Revisionismus

Mit dem Begriff Revisionismus (v. lat.: re wieder; videre durchsehen; aus französ.: revisionisme etwas Festgelegtes in Frage stellen [1897]) wird, meist polemisch, das Bestreben eines Teiles einer Interessengruppe bezeichnet, von einer als gemeinsam und verbindlich anerkannten Grundlage abzugehen. Der Begriff kann je nach Zusammenhang unterschiedliche, teilweise sogar widersprüchliche Bedeutungen annehmen:

1. Politisch-pragmatischer Revisionismus
Revisionismus (als deutscher Begriff ab 1903 nachgewiesen) bzw. das revisionistische Abweichen wird in der Politik und Politikgeschichte in der Regel als die moderate, pragmatische und realitätsnahe Herangehensweise beim Durchsetzen der jeweiligen Ziele begriffen. Die dabei an den Tag gelegte Kompromissbereitschaft wird von der jeweils orthodoxeren Gruppe als Verrat beargwöhnt.

2. Politisch-ideologischer Revisionismus
Aber auch der Gegensatz zur genannten Position, das zugespitzt fundamentalistisch - ideologische, das intolerante und gewaltbereite Herangehen beim Durchsetzen des Programms kann als Revisionismus beschrieben werden. 3. Historisch-nationalsozialistischer Revisionismus
Mit "Revisionismus" bezeichnet man weiterhin in der deutschen Geschichte das Bestreben, insbesondere die historischen Fakten über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren, "revidieren" und zu verharmlosen.
4. Historisch-wissenschaftlicher Revisionismus
Andererseits werden auch wissenschaftliche Enthüllungen von konservativer Seite als Revisionismus angegriffen. So untersuchten US-Historiker die Rolle der USA im 1. Weltkrieg. Mit ihren Forschungsergebnissen revidierten und korrigierten sie ein bis dahin die USA schön färbendes interessengeleitetes Geschichtsbild. 5. Territorialer Revisionismus
Schließlich bezeichnet Revisionismus in der Geschichte der Politik das Bestreben, bestimmte, häufig als Folge von Kriegen beschlossene Gebietsänderungen und politische Einschränkungen rückgängig zu machen. Subjektives Blabla: Dabei stellen sich Vertreter dieses Revisionismus auf den Standpunkt, von der Mehrheit der Bevölkerung verfolgt oder ignoriert zu werden. So wird - gegen besseres Wissen - behauptet, die wissenschaftliche Forschung kümmere sich nicht um die Fakten der Vertreibung. Gleichzeitig werden von dieser Richtung hartnäckig Fakten ignoriert, die eine Gegenposition zur revisionistischen Position begründen. Die Verbrechen des Nationalsozialismus werden von diesen zwar nicht unmittelbar gebilligt, da sie aber eine (von mehreren) Ursache(n) für das Vorgehen der kommunistischen Regime gegen Deutsche nach 1945 waren, werden sie von diesen Kreisen totgeschwiegen. Ziel ist es, die Vertreibung der Deutschen als unprovoziertes, ungerechtfertigtes und in keiner Weise nachvollziehbares Verbrechen erscheinen zu lassen. Dadurch glaubt man, eine Rechtfertigung für Gebietsforderungen gegenüber mittel- und osteuropäischen Staaten in der Hand zu haben.

Ein Beispiel für Geschichtsrevisionismus: Die Jahre von 1933-1945 sind in einer Chronologie Preußens bewusst ausgelassen, um dadurch die Vertreibung von 1947 als ein Verbrechen erscheinen zu lassen, das ohne jede Motivation und Vorgeschichte begangen worden sei.





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