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Peter Albert David Singer (* 1947 in Melbourne, Australien) ist ein zeitgenössischer australischer Philosoph und Ethiker.
Singers ethischer Ansatz lässt sich dem Utilitarismus zurechnen; das entscheidende Kriterium für die Richtigkeit einer Handlung besteht darin, dass die Präferenzen der Betroffenen möglichst weitgehend erfüllt werden.
Er wendet sich vor allem gegen einen "Speziesismus", dem zufolge die Zugehörigkeit eines Lebewesens zur menschlichen Gattung (Spezies) allein bereits von moralischer Relevanz ist. Dies führt dazu, dass einerseits nicht-menschliche Wesen (höher entwickelte Tiere) moralische Berücksichtigung verdienen und dass andererseits nicht-bewussten menschlichen Lebewesen kein uneingeschränktes Lebensrecht zukommt. Entsprechend hält Singer die Tötung schwerstbehinderter Säuglinge grundsätzlich für legitim, und löst damit Kontroversen aus.
Peter Singer gilt aufgrund seines 1975 erschienenen Buchs Animal Liberation als Begrüder der modernen Tierrechtsbewegung (Animal Rights Movement). Das Recht der Tiere auf ein leidensfreies Leben hält er nur durch einen konsequenten Veganismus erreichbar.
Sein einflussreichstes und umfassendstes Buch, Practical Ethics (1979, unternimmt eine detaillierte Untersuchung, warum und wie Interessen abzuwägen seien. Ein Kernpunkt ist die These, dass die Interessen eines Individuums in erster Line nach den spezifischen Eigenschaften, nicht aber nach der Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu bewerten seien. Demnach ist das Recht der Unversehrtheit des Individuums auf seiner Fähigkeit zu leiden begründet, und das Recht auf Leben in der Fähigkeit, für die Zukunft zu vorherzusehen und zu planen. Da Säuglingen und vielen Behinderten die zweite Fähigkeit (nicht aber die erste) fehle, rechtfertigt Peter Singer die schmerzlose Euthanasie genannter Individuen sowie Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten Umständen. Mit Aussagen wie
Peter Singers Ansichten sind weltweit kritisiert worden, vor allem, da Singer in keiner Weise die Lebensqualität eines behinderten Menschen einschätzen könne. In Deutschland haben seine Thesen angesichts der im Dritten Reich durchgeführten Programme zur Euthanasie "lebensunwerten Lebens" zu besonders deutlichem Widerspruch geführt. Singer selbst versteht diese Angriffe als eine Folge der christlichen Lehre, die Menschen und Tiere weit auseinanderrücke, Menschen eine Seele zuspreche, Tiere aber als seelenlose Dinge betrachte.
Singers ethische Grundlagen werden von vielen Philosophen geteilt; er ist allerdings einzigartig in seiner expliziten Darstellung der möglichen Schlussfolgerungen, und riskiert auch den Konflikt, anstatt unliebsame Aussagen in Euphemismen zu verbergen. Die von ihm aufgeworfenen Kontroversen führt er auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und ein mangelndes Gesamtverständnis seiner Thesen zurück. Daher hat er versucht, in Writings on an Ethical Life seine Ansichten knapp, aber vollständig zusammenzufassen.
In seinem eigenen Umfeld sah Peter Singer sich der Erkrankung seiner Mutter an Alzheimer ausgesetzt. Obwohl sie nach seiner eigenen These im Spätzustand der Krankheit keine Person mehr war, befürwortete er keine Euthanasie; diese Haltung wird ihm von seinen Kritikern als "Messen mit zweierlei Maßstab" vorgeworfen.
Peter Singer hält es für nicht akzeptabel, dass Menschen an vermeidbarem Hunger oder Krankheit sterben, während andere im Überfluss leben; daher solle jeder, der dazu in der Lage sei, 10% seines Einkommens zur Bekämpfung des Hungers in der Welt (oder vergleichbarer Zwecke) spenden. Der entstehende Nutzen wiege den vergleichsweise geringen Verlust des Gebers auf. Er selbst führt 20-30% seines Einkommens an Oxfam und UNICEF ab.
Peter Singer hatte einen Lehrstuhl für Philosophie an der Monash University in Melbourne, Australien und ist Gründer des Centre for Human Bioethics. 1996 kandidierte er erfolglos für die Grüne Partei um einen Sitz im australischen Senat. 1999 wurde er als Professor für Bioethik ans Center for Human Values der Princeton University berufen.
Peter Singers Bewertung von Tieren führt ihn auch zu einer Neubewertung sexueller Kontakte zwischen Menschen und Tieren. Solange solche gegenseitig zufriedenstellend seien, hält er sie für akzeptabel. Gesellschaftliche Tabus derselben führt er auf ein Statusdenken zurück, das die Würde des Menschen durch die Begegnung mit dem Tier verletzt.
Peter Singers Schriften
Weblinks