Sozialdemokratie

Sozialdemokratie ist die Bezeichnung für eine politische Bewegung, die für eine auf Volkssouveränität beruhende Republik eintritt. Die Not der Unterschichten sucht sie durch Sozialgesetzgebung zu lindern. Bis etwa Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts gehörte auch die Verstaatlichung der Produktionsmittel zu den Zielen der Sozialdemokratischen Bewegung; ein Ziel, das in Deutschland mit dem Godesberger Programm der SPD 1959 aufgegeben wurde.

Der Begriff Sozialdemokratie und die entsprechenden Ableitungen sind in Deutschland durch die SPD rechtlich geschützt.

Politischer Standort

Die Sozialdemokratie unterscheidet sich von kommunistischen Bewegungen dadurch, dass sie die sozialen Probleme nicht durch eine Revolution der Arbeiterklasse, sondern durch Reformen zu bekämpfen versucht. Dabei steht sie dem Linksliberalismus nahe, der allerdings dem Staat nicht - wie die Sozialdemokratie - die entscheidende Rolle bei der Lösung aller politischen Probleme zuweist. In ihren Anfangsteiten verfolgte die Sozialdemokratie einen sozialen, an der gesellschaftlichen Klassenstruktur orientierten Volksbegriff, der sich auf die Arbeiterschaft konzentrierte.

Von Kommunisten wurde der Sozialdemokratie wegen des Verzichts auf gewaltsame Veränderung der Verhältnisse immer wieder Verrat an der Arbeiterklasse vorgeworfen. Von rechtsstehenden Kreisen wurde die Sozialdemokratie oft mit den Kommunisten gleichgesetzt, ihre demokratische Prägung als Tarnung diffamiert.

Geschichte

Die Sozialdemokratie hatte ihre Anfänge in Deutschland in der gescheiterten Revolution von 1848. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Arbeitervereine, die jedoch noch keine nachhhaltige politische Wirkung erzielen konnten und 1854 verboten wurden.

1863 gründete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), der sozialdemkratische Ziele vertrat. 1869 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) in Eisenach gegründet, 1875 in Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) und schließlich 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt. Trotz der Bekämpfung der Sozialdemokratie durch Bismarck (Sozialistengesetz) wurde sie zur stärksten politischen Kraft in Deutschland und kam nach dem von Deutschland verlorenen Ersten Weltkrieg an die Macht. Während der Weimarer Republik war die SPD größte staatstragende Partei und wurde daher von den Nationalsozialisten 1933 verboten. In der Bundesrepublik Deutschland übernahm sie zunächst die Oppositionsrolle, ab 1969 auch Regierungsverantwortung.

siehe auch: Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Aktuelle Lage

Da die soziale Lage der Arbeiterschaft in der Bundesrepublik Deutschland wesentlich verbessert wurde und damit Hauptforderungen der Sozialdemokratie eingelöst zu sein schienen, geriet die Sozialdemokratie als politische Bewegung in eine zunehmend kritische Situation. Diese Problematik wurde bis 1990 durch den Ost-West-Konflikt überdeckt, währenddessen die Sozialdemokratie sich als Gegenpol zur SED in der DDR profilieren konnte. Um sich neue Wählergruppen zu erschließen hat die SPD seither einen Kurs in Richtung auf die Neue Mitte eingeschlagen und will heute als reine Volkspartei ebenso Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ansprechen. Damit hat sie sich von ihrer alten Identität verabschiedet. Angesichts der sozialen Probleme in der Bundesrepublik Deutschland (Arbeitslosigkeit) ist die Idee einer sozialen Demokratie jedoch keineswegs überflüssig geworden.

Internationalismus

Die Sozialdemokratie sah sich von Anfang an nicht an eine einzige Nation gebunden, sondern erhob fast ununterbrochen (Ausnahme: Zustimmung zu Kriegskrediten, 1914) den Anspruch, eine internationale Bewegung zu sein. Sozialdemokratische Parteien sind weltweit in der Sozialistischen Internationale zusammengeschlossen.

siehe auch: Internationaler Frauentag





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