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| Table of contents |
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2 Geschichtliches 3 Bestattungsriten |
Die Hauptfunktion des Tenno ist seine Rolle als oberster Priester des Shintoismus.
Seine politische Rolle beschränkt sich in der Verfassung von 1946 auf eine reine Symbolfunktion, die durch das Volk legitimiert ist. Er ernennt den Ministerpräsidenten, den Präsidenten des obersten Gerichtshofes, verkündet Gesetze, beruft das Parlament ein etc.
Die Institution des Tenno existiert seit der Gründung des japanischen Staatswesens im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Bemerkenswerterweise fand in der gesamten Geschichte des japanischen Kaiserhauses kein Dynastiewechsel statt, sodass seit über 1500 Jahren die gleiche Familie im Besitz des Tenno-Amtes ist. Diese Kontinuität wurde u.a. dadurch ereichtert, dass für das Tenno-Amt in Ausnahmefällen auch Frauen oder Adoptivsöhne eingesetzt werden konnten. In den ersten japanischen Reichchroniken, die 712 und 720 abgefasst wurden, wird die Sonnengottheit Amaterasu als Ahnherrin des Tenno angeführt.
Die Bedeutung des Tenno-Amtes hat sich im Laufe seiner Geschichte allerdings stark geändert. Bis zum 8. Jahrhundert stellten die Tenno tatsächlich die oberste Regierungsinstanz dar, im Laufe der Zeit wurde die Entscheidungsmacht des Tenno aber immer stärker durch Regenten, und schließlich durch die Shogune (Militärmachthaber) eingeschränkt. Im japanischen Mittelalter (12.- 16. Jh.) übernahmen die Shogune praktisch die gesamte Regierungsgewalt, schafften aber das Amt des Tenno nicht ab, sondern behielten es als Legitimation ihrer eigenen Rolle bei.
In dieser Form existierte das Tenno-Wesen auch während der sog. Edo- oder Tokugawa-Zeit (1600-1868) weiter. Es herrschten damals die Shogune der Tokugawa-Dynastie, die ihren Sitz in Edo, dem heutigen Tokyo, hatten, während der Tenno in Kyoto residierte. Dort war er aber weitgehend auf zeremonielle Funktionen beschränkt war.
Erst durch die Reformen des Jahres 1868, bekannt als "Meiji-Restauration", bekam der Tenno wieder mehr politische Bedeutung zugesprochen. Der ursprüngliche Gedanken dieser Reformen war eine Rückkehr zum Staatswesen des Altertums, als der Tenno noch alle Macht innehatte. Daher spricht man auch von einer "Restauration" (Wiederherstellung). Tatsächlich erfolgte nach 1868 aber eine rasante Umgestaltung des japanischen Staates in einen modernen Nationalstaat westlicher Prägung. Der junge Kaiser Meiji galt zwar als Oberhaupt des Staates, hatte aber de facto auch in dieser Regierungsform mehr zeremonielle Funktionen als wirkliche politische Gestaltungsmöglichkeiten.
Als Symbol des Staates spielte der Tenno aber in der nationalistischen Staatsideologie, die besonders im 20. Jahrhundert immer stärker forciert wurde, einen umso bedeutendere Rolle. Der Staat wurde als Familie dargestellt, der Tenno als Vater und die Untertanen als Kinder. Am göttlichen Ursprung des Tenno, wie er in den alten Mythen dargestellt wird, durfte nicht gezweifelt werden. Auch die japanische Eroberungspolitik, die schießlich im 2. WK. ihren Höhepunkt erreichte, wurde im Namen des Tenno geführt.
Dennoch wurde die Institution des Tenno nach dem verlorenen Krieg unter der amerikanischen Besatzung nicht abgeschafft, der Tenno wurde lediglich aller politischen Funktionen entkleidet und gilt seither nicht mehr als japanisches Staatsoberhaupt. Dass der Tenno aber nach wie vor eine wichtige symbolische Rolle in der japanischen Gesellschaft einnimmt, laesst sich daran erkennen, dass die japanische Zeitreichnung nach wie vor dem Regierungsjahr des jeweiligen Tenno folgt.
Beim Tod des Tenno ist nach dem Gesetz über den kaiserlichen Haushalt ein großer Bestattungsritus ("taiso no rei") abzuhalten. Der Ritus als solcher bedient sich stark shintoistischer Symbolik, ist aber trotz gegenteiliger Auffassung des Kaiserhauses eine Erfindung der Meiji-Ära. Das letzte Mal wurde ein solcher Ritus am 24. Februar 1989 bei der Bestattung des Showa-Tenno Hirohito durchgeführt.
Siehe auch: Herrschertitel, Japanische Kaiser
Funktion
Geschichtliches
Bestattungsriten