Mithras

Mithras (auch: Mitras, Mitra oder Mithra) bezeichnet einen auf iranische Wurzeln (Zoroastrismus) zurückgehenden, aber in verschiedenen Kulturen bekannten Sonnengott.

Vor allem im Römischen Reich erfreute sich der so genannte Mithraismus (Mithraskult) großer Popularität, vorallem unter den Legionären. Dort bekam Mithras auch den Beinamen Sol invictus (lat 'der unbesiegbare Sonnengott'). Der Kult war zunächst eine reine Naturreligion, entwickelte sich aber im Laufe der Zeit zu einer Mysterienschule mit verschiedenen Weihestufen. Zu den Mysterien waren nur Männer zugelassen. Im Vordergrund der Arbeit stand das direkte Erleben, die Erfahrungen, die jeder Einzelne machen konnte. Ziel war das Einswerden mit Mithras, dem Sonnengott, mit dem Licht, dem Universum.

Dazu wurden verschiedene Ekstase- und Meditationstechniken und Rituale praktiziert. Auch genossen die Adepten rituelle rauscherzeugende Substanzen, um bestimmte Erfahrungen zu intensivieren. Mithras galt allgemeinhin als Sinnbild für eine "gute Kraft", für Gerechtigkeit im ursprünglichen Sinn, für die Teilhaftigkeit des Menschen an der Natur und als helfender Begleiter des Menschen auf seiner Reise ins Licht (nach dem Tod).

Auf Mithrasdenkmälern wird der Gott oft beim Opfern des Urstieres gezeigt. Er hat diesen Stier verfolgt, eingefangen und auf seinen Schultern in eine Höhle getragen, wo er ihn zur Erneuerung der Welt opfert. Aus dem Blut und Samen des Stiers regeneriert sich die Erde und alles Leben.

In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden in Europa mehr als tausend Artefakte entdeckt, die von der weiten Verbreitung des Mithraskultes zeugen. Die Mithras-Tempel werden Mithräen genannt und waren oft unterirdisch angelegt oder höhlenartig in Fels gehauen.

Es gibt einige interessante Parallelen zwischen der Figur des Mithras und Jesus von Nazareth. Mithras wurde von einem Vatergott ausgeschickt, um das Dunkle und Böse in der Welt zu überwinden. Mithras wurde von einer Jungfrau in einer Höhle geboren; bei der Geburt waren Hirten anwesend. Er wurde als "der Weg", "die Wahrheit", "das Licht", "der Sohn Gottes" und "der gute Hirte" bezeichnet, und wurde oft ein Lamm auf seinen Schultern tragend abgebildet. Er starb, wurde begraben, und auferstand von den Toten. Seine Anhänger glaubten an ein Jüngstes Gericht, an Himmel und Hölle, feierten ein Taufritual (vermutlich mit Stierblut), und zelebrierten wöchentliche Gottesdienste am Sonntag, sowie Abendmahlsfeiern (mit Brot und Wasser oder Wein), welche Leib und Blut des heiligen Stiers symbolisierten. Die großen mithräischen Feste feierten den Geburtstag Mithras am 25. Dezember (dem Abend der Wintersonnenwende) und den Tod und die Auferstehung Mithras zur Frühlings-Tagundnachtgleiche.

Angesichts so vieler Parallelen liegt der Verdacht nahe, dass das frühe Christentum einige seiner Lehren und Bräuche aus dem Mithraismus entlehnt hat, um in der griechisch-römischen Kultur besser Fuß fassen zu können. Das Christentum streitet diesen Verdacht jedoch, mit Ausnahme des Datums des Weihnachtsfestes, ab.

Als das Christentum im 5. Jahrhundert im römischen Reich Dominanz erlangte, wurde der Mithraismus als heidnischer Kult verfolgt. Viele Mithräen wurden in christliche Kirchen umgewandelt, z.B. steht auch der Petersdom in Rom auf den Fundamenten eines Mithräums.

Table of contents
1 Weblinks
2 Mithrasdenkmäler
3 Literatur

Weblinks


Mithra oder Mithras war im Altertum, bevor der Kult des Ormuzd aufkam, wahrscheinlich der höchste Gott der Iranier, wie der Mitra der stammverwandten Inder, ein Sonnen- und Lichtgott. An ihn wendet sich eins der schönsten und längsten der alten im Zendavesta erhaltenen Opfergebete, der "Mihiryascht", worin er teils als Naturgottheit geschildert wird, die ihren Sitz aus der Hara Berezaili ("hoher Berg") im Osten hat und von dort aus täglich den Menschen das Licht bringt, teils metaphorisch gefaßt erscheint.

Als die Sonne, die alles sieht, ist Mithra allwissend und der Schützer der Wahrhaftigkeit in Gedanken, Worten und Werken, insbesondere der Verträge, die, wie er, mithra heißen. Als gewaltiger Kämpfer gegen die Dämonen der Finsternis fährt er auf seinem mit weißen Rossen bespannten Sonnenwagen daher und verleiht den Gerechten Sieg und Heil in ihrem Kampf wider die Bösen.

Von Ostiran verbreitete sich der Mithrakultus während der Herrschaft der Perser über ganz Vorderasien und seit etwa 70 v. Chr auch über den Okzident, wo man ihn mit dem Sonnengott identifizierte.

Dargestellt ist er (z. B. auf Reliefs im Louvre zu Paris und in Karlsruhe) als Jüngling mit phrygischer Mütze, auf einem niedergeworfenen Ochsen knieend, dem er einen Dolch in den Hals stößt.

Die Mithramysterien (Coracia) wurden von den Römern zur Zeit des Frühlingsäquinoktiums in Grotten gefeiert, in deren Innerm Embleme angebracht waren, welche die Konstellationen der Gestirne, die verschiedenen Zonen, die Fixsterne und Planeten, die Zeichen des Tierkreises, die Elemente, den Weg der Seele durch die Sonne und die Planeten etc. andeuten sollten.

Die Gebräuche, welche bei der Einweihung in diese Mysterien vorkamen, symbolisierten den Kampf der Mithradiener gegen Ahriman (den "bösen Geist") und seine Diener und bestanden demgemäß in einer Stufenfolge von Prüfungen, die stets härter wurden und sich bis zur Lebensgefährlichkeit steigerten. Nach der damals bekannten Anzahl der Planeten gab es sieben Grade, deren jeder seine eigenen Lehren und Gebräuche hatte. Früher herrschte bei der Feier dieser Mysterien Frohsinn und Lust, später rigorose Strenge und Kasteiung.

Aus dem ehemaligen Mithradienst haben sich noch Gebräuche in der armenischen Kirche erhalten.

Mithrasdenkmäler

Literatur