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Die Überlieferungen über die Anfangszeit der Osmanen sind nur begrenzt, wohl weil es sich um ein kleines
unter vielen Fürstentümer handelte, die es nach der Zerschlagung des Seldschuken-Reiches in Kleinasien
gab. Der Namensgeber Osman I war zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Herrscher über einen
nomadischen Stamm bei Söğüt im nordwestlichen Anatolien, der von türkmenischer
Herkunft und islamischen Glaubens war. Osman starb 1326 und hinterließ seinen Sohn
Orhan ein Fürstentum, das fast halb so groß wie die Schweiz war. Er eroberte die byzantinische Stadt Brusa, die bis zur Eroberung Konstantinopels die Grablege der
Oberhäupter der Osmanen blieb.
Das Byzantinische Reich befand sich zu dieser Zeit im Niedergang, so dass die Ausdehnung auf die
europäische Seite des Marmarameers nicht schwerfiel, angefangen mit Gallipoli 1354. Auch in
Kleinasien gab es im gleichen Jahr mit Ankara Zugewinne. Nach Orhans Tod 1360 hatte das Reich mehr
als die dreifache Größe als bei Osmans Tod. Im folgenden Jahr gelang die Einnahme Adrianopels
(Edirne), der zweitgrößten byzantinischen Stadt, es folgte der Übergriff auf Mazedonien (1371).
1389 gelang Murad I in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg gegen die verbündeten Armeen
der Serben, Bosnier, Bulgaren und Albaner, der das Ende der Unabhängigkeit des Großserbischen Reiches bedeutete.
Wenn auch in gleichzeitig in Kleinasien sowohl durch Krieg als auch durch Heirat Zugewinne stattfanden,
war inzwischen der europäische Teil des Reiches der wichtigere geworden. So wurde ab 1385 die
militärische Führung einem "Beylerbey von Rumelien" (Rumelien bezeichnete den europäischen Teil) und einem
"Beylerbey von Anatolien" überantwortet, wobei ersterer den Oberbefehl hatte. Viele der charakteristischen
Merkmale des Osmanischen Reiches hatten sich zu dieser Zeit schon herausgebildet. Aus den eroberten
Gebieten wurden den Kriegern Pfründen – Timar genannt – gegeben; im Gegenzug mussten sie
als Spahis in der Kavallerie des Heer dienen. Dieses System unterschied sich signifikant vom
europäischen Lehnswesen des Mittelalters, insbesondere gab es keine Leibeigenschaft. Als stehendes
Heer wurde die wichtige Infanterie von den Janitscharen gestellt, die vor allem aus der
Knabenlese auf dem Balkan gewonnen wurden und eine hervorragende Ausbildung genossen.
Dem Sultan Murad I., der auf dem Amselfeld durch einen Attentäter getötet worden war, folgte Bayezid I nach, der sich bald daran machte, Konstantinopel zu erobern, was allerdings zu dieser Zeit noch nicht
gelang; Byzanz wurde aber zu Tributzahlungen verpflichtet. 1396 mussten sich die Osmanen einem
Kreuzfahrerheer unter Kaiser Sigismund stellen, das in der Schlacht von Nikopolis
vernichtend geschlagen wurde.
Eine erste Existenzkrise musste das Osmanische Reich durchstehen, nachdem sein Heer in der Schlacht gegen
Timur Lenk 1403 vernichtend geschlagen wurde, bei der Bayezid in Gefangenschaft geriet. Der
"Tatare" hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Georgien und Persien bis
Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel. Die Verwaltung der Gebiete des
Osmanischen Reichs hatte er an die Söhne Bayezids, Süleyman (Rumelien), Mehmed
(Zentralanatolien mit Amasya) und Isa (anatolischer Teil um Bursa) gegeben. Diese kämpften im folgenden um
die Vorherrschaft sowohl um die an Timur verlorengegangen Gebiete als auch gegeneinander um die
Vorherrschaft. In den Kämpfen zwischen den Brüdern wurde Süleyman von einem weiteren Bruder, Musa,
1410 geschlagen, dem wiederum Mehmed 1413 mit Unterstützung Byzanz' eine Niederlage beibrachte.
Mehmed stellte sich als Sultan des wiedervereinigten Reichs in den folgenden Jahren der Herausforderung,
das Land zu konsolidieren und gleichzeitig die alte Größe wiederherzustellen.
Auch die Thronbesteigung Murads II lief nicht reibungslos ab. Kurz vor Mehmeds Tod machte
ein Mustafa als angeblicher Sohn Bayezids Ansprüche geltend. Wahrscheinlich war er ein echter Sohn, er
wurde aber von Mehmed als "falscher Mustafa" diffamiert. Sowohl er als auch ein Bruder Murads (der auch
als "kleiner Mustafa" bezeichnet wird), der von Byzanz als Thronprätendent aufgebaut wurde, wurden
hingerichtet. Bei dieser Gelegenheit musste wiederum ein Belagerungsversuch Konstantinopels abgebrochen
werden.
In Südosteuropa war Ungarn zum Hauptgegner geworden. 1440 konnten es die Einnahme der wichtigen
Festung in Belgrad abwenden. Vor allem Johann Hunyadi gelangen immer wieder militärische Erfolge,
obwohl seine und die Versuche des Papstes, ein Kreuzfahrerheer zur Vertreibung der Türken aus Europa
zusammenzurufen, in West- und Mitteleuropa kaum Gehör fand. Drei Jahre später konnte er sogar nach
Bulgarien vordringen. Auch die Albaner unter Skanderbeg führten einen Unabhängigkeitskampf. Aufgrund
der Situation schloß Murad 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Friedensvertrag ab, der jedoch sogleich
von Ungarn gebrochen wurde, um einen vom Papst initiierten Feldzug durchzuführen. Murad hatte gerade die
Macht an seinen Sohn Mehmed abgegeben und sich zurückgezogen, trat nun aber wieder an die
Spitze des Heers, das die Kreuzfahrer in der Schlacht von Varna vernichtend schlug. Abermals musste er
1446 die Macht für den unerfahrenen Nachfolger übernehmen, um einen Janitscharenaufstand
niederzuschlagen, und fügte 1448 den Ungarn unter Hunyadi im Kosovo (nach 1389 die zweite Schlacht auf
dem Amselfeld) eine schwere Niederlage zu.
Mehmed bestieg 1451 endgültig den Thron und bereitete sofort die Einnahme von Konstantinopel, dem
"goldenen Apfel", vor. Dieses Ereignis ist oft als Zäsur in der Geschichte verstanden worden, als Ende des
Byzantinischen Reichs und Ende des Mittelalters. Tatsächlich hatte Byzanz
jedoch zu dieser Zeit kaum noch Macht und beschränkte sich auf kaum mehr Gebiet als die (wenn auch
wichtige) Stadt Konstantinopel. Byzanz war Mehmed aber auch ein Dorn im Auge, weil es mit Orhan einen
osmanischen Thronprätendenten aufstellte. Im Fall des "falschen" Mustafa hatte ein ähnliches Verhalten zum
Bürgerkrieg geführt. Konstantinopel fiel nach 54tägiger Belagerung am 29. Mai 1453. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee Ayasophya. Nach den für diese Zeit üblichen Plünderungen wurde die Stadt die
neue Hauptstadt des osmanischen Reichs, und man versuchte, die alte Bevölkerung – wie Griechen und
Juden – zum Dableiben zu bewegen und neue dort ansiedeln. Als letztes Überbleibsel byzantinischer
Staatlichkeit wurde 1460 das Kaiserreich Trapezunt unterworfen.
Auf dem Balkan tat man sich schwerer. 1456 konnte Hunyadi die Eroberung Belgrads abwenden und sicherte
die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten siebzig Jahre. Allerdings eroberte Mehmed bis 1459 den
Peloponnes und den Rest Serbiens. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu.
1481 bestieg Bayezid II den Thron, unter dem sich der Expansionsdrang des Reichs abschwächte.
Eine Rolle spielte dabei sein Bruder Cem, der vom Papst als Geisel gegen ihn eingesetzt wurde. Bayezid
selbst wurde 1512 von seinem Sohn Selim abgesetzt und wohl vergiftet. Selim setzte vor
allem im Osten die Eroberungsfeldzüge fort. 1514 gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien,
1516 gegen Syrien. Schließlich wurde 1516/17 das Mameluken-Reich in Ägypten zerschlagen. Damit
wurde das Osmanische Reich Hüter der heiligen Stätten des Islam und der in jeder Hinsicht wichtigste
islamische Staat.
Es erreichte seinen Höhepunkt unter Suleiman dem Großen im 16. Jahrhundert, als
es sich vom Persischen Golf im Osten bis nach Ungarn im Nordwesten ausdehnte und
von Ägypten im Süden bis zum Kaukasus im Norden.
1683 unternahm das Osmanische Reich nochmal einen Versuch, Wien zu erobern (siehe Zweite Türkenbelagerung). Was aber schon in der Blütezeit des Reiches 150 Jahre vorher nicht gelang,
wurde nun im Feldzug Kara Mustafas zum Desaster und zum Wendepunkt der Auseinandersetzung mit den
europäischen Staaten. Nachdem in dieser Niederlage die militärischen Schwächen der Osmanen offenbar
geworden waren, begann im folgenden Jahr eine vom Papst initiierte Heilige Allianz aus Habsburg,
Venedig und Polen einen Angriff auf das Osmanische Reich an mehreren Fronten. In
mehreren schweren Niederlagen bei Slankamen (1691, Mohács (1687) und Senta (1697) mussten im
Frieden von Karlowitz der Verlust von Ungarn, Dalmatien, Podolien und der Peloponnes
festgeschrieben werden. Als neuer Gegner an der Nordgrenze kam Russland ins Spiel. Ein wichtiges Ziel
von Peter I war ein Zugang zum Schwarzen Meer, den er 1695 mit Asow bekam.
Die äußeren Probleme zogen im Probleme im Inneren nach sich. 1687 war Mehmed IV wegen der
militärischen Niederlagen abgesetzt worden. 1703 kam es zum blutigen "Vorfall von Edirne", in dem
Aufständische den Scheichülislam Feyzullah Efendi ermordeten und Sultan Mustafa I absetzten.
Obwohl das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive geriet, war es noch immer militärisch sehr potent.
1711 schlug es das russische Heer vernichtend am Pruth und besetzte den Hafen Asow. Im nachhinein ist
unklar, warum dieser Sieg nicht weitergehend ausgenutzt wurde. Nachdem der moldauische Woiwode Dimitri Cantemir nach Russland übergelaufen war, besetzten die Osmanen die Hospodaren-Ämter in Moldau und
Walachei bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit Griechen aus dem Phanar-Viertel in Konstantinopel, die
schon lange Zeit als Übersetzer in der Polik eine wichtige Rolle gespielt hatten. In den
Donaufürstentümern wird diese Epochse als Phanarioten-Herrschaft bezeichnet. Auch gegen Venedig war
man erfolgreich und erlangte 1715 den Peloponnes zurück.
1736 begann Russland in einem Bündnis mit Österreich einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Nach
Anfangserfolgen ging 1739 auch dieser Krieg zugunsten der Osmanen aus, und durch den Frieden von
Belgrad erhielten sie Nordserbien und die kleine Walachei zurück. Hierbei hatte auch eine Rolle gespielt,
dass die Türken ihre Artillerie mit französischen Beratern wie Ahmed Pascha, dem [[Bonneval|Comte de
Bonneval]] modernisiert hatten. Im ganzen war in den teuren und verlustreichen Kriegen der vergangenen
drei Jahrzehnten keine wesentlicher Änderung des Territoriums zu verzeichnen. Nach dem türkisch-russischen
Krieg folgte eine Friedensperiode von nie dagewesener Dauer.
In dem Krieg 1768 bis 1774 gegen Russland musste das Osmanische Reich endgültig arkennen, dass es seine Großmachtstellung verloren hatte. 1770 verlegte Russland eine Flotte aus der Ostsee ins Mittelmeer und vernichtete die vor Anker liegende osmanische Flotte. Im Frieden von Küçük Kaynarca mussten die Osmanen das Krim-Khanat in die Unabhängigkeit entlassen (es wurde aber schon nach wenigen Jahren eine russische Provinz); Teile des Nordkaukasus gingen an Russland, die Bukowina an Österreich.
Keine der beiden Seiten hatte die Absicht, es lange dabei zu belassen. Katharina II entwarf ihr sogenanntes "Griechisches Projekt", in dem das Byzantische Reich als russischer Vasall wiederauferstehen sollte und die übrigen Teile des Osmanischen Reichs zwischen Österreich, Venedig und Russland aufgeteilt werden sollten, an dem diese Alliierten jedoch wenig Interesse zeigten. 1783 annektierte Russland die Krim und begann mit deren wirtschaftlichen Aufbau. Vier Jahre später fand die berühmte Inspektionsreise mit Grigori Potjomkin statt, eine offenbare Machtdemonstration. Die Osmanen, die ohnehin darauf aus waren, ihre Verluste vom vorigen Krieg rückgängig zu machen, erklärten im gleichen Jahr nach verschiedenen Streitigkeiten den Krieg. Nach Anfangserfolgen der Schwarzmeerflotte mussten sie jedoch 1791 im Frieden von Jassy abermals Gebietsverluste hinnehmen, darunter Gebiete zwischen Dnjepr und Bug.
Selim III zog aus den Niederlagen Lehre und führte umfassende Reformen in der Verwaltung und im Militär durch. Parallel zu den Janitscharen versuchte er mit Hilfe europäischer Berater eine neue Truppe, die nizam-i cedid, aufzubauen. Seine geplante allmähliche Überführung der Janitscharen in das neue Korps führte jedoch zu Aufständen, die 1807 in seiner Absetzung gipfelten. Es folgten dramatische Ereignisse. Sein Cousin Bayraktar Mustafa marschierte mit seinen Truppen in Konstantinopel ein und plante, Selim wieder als Sultan einzusetzen. Er kam jedoch zu spät, da Selim bereits erdrosselt worden war. Es blieb ihm also nur, den von den Janitscharen eingesetzten Mustafa III durch Mahmud II zu ersetzen, der einer Ermordung nur knapp entkommen war. Mahmud setzte Bayraktar Mustafa als Großwesir ein und folgte einem Reformkurs, wobei er vermied, mit den Janitscharen direkt in Konflikt zu kommen. Schon im nächsten Jahr kam es wieder zu Aufständen. Um zu verhindern, dass er wieder zugunsten Mustafas gestürzt würde, ließ Mahmud seinen Bruder ermorden. Der in Bedrängnis geratene Großwesir sprengte sich in einem Pulvermagazin in die Luft.
In Ägypten riss der Statthalter Muhammad Ali Pascha allmählich die Macht an sich und ließ die einflussreichen Mamlukenemire systematisch liquidieren. Mit Hilfe von Reformen war Ägypten bald in vielerlei Hinsicht bald der Zentrale in Konstantinopel überlegen. Muhammad Ali begründete die Chediven-Dynastie, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ende fand.
Ein das ganze 19. Jahrhundert durchziehendes Problem war der Nationalismus der besetzten Staaten. Zunächst erhoben sich 1806 die Serben; bis 1830 erhielten sie eine weitgehende Autonomie. Auch die Phanariotenherrschaft in den Donaufürstentümern fand 1826 ein Ende.
In den 1820er Jahren gewann die von den Europäern unterstützte Unabhängigkeitsbewegung in Griechenland an Dynamik. Ein besonderes Problem in diesem Falle stellten die einflussreichen Griechen in der osmanischen Verwaltung dar, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten. Im Krieg von 1826 war Mahmud gezwungen, die Truppen des gehassten Muhammad Ali zu Hilfe zu rufen. 1830 wurde das Osmanische Reich gezwungen, Griechenland in die Unabhängigkeit zu entlassen.
An diesem Beispiel zeigte sich, wie das Osmanische Reich immer mehr zum Spielball der Mächte wurde. Die sogenannte "Orientalische Frage" wurde ein Dauerthema der Diplomatie. Russlands Interesse bestand in einem freien Zugang zum Mittelmeer über das Schwarze Meer und die Dardanellen. Auf dem Balkan brachte es sich als Schutzmacht der dortigen orthodoxen Christen ins Spiel. Österreich sowie England und Frankreich sahen die Gefahr des russischen Expansion und tendierten eher dazu, ein schwaches Osmanisches Reich aufrechtzuerhalten.
Im 17. Jahrhundert zerfiel es langsam und wurde schließlich vier Jahre nach der Niederlage des Reiches
von den Verbündeten im Ersten Weltkrieg 1919 zerstört.
Siehe auch: Liste der Sultane des Osmanischen Reichs, Geschichte der Türkei, Türkenkriege, Byzantinisches ReichGeschichte
Niedergang
Russisch-türkische Kriege
Reformen
Nationalismus