Leninismus

Leninismus ist eine historisch-politische Bezeichnung für eine theoretische und politische Ausprägung des Kommunismus.

Der Begriff "Leninismus" wurde von Stalin 1924 nach dem Tod Lenins geprägt und als Anwendung des Marxismus auf die imperialistische Phase des Kapitalismus und die Zeit proletarischer Revolutionen definiert. Dabei erhob Stalin durch russische Traditionen und Bedingungen erklärliche Züge Leninscher Theorie und Praxis zu weltweit gültige Wahrheiten und Vorschriften. Die Parteien der von Lenin gegründeten "Kommunistischen Internationale" wurden verpflichtet, nach diesen Richtlinien zu arbeiten und ihre wichtigste Aufgabe in der Verteidigung der Sowjetunion zu sehen.

Stalin gab sich als "bester Schüler" und "engster Mitarbeiter" Lenins aus, um den Machtkampf in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu gewinnen. Dazu erfand er gegen die Auffassungen von Karl Marx, Lenin und Trotzki von einer notwendigen Weltrevolution die "Theorie vom Sieg des Sozialismus in einem Land". Nach 1925 wurde der "Leninismus" so zum Kampfbegriff gegen den Trotzkismus und als Marxismus-Leninismus das Synonym für die Staatsideologie und das daraus abgeleitete politische und wirtschaftliche System im "sozialistischen Weltssystem", den ehemaligen Ostblockstaaten.

Seit den 30er Jahren wurde in der UdSSR und in den Kommunistischen Parteien zunehmend von "Marxismus-Leninismus-Stalinismus" gesprochen.

Es gab an jeder Universität im Osten ein Institut bzw. Sektion Marxismus-Leninismus an dem jeder Student Pflichtvorlesungen hatte. Politisch relevante Wissenschaften definierten sich als "marxistisch-leninistisch" und ignorierten bestimmte "bürgerliche" Theorien wie die Relativitätstheorie, die Soziologie u.a.

Nach dem 20. Parteitag der KPdSU (1956), auf dem Chruschtschow mit den Verbrechen Stalins abzurechnen versuchte, sollte der wirkliche Leninismus wieder hergestellt werden. Auch die von Michail Gorbatschow nach 1985 eingeleitete Politik von Glasnost und Perestroika verstand sich als Rückkehr zum Leninismus.

In diesen Zusammenhängen wurden in den sozialistischen Staaten und in den Kommunistischen Parteien auch nationale Modernisierungen des Marxismus, etwa durch Antonio Gramsci und Rosa Luxemburg wiederentdeckt.

Als Gegenbegriff zum Leninismus prägte Wolfgang Fritz Haug den Begriff "pluraler Marxismus". Dieser zielt ab auf einen Umbau der "philosophischen Grammatik", um den Marxismus für eine offene sozialistische Gesellschaft zu qualifizieren.

zh-cn:列宁主义



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