Neuapostolische Kirche

Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine christliche Gemeinschaft, die weltweit rund 10,6 Millionen Anhänger hat (Stand: 31.12.2003) und in Deutschland mit etwa 382.800 Mitgliedern(2002) die drittstärkste Einzelkirche und (nach der Orthodoxen Kirche) die viertstärkste christliche Konfession ist.

Table of contents
1 Entstehung
2 Besonderheiten
3 Organisation weltweit
4 Struktur in Deutschland
5 Weitere kirchliche Einrichtungen
6 Theologie
7 Ökumene
8 Logo
9 Sonstiges
10 Weblinks

Entstehung

In den 1830ern glaubte man in der katholisch- apostolischen Kirche, mit der Berufung von zwölf neuen Aposteln auf die erwartete Wiederkunft Christi vorbereitet zu sein. Die Gruppe geriet aber 1855 nach dem Tod dreier Apostel in eine Krise, aus der 1863 in Hamburg zunächst die "Allgemeine christlich apostolische Mission" und später die "Neuapostolische Gemeinde" hervorging (seit 1907 offizielle Bezeichnung, seit 1930 "Neuapostolische Kirche"). Es kam zu wiederholten Abspaltungen. Beispiele sind (in Deutschland) der "reformiert-apostolische Gemeindebund", die "Apostolische Gemeinschaft" und die "Apostolische Gemeinde des Saarlandes".

Besonderheiten

Organisation weltweit

Der Hauptsitz der Dachvereinigung NAKI (Neuapostolische Kirche International) befindet sich in
Zürich; neben dem zur Zeit dort wohnenden Stammapostel gibt es weltweit mehr als 300 Bezirksapostel und Apostel. Die Zahl der Gemeinden wächst aufgrund der engagierten Missionststätigkeit vor allem in Afrika stetig an, so dass die Kirche heute dort über 75 % ihrer Mitglieder hat. Die Leitung der Kirche hat zur Zeit der Schweizer Richard Fehr inne, der gleichzeitig das Stammapostelamt trägt.

Struktur in Deutschland

Es gibt derzeit keine zentrale Kirchenverwaltung in Deutschland. Sechs Gebietskörperschaften (sogenannte Bezirksapostelbereiche) existieren: Die Funktion des Gebietspräsidenten wird von einem Bezirksapostel ausgeübt. Auf lokaler Ebene sind zwischen etwa 10 und 30 Gemeinden zu einem Bezirk zusammengefaßt; etwa die gleiche Zahl von Bezirken bildet den Bezirksapostelbereich. In der Regel betreuen ein Apostel und ein Bischof administrativ gemeinsam drei bis sechs Bezirke.

Weitere kirchliche Einrichtungen

Der kircheneigene Verlag Friedrich Bischoff hat seinen Sitz in Frankfurt/Main. In Bielefeld befindet sich die zentrale Hostienbäckerei für Europa.

Theologie

Kernpunkte der neuapostolischen Lehre sind der Glaube an das wiederaufgerichtete Apostelamt und die Naherwartung der Wiederkunft Jesu. Grundlage ist die Bibel (im deutschsprachigen Raum z.Zt. die Übersetzung von Martin Luther, Überarbeitung von 1984, im englischen Sprachraum die King James Version). Die Liturgie der Neuapostolischen Gemeinde enthielt (bis etwa 1885) starke Elemente der katholischen und anglikanischen Kirchen. Eine grundlegende Reform reduzierte die liturgischen Elemente und schaffte so große Ähnlichkeit zum protestantischen Ritus. Das Abendmahlsverständnis entspricht etwa dem der evangelischen Kirchen. Daneben gibt einige Parallelen zu den Mormonen, etwa die Totentaufe. Die neuapostolische Taufe wird von den beiden großen Kirchen anerkannt. Umgekehrt erkennt die neuapostolische Kirche ebenfalls jede trinitarisch vollzogene Taufhandlung an. Zusätzlich wird von der neuapostolischen Kirche einmalig an jedem Mitglied das Sakrament der Versiegelung vollzogen. Die Taufe bedeutet im neuapostolischen Verständnis Befreiung von der "Erbsünde", die Versiegelung wird als erneute Ausgießung des heiligen Geistes verstanden und kann nur von einem Apostel durchgeführt werden.

Ökumene

Die Neuapostolische Kirche ist weder im Ökumenischen Rat der Kirchen, noch im ACK vertreten und arbeitet auch nicht in der Evangelischen Allianz mit. Von daher besteht weder die Möglichkeit des gemeinsamen Abendmahls noch der ökumenischen Trauung zwischen den Gemeinschaften im Ökumenischen Rat der Kirchen und der NAK. In letzter Zeit gab es im süddeutschen Raum Sondierungsgespräche zwischen der NAK Süddeutschland und dem ACK Baden-Württemberg. Außerdem werden Gespräche mit einigen kleineren Religionsgemeinschaften geführt, die sich aus Abspaltungen der NAK entwickelt haben.

Logo

Das Logo der Neuapostolischen Kirche ist in weiß auf blauem Grund gehalten. Ein Kreuz schwebt über stilisierten Wellen; am Horizont formen das Kreuz, die Wellen und zehn Strahlen eine aufgehende Sonne. (siehe www.nak.de)

Sonstiges

Mit der beginnenden Öffnung der Kirche hat sich auch das kulturelle Leben in der NAK entwickelt. Mittlerweile gibt es neben traditionellen Kirchenchören, die für ihre besondere Qualität bekannt sind, progressivere Musikgruppen und Ensembles, die auch zunehmend im außerkirchlichen Bereich auftreten. Teile der umfangreichen neuapostolischen Musikliteratur werden derzeit überarbeitet. (Die Standardwerke Gesangbuch, deutsche Chormappe und Jugendliederbuch umfassen über 1200 Stücke). Für 2005 ist ein neues Gesangbuch angekündigt, dass das derzeit verwendete von 1928 ersetzen soll. Im Internet hat sich inzwischen das Präfix "nak-" für Bezirks- und Gemeindeseiten, Gruppen und Organisationen innerhalb eingebürgert. Es existieren neuapostolische Linklisten (www.nak-links.de,www.prmedia.de/kwesi/links.html), Chaträume, Kleinanzeigenseiten und vieles mehr.

Weblinks