Niers

Die Niers ist ein Fluss am linken Niederrhein. Die Niersquelle liegt im Stadtteil Kuckum von Erkelenz, 80 m über NN. Die Länge der Niers beträgt ca. 116 km, sie verläuft parallel zum Rhein größtenteils auf der deutschen Seite der deutsch-niederländischen Grenze durch die Kreise Viersen und Kleve. Die letzten 8 km bevor sie kurz unterhalb von Gennep in die Maas mündet, verläuft sie in den Niederlanden. Ihr Einzugsgebiet wird von 715.000 Menschen bewohnt und beträgt ca. 1382 km². Das Gefälle beträgt im Oberlauf ca. 60 cm pro Kilometer, im Mittel- und Unterlauf ca. 25 bis 30 cm pro Kilometer, womit die Niers ein typischer Flachlandfluss ist. Die Fließgeschwindigkeit liegt im Normalfall bei ca. 2 Kilometern pro Stunde.

In ihrem Verlauf fließt sie durch Rheydt, Mönchengladbach, Korschenbroich, Willich, Viersen, Grefrath, Wachtendonk, Geldern, Kevelaer, vorbei an Schloss Wissen, weiter durch Weeze und Goch, quert auf dem Weg ins niederländische Gennep die Grenze, und mündet hinter Gennep in die Maas.

24 Klärwerke führen der Niers ihre Abwässer zu, jährlich etwa 83 Millionen m³, die im Sommer häufig einen Großteil der Wassermenge ausmachen und damit auch die Wasserqualität bestimmen. Weiterhin nimmt die Niers eine große Menge Mischwasser aus der Kanalisation auf. Zudem gibt es eine starke

landwirtschaftliche Nutzung im Einzugsgebiet, die auch zur Gewässerbelastung beiträgt. Verursacht dadurch ist die Niers immer noch einer der am stärksten belasteten Flüsse in Nordrhein-Westfalen.

Im Einzugsgebiet der Niers werden wiederum ca. 65 Millionen m³ Grundwasser zu Trink- oder Brauchwasserzwecken aufbereitet.

Südlich der Quelle wird Braunkohle im Tagebaugruben gewonnen. Damit einher geht eine massive Absenkung des Grundwassers, die auch die Niers betreffen kann.

Table of contents
1 Nebenflüsse und Kanäle (von der Quelle zur Mündung)
2 Geschichte
3 Literatur
4 Weblinks

Nebenflüsse und Kanäle (von der Quelle zur Mündung)

Die Nette hat eine Länge von ca. 28 km und ein Einzugsgebiet von etwa 180 km². Sie verläuft durch die Krickenbecker Seen und mündet bei Wachtendonk in der Niers.

In Geldern zweigt der Nierskanal ab, der über die deutsch-niederländische Grenze verläuft und nördlich von Arcen en Velden in der Maas endet. (dient als Hochwasserschutz der unteren Niers, Baujahr ca. 1777?). Der Nierskanal benutzt teilweise das ehemalige Bett der Fossa Eugeniana (?). Ebenfalls in Geldern mündet die nach dem Ort benannte Gelderner Fleuth, die eine Länge von etwa 27 km und ein Einzugsgebiet von ca. 170 km² hat, in die Niers. Die Issumer Fleuth mit einer Länge von 29 km und einem Einzugsgebiet von ca. 120 km² mündet bei Kevelaer in die Niers.

Die Kendel entspringt bei Weeze, ist ca. 25 km lang und mündet an der deutsch-niederländischen Grenze bei Hommersum in die Niers. Das Einzugsgebiet der Kendel beträgt ca. 25 km².

Geschichte

Das bis zu 500 Meter breite Tal, in dem die Niers heute verläuft ist ein vom Rhein geschaffenes Tal. Dieser wurde vor ca. 200.000 Jahren bei der vorletzten Eiszeit (Saale-Eiszeit) von den bis zu den Schaephuysener Höhen reichenden Gletschern weiter nach Westen verdrängt. Man kann noch heute an den bis zu 2 Meter hohen Terrassenkanten der Niersauen die Abgrenzungen des damals entstandenen Urstromtals erkennen.

Die Niers ist im Verlauf der letzten Jahrhunderte stark begradigt und mit Wehren versehen worden. Zum Betrieb der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Mühlen wurde der Flusslauf teilweise auch verlegt, um Fallhöhe für die Mühlräder zu gewinnen. Es entstanden so insgesamt 52 Mühlen am Lauf der Niers, auf die Länge gerechnet bedeutete das im Schnitt alle zwei Kilometer eine Mühle. Durch diese künstlichen Veränderungen der Niers gab es schon früh Hochwasser- und Überflutungsprobleme. Mit Einsetzen der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und die damit verbundene rasante Bevölkerungsentwicklung gab es außerdem noch zu Problemen mit Abwässern und Schlamm, da die Abwässer damals ja noch nicht geklärt wurden. Insbesondere die um die Gegend von Mönchengladbach ansässige Textilindustrie mit ihren Farb- und Gerbstoffen trug einen großen Anteil zu Verschmutzung bei. Die Niers entwickelte sich zu einem Abwasserkanal und die vorher vorhandene große Artenvielfalt der Fische, Pflanzen und Kleinlebewesen schwandt dahin.

Zur Regelung der Probleme an der Niers wurde dann 1927 von staatlicher Seite aus der Niersverband gegründet. Mit dem Bau von Kläranlagen ging die Gewässerbelastung dann langsam zurück.

Durch das gestiegene Umweltbewußtsein in der Bevölkerung (sicher auch durch die verheerenden Hochwasser in der Region unterstützt) finden in den letzten Jahrzehnten vermehrt Maßnahmen zur Verbesserung der Niers statt, da diese letztlich auch für die Menschen Verbesserungen bringen. In den 1990er Jahren wurde damit begonnen Teile des Flussverlaufs zu renaturieren. Einige Fischarten sind inzwischen wieder heimisch geworden.

Der Wert der Niers als Naherholungsgebiet wurde in diesem Zuge auch stark verbessert, in dem parallel zu den Renaturierungsmaßnahmen Rad- und Wanderwege auf langen Strecken an den Ufern angelegt wurden (noch nicht beendet). Auch ist die Niers auf weiten Strecken mit Paddelbooten befahrbar, und bietet dabei ungewohnte und schöne Ansichten des Niederrheins.

Literatur

Weblinks