Plattentektonik

Die Plattentektonik ist als grundlegende Theorie der Geologie die weiter entwickelte Kontinentalverschiebungs-Theorie von Alfred Wegener. Durch sie wird versucht, Naturerscheinungen wie Erdbeben, Gebirgsbildung, Vulkanismus, Subduktion (Abtauchen von ozeanischer Lithosphäre) und Spreizung (Auseinanderdriften von Erdplatten) zusammenhängend zu erklären.

Table of contents
1 Die Theorie
2 Plattenverschiebungen in der Erdgeschichte
3 Ursache der Plattentektonik
4 Geschichte der Theorie der Plattentektonik
5 Weblinks

Die Theorie

Nach der Theorie der Plattentektonik setzt sich die Erdoberfläche aus zehn großen und mehreren kleinen Lithosphärenplatten zusammen. Die zehn größten sind:

Die Platten behalten nicht stationär ihre Positionen bei, sondern verschieben sich laufend gegeneinander. Ihre Geschwindigkeit beträgt dabei in der Regel einige Zentimeter im Jahr - das entspricht der Wachstumsgeschwindigkeit eines Fingernagels. Sie können aber auch 10 bis 18 cm pro Jahr wandern, wie man am Auseinanderdriften des Meeresbodens im Bereich des ostpazifischen Rückens gemessen hat.

Größere und kleinere Verschiebungsvorgänge entlang der Plattengrenzen äußern sich oft als Erdbeben (siehe Seismologie) und bringen häufig die verschiedenen Formen des Vulkanismus hervor.

Plattenverschiebungen in der Erdgeschichte

Wir wissen, wie schnell und wohin sich die großen Platten derzeit bewegen und verschiedene Indizien erlauben uns, ihre Wege in der Vergangenheit zu rekonstruieren. Wegen ihrer Trägheit benötigen sie Dutzende von Jahrmillionen, um zum Stillstand zu kommen und noch länger, um ihre Bewegung umzukehren.

Verschiebungen in der Vergangenheit

Verschiebungen in der Zukunft

Alle geologischen Beobachtungen weisen darauf hin, dass die Platten weiter dynamisch sind. Leider lässt sich aus den aktuellen Bewegungen und denen der Vergangenheit nicht genau schließen, wie die Landmassen etwa in 100 oder 200 Millionen Jahren auf der Erdoberfläche verteilt sein werden. Die Veränderungen in den nächsten 10 bis 20 Millionen Jahren sind allerdings heute schon erkennbar.

So deuten alle Beobachtungen darauf hin, dass Afrika weiter Richtung Norden wandern und die Mittelmeerregion komplett umgestaltet wird, denn an die Stelle des Mittelmeers wird nach und nach eine Gebirgskette treten. Mitteleuropa könnte entlang des Rheins auseinander brechen.

Indien wird noch einige Zeit unter dem Himalaya abtauchen und vielleicht völlig unter Tibet verschwinden. Dafür werden im Norden die Erhebungen in der Mongolei weiter wachsen und schließlich wird sich eine ausgedehnte Gebirgskette bis zum Baikalsee vorschieben.

Große Veränderungen sind vor Australien zu erwarten, das rasch nach Norden driftet und sich wahrscheinlich unter die Sunda-Inseln schieben wird. Diese wachsen dann zu einer neuen Gebirgskette empor, die auf die Australische Platte aufgleitet.

In der Seenplatte im ostafrikanischen Rift Valley wird ein neuer Ozean entstehen, der sich mit dem Roten Meer vereint. Gleichzeitig wird sich eine neue kontinentale Platte von Afrika abspalten und nach Osten davondriften. Das Rift Valley wird dann einen neuen mittelozeanischen Rücken beherbergen.

Ursache der Plattentektonik

Unter Geophysikern wird z.Z. noch kontrovers diskutiert, welche Vorgänge im Erdinneren die Bewegung der Platten auslöst und vorantreibt.

Eine Schwäche dieser Theorie ist, dass die dreidimensionale Vorstellung eines Konvektionsstroms nicht selten der tatsächlich beobachtbaren Plattenbewegungen widerspricht.

Gegen diese Hypothese spricht zum einen das Fehlen eines konkreten Belegs für die Zunahme des Radius, zum anderen widersprechen diesem Modell die Erkenntnisse über Gebirgsbildungsprozesse.

  

Geschichte der Theorie der Plattentektonik

Als Vater der Plattentektonik gilt Alfred Wegener (1880-1930): In seinem 1915 veröffentlichten Buch Die Entstehung der Kontinente und Ozeane folgerte er aus der genauen Passung der Küstenlinien von Südamerika und Afrika, diese könnten Splitter eines ehemals größeren Kontinents gewesen sein, der in der erdgeschichtlichen Vergangenheit auseinandergebrochen war. Die Passung ist noch perfekter, wenn man nicht die Küstenlinien, sondern die Schelfränder, also die unter Wasser liegenden Teile eines Kontinents betrachtet. Daneben sammelte Wegener weitere Argumente:

Anhand von Kontinent bzw. Schelfgrenzen, Kontinuität von Scherzonen und Faltengürteln sowie der erdgeschichtlichen Verbreitung von Landtieren und -pflanzen konstruierte Wegener einen Superkontinent, den er Pangäa nannte.

Anfangs wurde Wegeners Theorie vor allem wegen der Unvorstellbarkeit einer Kraft zur Bewegung der riesigen Kontinentalplatten auf breiter Basis von seinen Kollegen abgelehnt. Sie fand erst in den 1960ern Akzeptanz, da beispielsweise die neue Technik der Satellitenaufnahmen einen direkten Nachweis der Kontinentaldrift (gerichtete Plattenverschiebung) ermöglichte. Diese Entwicklung stellte in der Geologie einen wichtigen Paradigmenwechsel dar, in stärkerem Maße auch die bisher unzugänglichen Ursachen der beobachteten Vorgänge zu hinterfragen.

Siehe auch: Riftzone

Weblinks





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