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Gottschaldt studierte ursprünglich Physik und Chemie in Berlin, wandte sich dann jedoch - angezogen von Wolfgang Köhlers Ideen zur Verbindung von Philosophie und Naturwissenschaft - dem Studium der Philosophie und Psychologie zu. Über Befürwortung von Wolfgang Köhler und Kurt Koffka erhielt er 1926 eine bezahlte Assistentenstelle am Berliner Psychologischen Institut, die er bis 1929 innehatte. Anschließend erhielt er am Rheinischen Provinzspital in der Nähe von Bonn als einer der ersten in Deutschland eine Vollzeit-Anstellung als klinischer Psychologe. In dieser Zeit entstand seine für die Gestaltpsychologie wichtige Arbeit Der Aufbau des kindlichen Handelns, die ihm zugleich die Lehrbefugnis an der Universität Bonn eintrug.
Unter dem Nationalsozialismus blieb Gottschaldt, wie Mitchell G. Ash herausarbeitet (Gestalt Psychology in German Culture, Cambridge University Press: New York 1995), auch in seinen Arbeiten zur Erbpsychologie und Zwillingsforschung auf kritischer Distanz zur Nazi-Ideologie und verfolgte seine an Max Wertheimer und vor allem an Kurt Lewin orientierte Linie weiter.
1938 wurde Gottschaldt Assistenzprofessor an der Berliner Universität, eine volle Professur blieb ihm wegen seiner ideologischen "Unzuverlässigkeit" jedoch verwehrt - er erhielt sie erst 1946 an der Humboldt-Universität von Berlin. Dort und ab 1962 an der Universität Göttingen setzte er seine Arbeiten auf dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungspsychologie und Sozialpsychologie fort, für die er hauptsächlich bekannt ist.
Gottschaldts Schüler aus seiner Zeit an der Humboldt-Universität wurden sämtlich Hochschullehrer an dieser Universität: Walter Gutjahr (Dozent für Klinische Psychologie), Johannes Helm (Professor für Klinische Psychologie), Rolf Jakuszek (Dozent für Pädagogische Psychologie), Friedhart Klix (Professor für Allgemeine Psychologie), Gerhard Rosenfeld (Professor für Pädagogische Psychologie), Hans-Dieter Schmidt (Professor für Entwicklungspsychologie) und Hans Szewczyk (Professor an der Nervenklinik der Charité).