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| Table of contents |
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2 Werk 3 Ehrungen 4 Walsers umstrittene Rede: "Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede" |
Die Eltern Martin Walsers betreiben eine Gaststätte in Wasserburg. Das Milieu seiner Kindheit wird Walser im Roman "Ein springender Brunnen" schildern. Von 1938 bis 1943 besucht er die Oberschule in Lindau und wird anschließend als Flakhelfer eingezogen. Nach dem Arbeitsdienst erlebt er das Ende der Zweiten Weltkriegs als Soldat der Wehrmacht. Nach Kriegsende macht er 1946 in Lindau das Abitur und studiert in Regensburg und Tübingen die Fächer Literatur, Geschichte und Philosophie. Mit einer Dissertation zu einem Thema über Franz Kafka ("Beschreibung einer Form") wird er 1951 zum Dr. phil. promoviert.
Während des Studiums arbeitet er als Reporter für den SDR und schreibt erste Hörspiele. 1950 heiratet er Katharina "Käthe" Neuner-Jehle, mit der er mehrere Töchter hat, von denen Alissa Walser - wie ihr Vater - als Schriftsteller Erfolg haben wird.
1953 schließt sich Martin Walser der Autorenvereinigung "Gruppe 47" an, die ihn 1955 für die Erzählung "Templones Ende" auszeichnet. Sein erster Roman "Ehen in Philippsburg" erscheint 1957 und wird ein großer Erfolg. Walser lebt von da an mit seiner Familie als freier Schriftsteller am Bodensee.
In den sechziger Jahren setzt sich Walser wie viele andere Intellektuelle für die Wahl von Willy Brandt zum Bundeskanzler ein. Er engagiert sich gegen den Vietnamkrieg und gilt in den siebziger Jahren als Sympathisant der DKP, der er aber nie als Mitglied angehört. 1988 hät Walser im Rahmen der Reihe "Reden über das eigene Land" eine Rede, in der er deutlich macht, dass er die deutsche Teilung als schmerzende Lücke empfindet, mit der er sich nicht abfinden will. Diesen Stoff macht er auch zum Thema seiner Erzählung "Dorle und Wolf". Auch wenn Walser betont, dass sich seine Haltung über die Zeit nicht verändert habe, sprechen einige Beobachter von einem Sinneswandel des Autors.
Das Befremden der linksintellektuellen Szene, die Martin Walser lange als einen der Ihren betrachtet hat, wird zum vehementen Protest, als Walser anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche eine Rede hält, in der er eine "Instrumentalisierung des Holocaust" ablehnt und bekennt, er wolle wegschauen angesichts der immer wiederholten Darstellung schockierender Bilder aus den Konzentrationslagern. Kritiker, unter ihnen Ignaz Bubis, werfen ihm in der folgenden hitzigen Debatte vor, er ebne den Weg für eine Bagatellisierung oder gar Leugnung der Nazi-Verbrechen, da rechte Revisionisten, die dieses brisante Thema abblocken wollten, sich auf ihn berufen könnten. Walser hält dieser Kritik entgegen, dass er keine politische Instrumentalisierung seiner sehr persönlichen Ansicht beabsichtige und nur von seinem subjektiven Empfinden gesprochen habe.
Die vermeintliche Zuwendung Martin Walsers zur politischen Rechten wird erneut zum öffentlichen Thema, als er bei der Klausurtagung der CSU in Wildbad Kreuth als Gastredner auftritt. Dem Vorwurf des Antisemitismus muss er sich stellen, als er in seinem Schlüsselroman "Tod eines Kritikers" den Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki in scharfer und unfreundlicher Form karikiert.
Nach dem Tod von Siegfried Unseld und den Querelen im Suhrkamp Verlag, der ihn von Beginn an verlegt hat, wechselt Walser 2003 zum Rowohlt Verlag.
Ein immer wiederkehrendes Motiv Martin Walsers ist das Scheitern am Leben. Walsers Helden tragen meist einsilbige Nachnamen (Dorn, Halm, Zürn), und sie sind den Anforderungen, die ihre Mitmenschen oder sie selbst an sich stellen, nicht gewachsen. Der innere Konflikt, den sie deswegen mit sich austragen, findet sich in allen großen Walser-Romanen wieder. Dass die Kämpfe nur in der Seele seiner Helden brodeln, während die äußere Handlung meist Nebensache bleibt, macht Martin Walser zu einem typischen Vertreter der deutschen Nachkriegsliteratur (wie Heinrich Böll, Peter Handke oder Siegfried Lenz) und setzt ihn in Gegensatz zur angelsächsichen Literaturtradition, in der das Vorantreiben einer äußeren Handlung weit bedeutender ist.
Aus der Rede Martin Walsers in der Paulskirche zur Überreichung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche am 11. Oktober 1998:
Leben
Werk
Ehrungen
Walsers umstrittene Rede: "Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede"
siehe auch: Literatur, deutsche Sprache, Liste deutschsprachiger Schriftsteller