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Lenin stammt aus einer Familie, die dem niederen Adel angehört und sich sozial und kulturell liberal engagiert. 1887 wird sein älterer Bruder Alexander als Student in Skt. Petersburg wegen Verschwörung und versuchten Mordes an Zar Alexander III hingerichtet. Für die Familie bedeutet das eine politische Deklassierung, aber nach standesgemäßen Gnadenerweisen beendet Lenin 1891 sein Jurastudium und verteidigt die ärmsten der Armen in Samara. 1893 zieht er nach Sankt Petersburg. Die Unterdrückung des Volkes, die Lenin miterlebt, führt dazu, dass er sich mit revolutionären Theorien von G. V. Plechanow auseinandersetzt. Nach einer mehrmonatigen Europareise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz gründet er die "Liga für den Kampf der Emanzipation der Arbeiterklasse" wofür er am 8. Dezember 1895 zu einer 15monatigen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Nachdem seine Haftstrafe um drei Jahre erweitert wird, gründet er, im Anschluss daran, 1898 die Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Minsk. Nach weiterem Exil bereist er erneut Europa und verwendet ab Dezember 1900 das Pseudonym "Lenin". 1902 veröffentlicht er das berühmte "Was tun".
Lenin betreibt den Aufbau einer streng organisierten Kaderpartei aus "Berufsrevolutionären" und wird wegen seiner - von der Illegalität erzwungenen, aber auch vom russischen revolutionären Terrorismus inspirierten - Rigorosität und wegen seiner radikalen theoretischen Positionen der am meisten beachtete linke Sozialdemokrat.
Im Unterschied zu den theoretischen "legalen Marxisten" und den politisch gemäßigten sozialreformistischen Menschewiki, die auf eine längere. kapitalistische Evolution Rußlands setzen, sieht Lenin das Land als das rückständigste Land im modernen Kapitalismus und die sozialistische Revolution als nahe bevorstehend. Das untersetzt er mit politökonomischen, politischen und philosophischen Studien.
Nach mehreren Abstimmungssiegen auf dem II. Parteitag nennt sich die (starke) Minderheit seiner Anhänger "Bolschewiki" (russisch: "Mehrheitler".) In der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1905 bis 1907 vertreten die Bolschewiki die Position einer Radikalisierung der Umwälzung, hin zur Machtübernahme durch Sowjets (Räte) der Arbeiter und Bauern. Im Januar 1907 flieht Lenin aus Sicherheitsgründen nach Finnland, ein Jahr später zieht er nach Genf. Im April 1912 veröffentlicht er zum ersten Mal die Prawda.
Nach der Kriegserklärung Deutschlands an Russland bricht der 1. Weltkrieg aus. Lenin und die meisten Bolschewiki sind international die einzige sozialdemokratische Parteiorganisation, die von Anfang an gegen die Kriegspolitik der eigenen Regierung mobilisieren. Im Ergebnis militärischer Niederlagen Rußlands wächst die Partei von der Splittergruppe zur Massenpartei.
Nach der spontanen Revolution im Februar 1917 kehren Lenin und andere prominente Sozialdemokraten aus der Schweiz über das Gebiet des Kriegsgegners Deutschland, Schweden und Finnland nach Rußland zurück. Sie fahren in einem versiegelten Zug, der zu exterritorialem Gebiet erklärt war. Trotzdem hält der Zug in Berlin, wo er mit 40 Millionen Goldmark beladen wird. Eine Summe, die heute in die Milliarden gehen würde. Das Geld stammt aus der Kasse des Deutschen Reiches und soll die bolschewistische Revolution vorantreiben. Man erhofft sich davon, dass dann einen Separatfrieden mit Russland geschlossen werden kann. Im April 1917 erreicht Lenin mit einigen seiner Genossen Petrograd und verkündet die Möglichkeit und Notwendigkeit, die Revolution zur Machergreifung der Arbeiter, Bauern und Soldaten zuzuspitzen.
Nach weiteren militärischen Fehlschlägen der gemäßigt sozialistisch-liberalen "Provisorischen revolutionären Regierung" gelingt es den Bolschewiki und den neu gegründeten "Sowjets" im November 1917, die bürgerliche Regierung zu stürzen. Die sofortige Friedens-Erklärung, die Verteilung des Bodens an die Bauern und die Übernahme der Fabriken durch die Arbeiter sind die unmittelbar wirkenden Losungen. Lenin etabliert die bolschewistische Regierung (Rat der Volkskommissare) mit sich selbst als Vorsitzenden. Im Februar 1918 entsteht auf seine Veranlassung die Rote Armee. Am 5. März 1918 beendet das Abkommen von Brest-Litowsk den Krieg mit Deutschland, im "Alleingang" von Lenin gegen die übrigen Parteiführer, namentlich Außen-Kommissar Trotzki durchgesetzt.
Lenin ist trotz vieler offen ausgetragener Meinungsunterschiede die unumstrittene Führerpersönlichkeit der Regierung und wird als die höchste Autorität der 1919 entstehenden 3., "Kommunistischen Internationale" angesehen. Er schwankt nicht bei der brutalen Sicherung der Macht, z.B. 1920 gegen einen Aufstand der revolutionären Matrosen von Kronstadt "Für Sowjets ohne Kommunisten!". Genauso radikal ändert er aber gleichzeitig die Wirtschaftspolitik "nach rechts", indem er als "Neue Ökonomische Politik" wieder privates Unternehmertum und Gewinnstreben der Bauern zuläßt.
Im Mai 1922 erleidet Lenin seinen 1. Schlaganfall, im Dezember des selben Jahres seinen 2. Daraufhin wird er vom Politbüro in Isolation gehalten. Am 30. Dezember 1922 wird die UdSSR gegründet. Im März 1923 erleidet Lenin seinen 3. Schlaganfall, am 21. Januar 1924 stirbt er an den Folgen seines 4. Schlaganfalls.
Lenin wurde nicht beerdigt, sondern liegt bis heute in einem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau. Seine Leiche ist präpariert worden und der Öffentlichkeit zugänglich. Zu Zeiten der UdSSR standen oft lange Schlangen von Menschen vor dem Mausoleum um Lenin zu betrachten. Sein Gehirn soll von Forschern untersucht worden sein, da man meinte, dass Lenin ein besonderes Genie war und etwaige Anzeichen dafür sich an oder in seinem Gehirn finden lassen könnten.
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2 Verfilmung 3 Weblinks |
Literatur
Verfilmung
Weblinks
Slavoj Zizeks Plädoyer für eine Exhumierung Lenins um die Grundkoordinaten unserer Situation radikal neu thematisieren (engl.)
Enciclopedia On Line:
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