsuppe
  • Leinölkartoffeln, Mühlviertler Spezialität ( Österreich )
  • Ofenkartoffeln - pommes au four
  • Reibekuchen - Kartoffelpuffer
  • Salzkartoffeln
  • Schnürsenkelkartoffeln - cordon de soulier
  • Schupfnudeln oder Fingernudeln
  • Streichhölzerkartoffeln - pommes allumettes
  • Suzette-Kartoffeln - pommes Suzette

Saatkartoffeln

Saatkartoffeln werden in speziellen staatlich kontrollierten Betrieben angebaut, die Angst vor Kartoffelseuchen ist immer noch groß, die Landwirte in den meisten europäischen Ländern dürfen ihr Saatgut nicht selber produzieren.

Forschung, Genforschung

Die Forschung versucht stets einerseits Sorten mit höheren Erträgen zu züchten, anderseits auch Schädlings- und Krankheitsresistente Sorten zu entwickeln. Aber auch Sorten, die gegenüber der Agrarchemie resistenter sind. Das Gift, das die Unkräuter vernichtet soll, darf die Kartoffelpflanze selbst nicht schädigen. Die Lebensmittelindustrie, die Pommes-Chips- und Pommes-frites-Hersteller und die Konservenindustrie, die auch für Großküchen immer mehr Halbfabrikate anbietet, sucht nach einer Kartoffel, die sich gut maschinell schälen lässt, die Augen sollen nicht zu Tief liegen, die Form soll geometrisch genau für die Verarbeitungsmaschine angepasst sein. Auch die Genforschung kümmert sich sehr um die Kartoffel, bereits vor Jahren haben Greenpeace-Aktivsten vergebens gegen die ersten Freisetzungsversuche von genmanipulierten Kartoffeln protestiert.

Siehe auch: Kulturgeschichte der Kartoffel

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