Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

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Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, LDS, im folgenen Die Kirche), besser, aber fälschlich als Mormonen bekannt, ist eine Religion mit christlichen Wurzeln, die im 19. Jahrhundert in den USA entstand, und die ihren Hauptsitz in Salt Lake City im Bundesstaat Utah hat. Die Lehre und Praxis der Kirche haben gnostische Züge und unterscheiden sich grundlegend von denen der traditionellen christlichen Zweige (orthodoxe, römisch-katholische und evangelische Kirche); infolgedessen lehnen jene die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage durchweg als mit christlichen Grundlehren unvereinbar ab. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage selbst wiederum versteht sich als die einzig wahre christliche Kirche.

Teile des Textes (in der aktuellen Fassung siehe [1]) stammt von [1] und ist freundlicherweise von Herrn Rudolph (info at mormonismus-online punkt de) zur Verfügung gestellt worden. Bedinung war, dass der Autor (er selbst) genannt bleibt.

Table of contents
1 Übersicht
2 Der Name der Kirche
3 Theologie
4 Ritus der Kirche
5 Priesterschaft und Führung der Kirche
6 Geschichte
7 Weblinks

Übersicht

Heute ist die Gemeinschaft weltweit vertreten und hat mittlerweile um die 11 Mio. Mitglieder (2002).

Mitglieder der Kirche, die sich selbst "Heilige der Letzten Tage" (englisch Latter-day Saints) nennen, verstehen ihren Glauben als eine durch Gott eingerichtete Erneuerung der Kirche, die, wie im neuen Testament beschrieben, ursprünglich durch Jesus Christus gestiftet wurde. Seitdem sind Christen Gottes ausgewähltes Volk, analog zur Wahl des Volks Israel im alten Testament; insbesondere sind die "Heiligen der letzten Tage" das Volk Gottes unserer Zeit.

Diese Sichtweise gründet sich auf eine andauernde Folge von Offenbarungen, die in verschiedenen heiligen Schriften (siehe weiter unten) aufgezeichnet sind.

Der Name der Kirche

Ursprünglich "Church of Christ" (deutsch soviel wie "Kirche Christi") genannt, wurde sie später in "Church of Latter-day Saints" (deutsch "Kirche der Heiligen der Letzten Tage") und letztendlich zur "The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints" (deutsch "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage") umbenannt. Der letztere Name entstamme einer Offenbarung Gottes, die Joseph Smith empfangen habe. Die Bezeichnung "Mormonen" wurde der Gruppierung schon früh von ihren Gegenern beigelet; sie bezieht sich auf das für die Kirche Grundlegene Buch Mormon, schließt aber meist auch Mitglieder anderer, von der Hauptkirche abgespaltener Gruppen mit ein.

Innerhalb der Kirche werden die Mitglieder als "Heilige", und die gesamte Mitgliedschaft als "Die Heiligen" bezeichnet.

Theologie

Die Lehre der Gemeinschaft ist eine Vermischung von Lehren aus Altem und Neuem Testament, anderer Gruppierungen, wie z.B. den Freimaurern, sowie dem Gedankengut Joseph Smiths und seiner Mitstreiter, wobei auch der Okkultismus und der allgemeine Wissensstand des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielten. Der Mormonismus ist daher den synkretistischen (Neu)Religionen zuzuordnen, wird aber auch als chiliastische Sekte verstanden; der Chiliasmus ist aber weniger ausgeprägt und zentral als bei vielen anderen Gruppierungen.

Polytheismus

In der Theologie der Kirche sind Gott der Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist drei separate Personen, die gemeinsam "die Gottheit" (engl. the Godhead) darstellen, wobei "Gottheit" ähnlich wie im Begriff "Menschheit" als Gruppenbezeichnung verstanden wird. Diese Auffassung steht der auf dem ersten Konzil von Nicäa formulierten Lehre von der Dreieinigkeit entgegen, und ist die Wurzel der gegenseitigen Ablehnung der Mormonen einerseits und der meisten anderen christlichen Kirchen andererseits.

Nach der Lehre der Kirche sind alle drei Personen der Gottheit ewig und gleich in ihrer Göttlichkeit; sie haben allerdings unterschiedliche Aufgaben. Während der Heilige Geist noch keinen physischen Körper besitzt, sind sowohl Gott der Vater als auch Jesus in eigene Körper gekleidet, die aus "geistiger Materie" bestehen. Alle drei sind jedoch geistlich in ihren Zielen geeint; sie kooperieren auf vollkommene Art und Weise.

Die Eigenschaften der drei Personen (Allmacht, Allwissenheit, Güte, Unveränderlichkeit, Unsterblichkeit) gleichen nach der Auffassung vieler Mitglieder denen der christlichen Dreieinigkeit. Daneben gibt es aber auch die Auffassung, dass Gott der Vater einst ein Mensch in einer anderen Welt war und den Status eines Gottes durch heiligmäßiges Leben erst erlangt hat. Es gibt auch noch andere bedeutenden Unterschiede: Gott gilt als 'Ordner', nicht aber als Schöpfer der Materie; letztere habe schon immer existiert, und werde auch ewig weiter bestehen. Gott gilt als Gott dieser Welt, aber nicht notwendigerweise als Gott aller Welten.

Diese Theologie der Kirche wird von Außenstehenden oft als Polytheismus betrachtet; korrekter wäre, sie als Henotheismus mit einem recht weiten Spektrum bis hin zum echten Monotheismus zu bezeichnen.

Christologie

Die grundlegende Ablehnung der Kirche durch alle christlichen Zweige und Traditionen begründen letztere mit der unterschiedlichen Auffassung zur Gottheit und der Bedeutung Jesu Christi (siehe auch Christologie). Die Mormonen entgegnen, dass früh in der Geschichte der christlichen Kirche äußere Einflüsse (Hellenismus, Neuplatonismus) eine Korruption der wahren Lehre bedingten, welche durch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wieder hergestellt werde.

Heilige Schriften

Die Lehre von der fortlaufenden Offenbarung bedingt, dass der Kanon der heiligen Schriften nicht abgeschlossen ist. Derzeit stellen die Bibel (altes und neues Testament), das Buch Mormon, "Lehre und Bündnisse" und "Die Köstliche Perle" den Kanon dar.

Die Bibel
Die Bibel ist das im ganzen Christentum anerkannte Buch gleichen Namens. Wie bei den meisten evangelischen Kirchen enthält das Alte Testament der Mormonen nicht die Apokryphen. Das Buch Mormon wird allerdings als "das richtigste Buch auf Erden" angesehen und erhält damit einen höheren Stellenwert als die Bibel. Dies begründet sich dadurch, dass die Gemeinschaft die Bibel als unvollständig und an vielen Stellen falsch übersetzt sieht, aus der viele Lehren der frühchristlichen Zeit später herausgenommen worden seien.

Es gibt eine eigene mormonische "Übersetzung" der Bibel, die Joseph Smith auf seherische Weise hervorgebracht haben soll; diese wird aber von der Hauptkirche nicht verwendet, da das Manuskript und das Copyright im späten 19. Jahrhundert bei der "Reorganisierten Kirche", einer abgespaltenen Gruppe, lagen. Jedoch finden sich manche der enstprechenden Veränderungen in Fußnoten der Bibelausgaben der Hauptkirche.

Das "Buch Mormon"
Das Buch Mormon ist in Stil und Aufbau der Bibel oberflächlich vergleichbar. Es berichtet über Gottes angebliches Wirken im alten Amerika, und wurde nach eigenem Anspruch von verschiedenen Propheten aufgezeichnet. Das Buch ist nach Mormon benannt, welcher laut dem Bericht des Buches einer der letzten vor dem Niedergang tätigen Propheten war. Ein Höhepunkt des Buches Mormon ist der Bericht von der Arbeit, die Jesus Christus nach seiner Auferstehung in Amerika vollbrachten soll. Außer seiner Geschichtsdarstellung enthält das Buch kaum Lehren, die von anderen Kirchen nicht anerkannt werden; beispielsweise wird die Polygamie in diesem Buch explizit abgelehnt.

Das Buch handelt von Ureinwohnern Amerikas, die, gemäß einer im 19. Jahrhundert durchaus verbreiteten Ansicht, von Jerusalem aus in die Neue Welt kamen, sich in zwei Stämme spalteten (von denen einer Gottlos wurde), und die dort eine gemischte Religionsform aus Altem und Neuem Testament lebten. Am Ende degeneriert der gottesfürchtige Stamm und wird von den anderen ausgerottet. Mormon und sein Sohn Moroni, die zu den letzten Überlebenden zählen, fassen die Geschichte ihres Volkes zusammen und vergraben die Aufzeichnungen, um sie für die Zukunft zu bewahren.

Die Entstehung des Buchs Mormon sowie sein Anspruch wird von Außenstehenden ganz anders gesehen als es innerhalb der Kirche der Fall ist. Die darin enthaltene Darstellung der altamerikanischen Geschichte wird von der nicht-Mormonischen Geschichtswissenschaft als unhaltbar betrachtet. Die meisten Außenstehenden gehen davon aus, dass Joseph Smith das Buch entweder selbst verfasst oder aus einem von Salomon Spaulding verfassten Romanmanuskript umgearbeitet hat. Viele der entaltenen Lehrreden führen sie auf die Lehren der populären amerikanischen Wanderprediger aus Joseph Smith's Jugendzeit zurück. Als Quelle für die Idee einer israelischen Abstammung der Indianer gilt das Buch "View of the Hebrews" von Ethan Smith (nicht verwandt mit Joseph Smith).

Während des meisten Teils der Geschichte der Mormonen war es hauptsächlich die Existenz des Buches, die für die Mormonen wichtig war, belegte sie doch ihrer Meinung nach das Prophetentum Joseph Smiths. Der Inhalt galt als weniger bedeutsam als die unten genannten weiteren Bücher.

Heute wird jedoch das Buch Mormon auch inhaltlich stark betont, und es gibt Ansätze daraus eine systematische Theologie zu entwickeln, wie sie bisher im Mormonismus kaum existierte.

"Lehre und Bündnisse"
"Lehre und Bündnisse" ist eine Zusammenstellung von Offenbarungen, die Joseph Smith, seinen direkten Mitarbeitern, und (in wenigen Fällen) ihm folgenden Propheten von Jesus Christus gegeben worden sei; die Texte sind in der ersten Person, mit Christus als Sprecher, verfasst. Sie betreffen die Lehre und Richtung der Kirche.

Die meisten spezifischen Lehren der Kirche finden sich in diesem Werk, nicht im Buch Mormon. In den anderen "mormonischen" Kirchen unterscheidet sich dieses Buch in Inhalt und Zusammenstellung meist erheblich von dem der LDS-Kirche und wird auch regelmäßig erweitert. In der LDS-Kirche sind solche Erweiterungen recht selten.

Unter den wichtigsten Lehren der "Lehre und Bündnisse" sind: Missouri als neues Zion, das zweigeteilte Priestertum und seine Rolle, das dreigeteilte Himmelreich, die Enthaltung von Alkohol und Tabak, die Totentaufe, sowie die Polygamie und die ewige Ehe.

"Die köstliche Perle"
"Die Köstliche Perle" enthält Auszüge aus der "Übersetzung" des 1. Buch Mose von Joseph Smith (genannt "Das Buch Mose"), eine (von Ägyptologen nicht akzeptierte) Übersetzung eines ägyptischen Papyrus, den Joseph Smith nach eigenen Angaben 1835 erwarb und der von Abraham verfasst sein soll (genannt "Das Buch Abraham"), einen Auszug aus der "Übersetzung" des Matthäusevangeliums, eine kurze Autobiographie von Smith's Jugend bis zur Herausgabe des Buch Mormon, sowie einen Teil eines seiner Briefe, der die 13 Glaubensartikel enthält. Dieses Buch, welches 1851, also nach dem Tode Smiths, von Missionaren in England zusammengestellt wurde, wird von den meisten anderen "mormonischen" Kirchen nicht als heilige Schrift anerkannt.

Inhaltlich ist in dieser Zusammenstellung hauptsächlich das "Buch Abraham" von Interesse; einerseits findet sich nur hier eine entscheidende mormonische Lehre, nämlich die "Mehrzahl der Götter" (engl plurality of gods); andererseits sind die Papyri erhalten geblieben. Zu Smiths zeiten waren die Hieroglyphen noch nicht entziffert; heute sind sie es, und die Papyri können somit von heutigen Ägyptologen gelesen werden. Dabei stellt sich heraus, dass sie aus spätägyptisch-hellenistischer Zeit, lange nach Abraham, stammen, und dass es sich um Teile des Buch des Atems handelt, welches eine Kurzfassung des ägyptischen Totenbuchs darstellt. Der wahre Inhalt hat somit keinerlei Beziehung zum angeblichen Inhalt. Versuche einiger mormonischer Apologeten, eine solche Beziehung zu konstruieren, erscheinen nicht sehr glaubwürdig.

Die drei Bücher "Buch Mormon", "Lehre und Bündnisse" und "Köstliche Perle" werden heute meist als ein einziger Band herausgegeben.

Kernlehre

Die wichtigsten öffentlichen Glaubensgrundsätze hat die Kirche in 13 Artikeln aufgestellt. Die Lehren des Tempels, die außerhalb des Tempels nicht durch Aussprechen entweiht werden sollen, sind hierin aber nicht enthalten.

Eine bedeutende Rolle nimmt dabei der vierte Artikel ein, der den Glauben an Jesus Christus, die Umkehr (vom falschen Leben und Glauben), die Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden sowie das Auflegen der Hände zur Gabe des Heiligen Geistes betont.

Plan Gottes

Im Weltbild der Mormonen nimmt der so genannte "Plan der Erlösung" eine zentrale Stellung ein. Diese Lehre besagt, dass der Mensch einst -- vor seiner Geburt -- in der Gegenwart Gottes als Geistkind lebte und zu Prüfungszwecken zur Erde kam, um später wie Gott werden zu können. Demnach ist jeder Mensch ein potentieller Gott, der eines Tages selbst Welten erschaffen kann - allerdings nur mit Hilfe des mormonischen Priestertums. Eine solches Weltbild ist polytheistischer Natur, wenn auch nicht vergleichbar mit dem Polytheismus der Griechen oder Römer. Jedoch ist es unter Mormonen umstritten, ob diese Lehre wörtlich oder eher symbolisch zu verstehen ist.

Die Voraussetzungen für dieses "Gott Werden" sind die "ewige Ehe" und das Einhalten von Tempelbündnissen. Entsprechend diesem Glauben, war auch Gott selbst einst ein Mensch, der sich erst später zu Gott entwickelt hat; in dieser Denkrichtung ist "Gott" einfach das höchstmögliche Amt innerhalb des Priestertums.

Manche Mormonen glauben auch, dass Gott in der Nähe eines Sternes namens "Kolob" wohnt, wie es im "Buch Abraham" beschrieben wird. Die Sprache ist an der enstprechenden Schriftstelle aber sehr unklar und dunkel, daher wird auch diese Lehre von anderen Mitgliedern nur symbolisch verstanden.

Errettung und Verdammung

Die Kirche glaubt, dass durch das Sühneopfer Christi jeder Mensch vor leiblichem und geistlichem Tod (d.h. Sünde) gerettet werden kann, wenn er den "Gesetzen der Evangelien" folgt. Durch Jesu Kreuzestod und nachfolgende Auferstehung erlangt jeder Mensch Unsterblichkeit, und kann dadurch erwarten, gemeinsam mit Gott in Ewigkeit zu leben. Obwohl das ewige Leben allen Menschen geschenkt ist, werden nur die ausgewählten (d. h. die im Tempel verheirateten Mitglieder der Kirche) in das höchste Königreich Gottes aufgenommen. Allerdings ist es auch nach dem Tode noch möglich, sich zum Wahren Glauben zu bekennen, und somit Eingang ins Königreich Gottes zu finden.

Die frommen Mitglieder der Kirche, welche zudem im Tempel geheiratet haben, werden im Himmlichen Königreich derart belohnt, dass ihr Status letztendlich gottgleich wird. Die Meinungen darüber, was unter "gottgleich" letztlich zu verstehen sei, reichen vom Herrschen als Gott über neue Welten bis zu mehr traditionellen Himmelsvorstellungen.

Alle guten Menschen, die dieser Lehre nicht folgen, werden sich im Irdischen Königreich wiederfinden; auch hier finden sie ein ewiges, gloreiches Leben, müssen aber auf die Gegenwart Gottes des Vaters verzichten. Christus jedoch ist auch hier gegenwärtig.

Schlechte Menschen sind in ein drittes Reich, das Telestische Königreich, verbannt. Der Ursprung dieses Namens ist unklar. Auch hier ist das ewige Leben angenehm und ohne Sorgen, jedoch sind weder Gott der Vater noch Christus, sondern nur der Heilige Geist anwesend.

Eine geringe Anzahl ganz übler Menschen, die trotz besseren Wissens sich von der wahren Lehre abwenden, werden in die Äußere Dunkelheit verbannt.

Umkehr

Die Kirche vertritt die Lehre von der Umkehr, welche ein ernsthaftes Bedauern sowie eine Wiedergutmachung (wenn möglich) und eine Änderung des eigenen Verhaltens darstellt. Bedeutende Sünden sollen dem Bischof (entspricht etwa dem Pfarrer anderer Kirchen) gebeichtet werden, der aber auch für alltägliche Probleme bereitstehen soll.

Ein Schlüssel zur Umkehr ist das persönliche Bekenntnis im Gebet vor Gott, worin um Vergebung gebeten wird sowie darum, den Fehler nicht zu wiederholen.

Kritik

Insgesammt hat die sehr weite Bandbreite der mormonischen Theologie einzelne Kritiker dazu veranlasst, die Argumentation gegen den Mormonismus mit dem Kampf gegen die neunköpfige Hydra (engl. whack a mole; unübersetzbar) zu vergleichen: Zu beinahe jedem Kritikpunkt tauchen plötzlich gläubige Mormonen auf, die den soeben kritisierten Glauben gar nicht teilen und den Mormonismus wieder ganz anders darstellen. Befürworter der Kirche stellen diese große Bandbreite in den Lehren dagegen als Zeichen von Toleranz dar.

Die Lehre der Gemeinschaft wurde über die Jahre immer wieder subtil verändert und dem jeweils herrschenden Zeitgeist angepasst (Polygamie, Schwarze und das Priestertum, Wortlaut der Tempelrituale, usw.).

Nach Ansicht von Kritikern versucht die Kirche, sich langsam von den vielen fragwürdigen Lehren der Vergangenheit zu distanzieren und ein Bild der allgemeinen Akzeptanz zu schaffen. Es werde nur noch wenig Betonung auf markante Lehren gelegt und vielmehr die Familie und Jesus Christus in den Vordergrund gestellt. Vor allem die Lehren des zweiten Propheten, Brigham Young, würden gezielt totgeschwiegen bzw. geschönt. Die Mitglieder gingen weitgehend unkritisch mit der Vergangenheit, Veränderlichkeit und den Lehren der Mormonenkirche um.

Ökumene

Gemäß der "Ersten Vision" von Joseph Smith gelten alle anderen Kirchen als ein "Gräuel in den Augen Gottes" und als "verderbt". Mormonen geben sich nach außen hin gerne tolerant. Auf viele Mitglieder trifft dies sicherlich auch tatsächlich zu; die theologischen Grundgedanken der Kirche sind es jedoch nicht. Natürlich kann man über die meisten anderen Kirchen mit gewisser Berechtigung dasselbe sagen.

Ritus der Kirche

Taufe

Der Eintritt in die Mormonenkirche erfolgt formal über die Taufe und die Konfirmation.

Die Kirche praktiziert die Taufe durch Untertauchen. Sie stellt ein Symbol für Begräbnis und Wiedergeburt als ein Jünger Jesu Christi dar. Durch Umkehr und Taufe wird ein Mensch von all seinen früheren Sünden gereinigt und in die Kirche aufgenommen. Wie in den meisten Kirche kann die Taufe nur einmal im Leben erfolgen.

Die Taufe wird nur nach dem achten Geburtstag durchgeführt, da erst dieses Alter sicherstelle, dass der Täufling für seine Handlung selbst verantwortlich ist. Die Säuglingstaufe wird sowohl im Buch Mormon als auch in neueren Offenbarungen strikt abgelehnt; andererseits ist auch die Erwachenentaufe nur bei Neumitgliedern üblich.

Die Taufen anderer Kirchen werden nicht anerkannt, und auch von bereits getauften Neumitgliedern wird erwartet, dass sie sich in der mormonischen Kirche neu taufen lassen. Umgekehrt erkennen andere Kirche die Mormonische Taufe nicht an, da dabei zwar die entscheidende Formel "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" verwendet werde, diese aber so anders verstanden werde, dass sie nicht als Anrufung der Dreifaltigkeit gelten könne.

Taufe Verstorbener

Von außerhalb der Kirche wird Kritik an der Praxis der "Taufe für die Toten" geübt, in der ein Mitglied der Kirche als Statthalter für einen Verstorbenen einsteht, und anstelle dessen getauft wird. Im Gegensatz zur Taufe Lebender findet die Taufe Verstorbener im Tempel statt.

Nach der Lehre der Kirche können die zur Heilsbringung notwendigen Handlungen allen Menschen dargebracht werden, die sie bislang noch nicht erhalten haben; der Verstorbene selbst entscheide dann, ob er diese Taufe auch annehme. Viele Menschen anderen Glaubens empfinden diese Praxis entwürdigend, insbesondere wenn verstorbene Familienmitglieder derart behandelt werden; nach dem eigenen Glauben befinden sich diese Menschen oft schon in Gemeinschaft mit ihrem Gott, und brauchen demnach keine zusätzliche Sonderbehandlung.

Die systematische Taufe verstorbener Vorfahren wird durch Familien-Genealogische Zentren (Family History Centers, FHC) in vielen Städten der USA, aber auch in anderen Ländern, unterstützt. In Salt Lake City befindet sich das Hauptquartier dieser Zentren. Dort liegen Kirchenbuch-Verfilmungen (Mikrofilme), welche schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg in Gebieten des ehemaligen Deutschen Reiches begonnen wurden. In der USA kann man Kopien der Kirchenbuchfilme in den einzelnen Familien-Genealogischen Zentren besichtigen und kopieren.

Seit ein paar Jahren sind diese Abstammungslisten auch im Internet zugänglich (www.familysearch.org). Alle Eintragungen werden von Freiwilligen Kirchenmitgliedern unternommen, welche wiederum ebenfalls die Unterlagen von persönlichen Genealogie Forschungen eintragen. Diese sind oft ungenau. Jedoch ist die Verfilmung der Kirchenbücher original; wenn es sich um Kopien handelt, wird das explizit erwähnt.

Gabe des Heiligen Geistes

Die Gabe des Heiligen Geistes wird frischgetauften Kirchenmitgliedern durch Auflegen der Hände vermittelt. Eine Gruppe von Priestern ist dazu erforderlich; ein Sprecher bestätigt dabei die Aufnahme in die Kirche. Damit gilt das neue Mitglied als vom Heiligen Geist begleitet und beschützt.

Gemeindehäuser und Tempel

Der Gottesdienst findet jeden Sonntag im Gemeindehaus statt, und umfasst Gesang, Gebet, Abendmahl und Predigt. Das Abendmahl wird meist einfach "das Sakrament" genannt und findet, wie im Katholizismus, jede Woche statt. Anstelle von Oblaten und Wein aus einem großen Kelch wird bei den Mormonen normales Weißbrot und Wasser aus kleinen Bechern verwendet. Nach dem Buch "Lehre und Bündnisse" darf nur von der Kirche selbst angebauter Wein verwendet werden; da solcher aber wegen des Alkoholverbots nicht existiert, muss Wasser verwendet werden.

Es ist nicht vorgeschrieben, aber erwünscht, das Männer in Anzug oder Kombination mit Krawatte und Frauen in Rock oder Kleid teilnehmen; legere Kleidung gilt als unangemessen. Da kleine Gemeinden, in denen man sich persönlich kennt, erwünscht sind, teilen sich oft mehrere Gemeinden ein Gemeindehaus und feiern ihre Gottesdienste dort nacheinander.

Einmal monatlich findet anstelle einer Predigt eine allgemeine Aussprache statt, wobei jeder der möchte sein "persönliches Zeugnis" vom Buch Mormon und der Kirche ansprechen kann. Der Begriff des Zeugnisses spielt eine wichtige Rolle bei den Mormonen, die glauben dass jeder Mensch von Gott direkt angesprochen wird, wenn er im Gebet darum bittet. Gegner der Kirche sehen darin jedoch einen "des Kaisers neue Kleider"-Effekt, wobei viele nur deshalb ein erfundenes "Zeugnis" vortragen um nicht als Ungläubige dazustehen.

Tempel dienen nicht dem normalen sonntäglichen Gottesdienst; in ihnen finden spezielle Zeremonien, wie z. B. die Verstorbenentaufen, statt. Nach dem Bau haben die Tempel einige Tage der Offenen Tür, aber ab der Einweihung ist nur erwachsenen Kirchenmitgliedern mit Empfehlungsschreiben ihres Bischofs (Gemeindeleiters) der Zutritt gestattet. Um das Empfehlungsschreiben zu erhalten, muss man einige zentral vorgegebene Fragen zur eigenen Lebensführung (z.B. Zahlung der 10%, Einhaltung des Alkoholverbots) zufriedenstellend beantworten, wobei der Wahrheitsgehalt der Antworten aber nicht kontrolliert wird.

Während des größten Teils der Kirchengeschichte gab es weltweit nur wenige Tempel, aber seit etwa 1990 wird deren Bau stark forciert, sodass nun etwas über 100 existieren.

Endowment

Das "Endowment" (deutsch etwa: Ausstattung) ist diejenige Zeremonie, an der der Gläubige bei seinem ersten Besuch im Tempel teilnimmt. Die folgenden Informationen stammen von ehemaligen Kirchenmitgliedern, die die Geheimhaltung nach ihrem Austritt brachen.

Das Endowment verpflichtet das Mitglied zur Loyalität und Hingabe zur Gemeinschaft und soll ihn mit den nötigen, geistigen Dingen ausrüsten, die ein Leben in der Gegenwart Gottes ermöglichen. Dabei sollen diejenigen Teile des Glaubens, die wegen ihrer Heiligkeit nicht öffentlich ausgesprochen werden, erlernt und praktisch erfahren werden. Man kann nur einmal im eigenen Namen teilnehmen, jedoch danach auch noch für Verstorbene.

Diese Zeremonie ist als eine abgeänderte Form der Freimaurerzeremonie anzusehen, vermischt mit Elementen des Neuen und Alten Testaments, sowie den persönlichen Einflüssen Joseph Smiths und seiner Nachfolger. Joseph Smith selbst und viele seiner Anhänger gehörten dem weit verbreiteten Freimaurertum seiner Zeit an, die eigene Logen gründeten. Paradoxer Weise darf heute kein Mitglied mehr Freimaurer werden, weil diese als eine "geheime Organsiation" angesehen werden, und solche Organisationen im "Buch Mormon" wiederholt in scharfer Form angegriffen werden. Nach Ansicht der Gläubigen ist dagegen das Freimaurer-Ritual eine entstellte Form eines altchristlichen Rituals, das von Smith wiederhergestellt wurde.

Im Rahmen der Zeremonie werden Namen, Zeichen und Kennzeichen bekannt gegeben, die die Mitglieder nicht nach außen tragen dürfen. Bis 1990 wurden von den Mitgliedern innerhalb der Zeremonie symbolisch mögliche göttliche Todesstrafen, zu vollziehen im Falle einer Herausgabe, angedroht. Auch andere frühe Elemente der Zeremonie, etwa ein Eid, das "Blut der Propheten" an den Vereinigten Staaten zu rächen, wurden inzwischen entfernt; solche Elemente widersprechen merklich dem heutigen Selbstbild der Kirche als patriotisch-amerikanisch.

Beim Endowment wird, wie bei allen Tempelzeremonien, spezielle "Tempelkleidung" getragen. Nach Erhalt des Endowments sollen die Mitglieder keine einfache Unterwäsche mehr tragen; sie erhalten so genannte "Garments", eine Art mit Symbolen des Glaubens besticktes Unterhemden, die sie Zeit ihres Lebens als Erinnerung an ihre Bündnisse tragen sollen (bzw., nach Ansicht der Mitglieder, tragen dürfen).

Aufgrund der Geheimhaltungspflicht und des indoktrinierenden Charakters des Endowments unterliegen die Mitglieder nach Ansicht von Kritikern bewusst und unbewusst einem starken psychologischen Druck. Anhänger der Kirche bezeichnen die Geheimhaltung dagegen als Ausdruck des Respekts vor der Heiligkeit des Rituals.

Eheschließung

Die Ehe kann auch außerhalb des Tempels geschlossen werden, ist dann aber nur bis zum Tod gültig. Eine im Tempel geschlossene oder nachträglich bestätigte Ehe bleibt dagegen nach dem Glauben der Kirche über den Tod hinaus bestehen und ist Voraussetzung für den Eintritt ins Himmlische Königreich. Dabei müssen beide Partner Kirchenmitglieder sein. Auch als Gäste sind nur Kirchenmitglieder zugelassen, was der Kirche schon oft heftige Kritik von seiten nichtgläubiger Familienmitglieder eingetragen hat.

Bereits verheiratete Paare können die Ehe auch stellvertretend für verstorbene Paare schließen.

Siegelung

Die Siegelung ist eine Zeremonie, die nur im Tempel stattfindet. Alle Mitglieder einer Familie, Eltern und (erwachsene) Kinder, werden darin derart aneinandergebunden, dass sie auch im Jenseits noch eine Einheit bilden.

Die Siegelung kann auch für Verstorbene durchgeführt werden.

Zweite Salbung

Diese Zeremonie wird nur ganz wenigen verdienten Amtsträgern im Tempel gespendet, wobei wie üblich außerhalb des Tempels nicht darüber gesprochen werden soll. Da unter solchen hohen Amtsträgern Austritte mit nachfolgender Veröffentlichung viel seltener sind als unter den normalen Mitgliedern, ist über diese Zeremonie wenig bekannt.

Lebensweise und Regeln

Folgende Lebensweisen und Regeln sind nicht nur der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage zu eigen, sondern zum Teil auch anderswo verbreitet.

Allgemeines
Die Mitglieder leben entsprechend dem "Wort der Weisheit" abstinent. Es wird Wert auf eine gesunde Ernährung gelegt. Dies umfasst den völligen Verzicht auf Tabak, Alkohol, Kaffee, Schwarztee und je nach Auslegung auch auf Cola; Fleisch soll nur in geringen Mengen und nur bei Krankheit, im Winter, oder in Hungerzeiten verzehrt werden. Dieses Gesundheitsgesetz findet sich im Buch "Lehre und Bündnisse"; es wurde laut Kirche im Jahre 1833 offenbart; es erhielt aber seine heutige strikte Auslegung und seinen festen Platz in der Gemeinschaft wahrscheinlich erst zu Zeiten der Prohibition, denn Smith selbst - wie auch viele der damaligen Führer - hielten sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts niemals ernsthaft an dieses Kirchengebot. Die Kirche betrieb in ihren Frühen Jahren zeitweise einen Laden, in dem auch Tabak und Alkohol verkauft wurden, wie durch erhaltene Preistafeln erwiesen ist.

Weiter ist es interessant zu wissen, dass der Verbrauch des Antidepressivums Prozac in Utah 60 Prozent über dem US-Durchschnitt liegt und besonders Frauen, aufgrund der hohen religiösen Erwartungen, zur Pille greifen. Auch Diabetes stellt ein größeres Problem in Utah dar.

Die Kleidung sollte bescheiden sein.

Ehe
Sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe ist erwünscht; die Ehe selbst, sowie eine möglichst kinderreiche Ehe, gelten als erstrebenswert und heilsnotwendig. In den Anfängen der Gemeinschaft konnten die Männer mehrere Frauen heiraten (Vielehe Polygamie). Joseph Smith, Brigham Young und einigen andere frühe Kirchenleiter praktizierten dies zunächst im geheimen; ab etwa 1850 wurde es auch öffentlich und von normalen Mitgliedern ausgeübt.

Diese von der Mormonenkirche als "ewiges Gesetz" angesehene Lehre wurde im Jahre 1891 aufgrund von äußerem Druck in der Praxis abgeschafft. Sie wird theologisch noch gelehrt, aber nicht mehr als praktische Lebensweise vertreten und ist heute vielmehr ein Ausschlussgrund. Jedoch glauben manche Mitglieder, dass die Polygamie im Reich Gottes fortbestehen wird (Gott hat demnach auch viele Frauen), und so können in den Tempeln der Gemeinschaft weiterhin mehrere Frauen an einen Mann gesiegelt werden -- allerdings nur dann, wenn die frühere Ehefrau verstorben ist. Verwitwete Frauen können dagegen nicht an einen neuen Ehemann gesiegelt werden.

Splittergruppen der Mormonen praktizieren auch heute noch Polygamie in den USA. Andere Abspaltungen der Kirche, welche den Zug nach Utah nicht mitmachten, lehnen die Polygamie dagegen strikt ab und bestreiten vehement, dass Joseph Smith sie praktiziert hätte; nach Ansicht dieser Gruppen wurde sie erst von Brigham Young eingeführt. Lange Zeit war dies historisch umstritten, heute gilt es aber in der Forschung als gesichert, dass die Lehre tatsächlich auf Smith selbst zurückgeht.

Die Polygamie stellt in den Augen der Öffentlichkeit weiterhin den größten Makel der Kirche dar, somit ist es nicht verwunderlich, dass diese in offiziellen Veröffentlichungen kaum vorkommt; beispielsweise gibt die Kiche eine kurze Biographie von Brigham Young heraus, in dem die Tatsache, dass dieser immerhin 27 Ehefrauen hatte, überhaupt nicht erwähnt wird. Erst in jüngster Zeit wird von manchen Mormonen gefordert, die Polygamie als ein besonderes Gebot Gottes für eine kurze, besondere Zeit wieder positiv hervorzuheben, da sich die Assoziation Mormonen-Polygamie in der Öffentlichkeit sowieso nicht aufheben ließe.

Die Mormonenkirche glaubt, dass Familien ewigen Bestand haben und wirbt heute primär mit dieser Botschaft. Wer nicht im Tempel heiratet, kann einst nicht wie Gott werden und wird eine dienende Funktion im Himmel einnehmen.

Freizeit
Kirchenmitglieder treffen einander während der Woche zu gegenseitiger Ermutigung und zum gemeinsamen Gebet und Studium. Jedes erwachsene Kirchenmitglied hat gewöhnlich irgendeine "Berufung" genannte spezielle Aufgabe, wie z.B. Leitung von Kindergruppen, Buchhaltung, Instandhaltung der Gebäude und Anlagen, Besuche bei Kranken Mitgliedern, verschiedene Sozialdienste etc.

Weiter ist der Glaube an Jesus Christus und das Familienleben sehr wichtig. Einmal in der Woche halten die Mitglieder einen "Familienabend" ab, wo alle zu Haus bleiben sollen. Die Familien werden monatlich zu Hause von so genannten "Heim- und Besuchslehrern" (älteren Jugendlichen) besucht. Diese berichten dann über den Stand der Familien in ihren entsprechenden Gremien oder dem Bischof. Bei den Mitglieder werden so einerseits entstehende persönliche Probleme schon früh erkannt, sodass geholfen werden kann, andererseits stehen somit unter ständiger sozialer Kontrolle. Die daraus resultierende Sozialisation der Jugend stellt einen der Grundpfeiler für das Wachstum der Gemeinschaft dar.

Zehnt
Die Kirche wird mit 10% des Einkommens bedacht und folgt damit dem Zehnt des Alten Testaments. Dies erfolgt nicht in Form von Kirchensteuer, sondern durch Spenden.

Ehrenamtliche Aufgaben
Die Mitarbeit in der Kirche ist ehrenamtlich, nur wenige auf Lebenszeit dienende Funktionäre erhalten einen finanziellen Ausgleich. Die Mitglieder investieren relativ viel Zeit und Mittel im Dienst der Gemeinschaft, was bei manchen unweigerlich zu Problemen führt. Auch die Jugendarbeit spielt eine große Rolle, seit dem 20. Jahrhundert besonders das Pfadfinderwesen; Pfadfinder zu sein ist in den USA für junge Mormonen beinahe Pflicht.

Missionsarbeit

Junge Männer übernehmen meist mit 19 Jahren eine zweijährige Missionsarbeit, deren Kosten von der Familie getragen werden. Voraussetzung ist dabei die Weihe zum Ältesten und das Endowment. Junge Frauen werden weniger stark gedrängt, können aber, wenn sie es wünschen, ab dem 21. Lebensjahr 18 Monate lang in der Mission arbeiten. Ehepaare im Ruhestand arbeiten ebenfalls oft missionarisch.

Derzeit (2002) sind etwas 60.000 Missionare tätig. Die Gemeinschaft hat einen Zuwachs von ca. 300.000 Mitgliedern jährlich, wobei die Inaktivenrate und Zahl der Austritte entsprechend hoch sind.

Die Präsentation nach außen ist der Gemeinschaft heute wichtig. Daher wird vieles getan, um schlechte Publicity zu umgehen. In letzter Zeit versucht die Gemeinschaft im deutschen Internetbereich stärker präsent zu werden, laut Kritikern teilweise mit unlauteren Methoden wie Domainspamming und Prozessen.

Priesterschaft und Führung der Kirche

Weihen und Priestertum

Das Priestertum der Mormonenkirche ist eine Mischform aus den Strukturen des Alten und Neuen Testamentes. Es besteht aus einem "Aaronischen" und "
Melchisedekischen" Priestertum, das erstere hat dabei eher weltliche, das letztere eher geistliche Aufgaben.

Das Priestertum und die von ihm verwalteten sogenannten "Schlüssel" spielen im Mormonischen Glauben eine zentrale Rolle; gemeint ist damit, dass alle Zeremonien nur von Priestern administriert werden dürfen, und auch viele alltägliche Angelegenheiten wie die Rolle eines Familienvaters oder Landbesitzers werden als spezielle Ausprägungen des Priestertums verstanden. Jeder Priester hat nach mormonischem Glauben das Recht, von Gott private Offenbarungen über seinen Aufgabenbereich zu empfangen, wenn er darum betet. Selbst die Rollen eines Gott und Christus gelten im klassischen Mormonentum als höchste Ämter eines weltumfassenden Priestertums.

In den unteren Ebenen arbeiten ausschließlich unbezahlte Laienpriester, die diese Arbeit neben ihrer normalen Beschäftigung verrichten. In höchster Ebene arbeiten die Führer in Vollzeit und werden dafür auch bezahlt.

Jugendliche, männliche Mitglieder erhalten die Weihe zum Aaronischen Priestertum ab 12 Jahren. Das Melchisedekische Priestertum wird ab 18 Jahren übertragen. Alle männlichen Mitglieder werden somit gewöhnlich während der Teenagerzeit bzw. einige Jahre nach ihrem Beitritt nacheinander zu Lehrern, Diakonen, Priestern, und Ältesten geweiht, außer wenn sie das nicht wünschen. Diese Weihe von Jugendlichen ist seit der Zeit Birgham Youngs üblich, wobei die Altersgrenzen später noch mehrmals abgesenkt wurden.

Von der Zeit Brigham Youngs bis zu einer Offenbarung 1978 waren schwarze Mitglieder von der Weihe ausgeschlossen, was der Kirche besonders in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts viel Kritik einbrachte.

Brigham Young glaubte, so wie es im 19. Jahrhundert üblich war, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe einen Fluch tragen, der auf das Verhalten Kains im Alten Testament und den Ungehorsam der Lamaniten des Buches Mormons zurückzuführen ist. Die Mormonenkirche lässt heute zwar Schwarze Priester zu, hat sich von der Lehre über den Fluch aber nie offiziell getrennt.

Höhere Weihen, die nicht jedem Mann gespendet werden, sind Hohepriester, Siebziger, und Apostel.

Strukturen

Die Kirche ist durch ihr Priestertum und dessen Führungsämter in Gemeinden, Pfähle und Gebiete organisiert. In den Gemeinden und Pfählen stehen Älteste, Bischöfe und Pfahlpräsidenten den Mitgliedern vor.

Den Kopf bilden die so genannte "Erste Präsidentschaft" mit dem "Propheten", und das Kollegium der "Zwölf Apostel". Die Kirche wird durch einen Vorsitzenden geleitet, den die Mitglieder als Propheten ansehen, und der zwei Beisitzer hat. Zur Zeit (2002) hat Gordon B. Hinckley dieses Amt inne. Nach der Lehre der Kirche kann er Offenbarungen von Gott erhalten, und dadurch die Kirche führen; allerdings werden solche Offenbarungen nur sehr selten geäußert, zuletzt 1978 im Falle des Priestetums für Schwarze. Nach seinem Tod übernimmt der dienstälteste Apostel sein Amt.

Die Apostel sind heutzutage meist verdiente Geschäftsleute innerhalb der mormonischen Gemeinschaft und haben oft keine tieferen Kenntnisse der mormonischen Theologie. Dies wird von manchen als Vorteil, von anderen als Nachteil angesehen.

Die Gemeinschaft ist somit theokratisch aufgebaut, und der Gehorsam und das Anerkennen der vorgesetzten Führer ist wichtiger Glaubensbestandteil. Öffentliche Kritik an Führern wird nicht geduldet und kann zum Ausschluss führen.

Andere allgemeine und lokale Würdenträger sind Apostel, die "Siebziger", und Bischöfe. Letztere leiten die Ortsgemeinden und entsprechen in etwa den Pfarrern anderer Kirchen.

Die Frauen tragen kein Priestertum, haben aber in der so genannten "Hilfsorganisation" (engl. Relief Society) auch Führungsämter inne. Diese Organisation wurde von Smiths erster Ehefrau Emma gegründet; alle erwachsenen mormonischen Frauen, und nur diese, gehören ihr heute automatisch an. Ihre Aufgabe ist vor allem Unterricht für die Jugendlichen sowie die praktische Hilfe "von Frau zu Frau" in sozialen Problemfällen.

Geschichte

Gründung

Die Kirche wurde formal am
6. April 1830 von Joseph Smith, Jr und fünf seiner Familienmitglieder und Nachbarn, in Fayette im Staat New York als Religionsgemeinschaft angemeldet. Joseph Smith wird als Prophet angesehen.

Smith behauptete, im Jahre 1820 eine Vision gehabt zu haben, in der ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen. Diese sollen ihm mitgeteilt haben, dass alle derzeit bestehenden Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen dürfe. Allerdings verfasste Smith im Laufe seines Lebens mehrere, widersprüchliche Berichte über diese "Erste Vision".

In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm letztendlich den Auftrag gegeben haben soll, das "Buch Mormon" von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten in einem von Moroni "Cumorah" genannten nahen Hügel lagerten, zu übersetzen. Joseph Smith übersetzte dann das Buch mit Hilfe eines selbstgefundenen "Sehersteines" und den so genannten "Urim und Tummim", die dem Buch beigelegen haben sollen; danach habe er die Platten elf weiteren Zeugen aus Familie und Nachbarschaft gezeigt, worauf Moroni sie wieder an sich genommen habe. Das Buch wurde 1830, kurz vor der Gründung der Kirche, erstmals veröffentlicht.

Die Mormonenkirche breitete sich aus und musste in den folgenden Jahren häufig ihren Standort wechseln: Von Fayette (New York) nach Kirtland (Ohio) und Far West (Missouri). Von dort nach Nauvoo (Illinois) und schließlich nach Smiths Tod hinaus aus den USA nach Westen über die Rocky Mountains in ein Gebiet, dass damals noch zu Mexiko gehörte. Dort gründeten die Mormonen ihre noch heute bestehende Metropole Salt Lake City (Utah). In den Gründerzeiten von Salt Lake (1847) und danach folgten Tausende von Gläubigen dem Ruf der Gemeinschaft und nahmen den beschwerlichen Weg (1300 km) über die Prärie und die Berge auf sich, um sich im Zentrum der Mormonen zu sammeln. Diese Sammlung an einem Ort war damals Kirchenlehre, erst später hatten frisch getaufte auch die Wahl, in ihrer alten Heimat zu verbleiben. Die Pioniere der Mormonenkirche trugen so ihren Teil zur Erschließung des amerikanischen Westens bei.

Im Zuge der Besiedlung und der Gründung des Staates Utah, befanden sich die Mormonen für kurze Zeit mit den USA im Krieg. Zu dieser Zeit wurde auch das drittgrößte Massaker in der amerikanischen Geschichte von verbündeten Mormonen und Indianern an einem friedlichen Siedlertreck verübt: Das Mountain Meadow Massaker.

Die Anfeindungen erfolgten hauptsächlich wegen der bis 1890 bei den Mormonen offiziell erlaubten Polygamie sowie wegen des Auftetens der Kirche als geschlossene, gemeinsam lebende, einheitlich handelnde Gruppe, die somit auch politische Mehrheiten zu ihren Gunsten zu verändern drohte.

Ein möglicher Grund, warum Smith überhaupt Erfolg mit seinen theologischen Auslegungen und Gedanken hatte, liegt darin, dass er ein grundlegendes amerikanisches Bedürfnis befriedigte: Er holte das "Heilige Land" nach Amerika. Selbst der Garten Eden befand sich laut Smith in Missouri. Demnach wird Christus auch bei seinem Zweiten Kommen in Amerika erscheinen, und das Neue Jerusalem in ebenfalls Missouri errichtet werden, im Gebiet der heutigen Stadt Independence, Missouri bei Kansas City. Er legte viele Schriftstellen des Alten und Neuen Testamentes auf diese Gedanken hin aus und entsprach so dem patriotisch-religiösen Eifer der Menschen, den wir auch heute noch vielfach in den USA finden: "God's own country". Manche Mormonen haben gar überlegt, die Verfassung der USA als heilige Schrift anzuerkennen.

Weitere Entwicklung

Seitdem ist die Kirche zu einer Religion mit weltweit 11 Millionen Mitgliedern angewachsen, und stellt die fünftgrößte einzelne Religionsgemeinschaft in den USA dar. In vielen westlichen Staaten ist sie heute die größte Einzelkirche. Außerhalb der USA war ihre Mission vor allem in Lateinamerika und auf einem Teil der Pazifikinseln erfolgreich; manche Pazifikinseln sind heute mehrheitlich mormonisch.

Sie ist die größte einer langen Reihe von Religionsgemeinschaften, die sich als legitime Nachfolgeorganisationen der von Joseph Smith gegründeten Kirche verstehen.

Abspaltungen

Eine der vielen Splittergruppe stellt die Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, heute "Gemeinschaft Christi" genannt, dar, welche 1860 von Smiths Witwe und seinem Sohn begründet wurde. Diese steht den anderen christlichen Kirchen sehr viel näher und lehnt die meisten mormonischen Sonderlehren ab. In den USA gilt sie als Rechtsnachfolger der ursprünglichen Mormonenkirche, da ihre Mitglieder innerhalb der USA verblieben und deren Gesetze einhielten.

Weblinks

Siehe auch Totalitäre religiöse Gruppe.





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