Dieser Artikel befasst sich mit dem Spiel als Tätigkeit. Andere Bedeutungen siehe unter Spiel.
Spiel ist eine Form der (sozialen) Interaktion von mindestens einem Menschen oder Tier typischerweise mit anderen Menschen oder mit Tieren, meist in einem abgegrenzten Umfeld (z.B. mit dem Computer, Lenkdrachen, Schnürsenkel, etwas weiträumiger in der Schnitzeljagd) nach mehr oder weniger klaren Regeln.
Vorwiegend werden Spiele von Kindern oder Jungtieren zum gefahrlosen Erlernen von Verhaltensweisen und anderen Fähigkeiten gespielt. Aber auch Erwachsene spielen, sei es zur Unterhaltung, zur Erholung oder zum Gelderwerb (Lotto, Glücksspiel).
Manchmal spielen auch Menschen mit anderen Menschen, ohne dass diese davon wissen, dass mit ihnen gespielt wird.
"Spiel" bezeichnet im weiteren Sinne auch den modellhaften Ablauf eines Szenarios, z. B. ein militärisches Planspiel in einem Sandkasten-Geländemodell.
In den Gesellschaftswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften wird die Spieltheorie zur Modellierung und Erforschung menschlicher Verhaltensmuster benutzt. Besonders bekannt sind z.B. das von dem Politologen Robert Axelrod untersuchte Gefangenendilemma und das Ultimatumspiel.
Spieltypen
Siehe auch:
Deutsches Spielearchiv,
Klassifikation der Brett- und Tischspiele
Spiel des Jahres
Zitate
- "Um es auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und ''er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."
(Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen)
- "Betrachte z.B. einmal die Vorgänge, die wir 'Spiele' nennen. Ich meine Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiel, Kampfspiele usw. Was ist allen diesen gemeinsam? - Sag nicht: 'Es muss ihnen etwas gemeinsam sein, sonst hießen sie nicht Spiele' - sondern schau, ob ihnen allen etwas gemeinsam ist. - Denn, wenn du sie anschaust, wirst du zwar nicht etwas sehen, was allen gemeinsam wäre, aber du wirst Ähnlichkeiten, Verwandtschaften, sehen, und zwar eine ganze Reihe. Wie gesagt: Denk nicht, sondern schau - Schau z.B. die Brettspiele an, mit ihren mannigfachen Verwandtschaften. Nun geh zu den Kartenspielen über: hier findest du viele Entsprechungen mit jener ersten Klasse, aber viele gemeinsame Züge verschwinden, andere treten auf. Wenn wir nun zu den Ballspielen übergehen, so bleibt manches Gemeinsame erhalten, aber vieles geht verloren. - Sind sie alle 'unterhaltend'? Vergleiche Schach mit dem Mühlfahren. Oder gibt es überall ein Gewinnen und Verlieren, oder eine Konkurrenz der Spielenden? Denk an die Patiencen. In den Ballspielen gibt es Gewinnen und Verlieren; aber wenn ein Kind den Ball an die Wand wirft und wieder auffängt, so ist dieser Zug verschwunden. Schau, welche Rolle Geschick und Glück spielen. Und wie verschieden ist Geschick im Schachspiel und Geschick im Tennisspiel. Denk nun an die Reigenspiele: Hier ist das Element der Unterhaltung, aber wie viele der anderen Charakterzüge sind verschwunden! Und so können wir durch die vielen, vielen anderen Gruppen von Spielen gehen, Ähnlichkeiten auftauchen und verschwinden sehen.
Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen, Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen."
(Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen)
Literatur
- Manfred Eigen, Ruthild Winkler: Das Spiel. Piper Verlag. ISBN 3-492-20410-4
- Zusatztext: Die Grundelemente des Spiels - Zufall und Gesetz - bestimmen jegliches Geschehen im Universum. So lassen sich Naturgesetze in Form von Spielregeln abstrahieren. Auf dem Spielfeld bilden sich Muster, Information entsteht, die Gesetze von Selektion und Entwicklung treten klar hervor. lesenswert.
- Linda Walz und Gerhard Seidl (Hrsg.): Lust am Spielen: Lesebuch einer Leidenschaft. Serie Piper Bd.3493. 2002 ISBN 3-492-23493-3
- Franz Müller-Spahn, Jürgen Margraf: Wenn Spielen pathologisch wird. 2003. ISBN 3-8055-7517-3
- Ein Buch über die Spielsucht.
- Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Rowohlts Enzyklopädie Nr.55435. ISBN 3-499-55435-6