|
|
Nach Kriegsende ging Ferré nach Paris. Er debütierte in kleinen Musikkellern, in denen er seine ersten Chansons vortrug. Viele seiner Chansons wurden auch von anderen Interpreten mit großem Erfolg gesungen. Es folgte die Trennung von seiner Ehefrau und die Hochzeit mit Madeleine, einer jungen Frau, die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Einem zufälligen Treffen mit Fürst Rainier von Monaco in Paris folgte die Einladung nach Monte Carlo, wo er das Chanson du mal aimé von Apollinaire eindrucksvoll orchestrierte und selbst aufführte. Wieder zurück in Paris folgten zwar Plattenaufnahmen, kommerzieller Erfolg war ihm dennoch nicht beschieden. Anfang der 1960er Jahre reüssierte er mit großen Auftritten im Olympia, dem Mekka des Chansons, zusammen mit seinem Freund und Techniker Maurice Frot und dem blinden Paul Castanier am Klavier. Während fünfzehn Jahren waren diese ein unzertrennliches Dreiergespann, ihre Wege sollten sich erst 1973 trennen und Léo Ferré und Maurice Frot erst kurz vor Ferrés Tod wieder zusammenführen. "Popaul" Castanier starb 1991 im Alter von sechsundfünfzig Jahren.
Ferré, den viele für den französischen Poeten des 20ten Jahrhunderts halten, hat uns ein respektables Werk hinterlassen. Da sind seine Kompositionen und die Aufführungen mit dem Mailänder Symphonieorchester, seine Vertonungen von Rutebeuf, dem französischen Pendant zu Walter von der Vogelweide und von Villon, dem Straßendichter und Priestermörder des ausgehenden Mittelalters.
Dazu die Musik zu den Klassikern des 19ten Jahrhunderts. Charles Baudelaire, Paul Verlaine und vor allem Arthur Rimbaud, der im Alter von 20 Jahren mit dem Schreiben aufgehört hatte und zu dem sich Ferré besonders hingezogen fühlte.
Ferré vertonte aber auch Größen dieses Jahrhunderts wie Guillaume Apollinaire, René Baer, Louis Aragon und vor allem seinen Zeitgenossen und engen Freund Roger Caussimon.
Die Ereignisse im Mai 1968 brachten auch für Léo Ferré große Veränderungen. Das bisher eher seinem Alter entsprechende Publikum wurde um die revoltierende Jugend erweitert, der Ferré aus der Seele sprach. Der Freidenker galt als der Anarchist des französischen Chansons, der Sänger der Revolte. Es folgte die Trennung von Madeleine und die Heirat mit Marie-Christine, Tochter spanischer Franco-Flüchtlinge, mit der er sich in der Toskana niederließ und drei Kinder hatte.
Die 1970er Jahre waren geprägt von einem Ausflug in die Welt des Pop und vor allem durch endlos wirkende, z.T. transzendente Monologe und psychedelischer Musik. In den 1980ern folgte dann die Rückkehr zu alten Stücken, vermischt mit neuen Tönen, aber auch Aufnahmen neuer Chansons. Bei den Auftritten kam die Musik, die er meist mit dem Mailänder Symphonieorchester aufgenommen hatte, vom Band. Er begleitete sich selbst am Klavier. Der staatlich subventionierte und privilegierte Musikbetrieb war ihm verhasst.
Léo Ferré starb am 14. Juli 1993, nach neunmonatiger Krankheit, in seinem Haus in der Toskana.
Um das Begräbnis geheim zu halten, wurde sein Leichnam unter Angabe des Mädchennamens seiner Mutter nach Monaco überstellt. Erst nach der Bestattung im Familiengrab wurde sein Tod bekanntgegeben.
Léo Ferré war Poet, Komponist, Sänger und Musiker.