Selim II.

Selim II., genannt Mest ("der Trunkene") (* Mai 1524; † 12. Dezember 1574 in Konstantinopel) war 1566 bis 1574 Sultan des Osmanischen Reiches.

Selim war ein Sohn von Süleyman I und dessen Favoritin Roxelana und folgte seinem Vater auf dem Thron. Er war der erste Sultan, der völlig ohne militärische Tugenden war und überließ seine Macht bereitwillig seinen Ministern, vorausgesetzt, er konnte seinen Orgien und Ausschweifungen ungestört nachgehen. Zum Glück für sein Land wurde die Politik von dem fähigen Großwesir Mehmet Sokolli geführt, dem es zwei Jahre nach Selims Thronbesteigung gelang, in Konstantinopel einen ehrenhaften Friedensvertrag mit Maximilian II abzuschließen, in dem der Kaiser sich verpflichtete, jährlich ein "Geschenk" von 30.000 Dukaten an das Osmanische Reich zu zahlen (17. Februar 1568).

Gegen Russland war er weniger glücklich, und die erste Begegnung zwischen dem Osmanischen Reich und seinem zukünftigen nördlichen Rivalen gab ein Vorzeichen von den Katastrophen, die noch folgen sollten. In Konstantinopel war ein Plan erarbeitet worden, die Wolga und Don durch einen Kanal zu verbinden. Im Sommer 1569 wurde ein großes Janitscharenheer und Kavallerie losgeschickt, um Astrachan zu belagern und mit den Kanalarbeiten zu beginnen, während eine Flotte Azov belagerte. Ein Ausfall der Garnison von Astrachan drängte jedoch die Belagerer zurück; 15.000 Russen unter Knes Serebianov vertrieben die Arbeiter und die Tataren-Truppe, die zu ihrem Schutz geschickt worden war; schließlich wurde die osmanische Flotte von einem Sturm zerstört. Anfang 1570 schlossen die Abgesandten von Iwan dem Schrecklichen in Konstantinopel einen Vertrag, der die freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Sultan und dem Zaren wiederherstellte.

Feldzüge im Hejaz und Jemen waren erfolgreicher. Der Eroberung Zyperns 1571 folgte allerdings im gleichen Jahr die katrastrophale Niederlage in der Seeschlacht von Lepanto, deren moralische Bedeutung oft unterschätzt wird. Wenigstens war das Mittelmeer dadurch von den Piraten befreit, von denen es vormals geplagt worden war. Die osmanische Flotte konnte innerhalb kurzer Zeit wiederhergestellt werden. Sokolli war schon dabei, einen erneuten Angriff auf Venedig vorzubereiten, aber der Tod des Sultans 1574 setzte seinen Plänen ein Ende.

Es kann wenig gesagt werden über diesen degenerierten Sohn von Süleyman. Während der acht Jahre seiner Regierungszeit zog er das Klirren der Weinkelche dem Klirren der Waffen vor. Von seiner Mutter hatte zwar den ausschweifenden Geschmack, aber nicht ihre Skrupellosigkeit geerbt.

Vorgänger:
Suleiman II
(1520-1566)
Osmanische Sultane Nachfolger:
Murad III
(1574-1595)





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