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Am Beginn steht die Exposition. Sie stellt zunächst das erste Thema (in der Regel das Hauptthema) vor. Dieser Teil der Exposition wird Hauptsatz genannt. Das Hauptthema steht in der Grundtonart (Tonika) des Satzes. Es folgt das zweite Thema im so genannten Seitensatz. Es steht immer in einer anderen Tonart, häufig in der Dominante, nicht selten aber auch in der Subdominante, in der parallelen Dur-/Molltonart oder einer anderen verwandten Tonart. Sodann folgt meist die Schlussgruppe, die noch einmal das erste Thema bringt. Vor Beginn der Exposition kann eine kürzere oder längere Einleitung stehen. Die Exposition wird häufig wiederholt. Die klassische Lehre behauptet, dass das erste Thema meist einen männlichen, kraftvollen Charakter hat, das zweite dagegen einen weiblichen, lyrischen. Diese Regel wird in der Praxis jedoch häufiger gebrochen als eingehalten. Allerdings können die beiden Themen nicht selten - wenn auch bei weitem nicht immer - als gegensätzlich bezeichnet werden.
Nach der Exposition folgt die Durchführung. Hier werden die in der Exposition vorgestellten Themen musikalisch verarbeitet. Beispielsweise durch harmonische Veränderung, rhythmische Veränderung, Zerlegung von Motiven usw. Die Tonika wird gemieden, es wird bis in entferntere Tonarten moduliert (Modulation).
Mit der Wiederkehr des vollständigen Hauptthemas auf der Tonika setzt die Reprise ein. Es folgt das zweite Thema, in der Reprise nun ebenfalls auf der Tonika. Am Ende der Reprise wird nicht selten noch eine Coda angehängt, die Ausmaße von einem kurzen Anhängsel bis zu einer ausgewachsenen zweiten Durchführung haben kann.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts trat die Sonatenhauptsatzform einen wahren Siegeszug an. Die Entwicklungsmöglichkeiten des thematischen Materials sind weitaus vielseitiger als beispielsweise bei der zwei- oder dreiteiligen Liedform. Ein bedeutender Reiz bildet der Dualismus der beiden Themen, die - wiederum Gegensatz zur Liedform - gewissermaßen direkt gegeneinander und/oder miteinander auftreten. Der Reiz des Dualismus findet sich zwar in gewissem Maße auch in der Fuge, die auch eine Entwicklungsform ist, aber der Kontrapunkt bringt darin kein wirklich eigenständiges Thema. Im Gegensatz zur Fuge, die eine sehr strenge Form ist, ermöglicht die Sonatenhauptsatzform außerdem große Freiheiten. So gesehen passt der Siegeszug der Sonatenhauptsatzform hervorragend in das Zeitalter, in dem sich die bürgerlichen Freiheiten Bahn brachen.