Textgeschichte des Neuen Testaments

Als Textgeschichte des Neuen Testamentss wird die Überlieferung des Textes durch Handschriften bezeichnet.

Die handschriftliche Überlieferung des Neuen Testaments ist besser und umfangreicher als die jedes anderen antiken Literaturdenkmals. Die ältesten Textzeugen liegen der Entstehungszeit der Originale sehr nahe.

Die für die Textgeschichte wesentlichen Handschriften werden aufgeteilt in

Table of contents
1 Material
2 Papyri
3 Majuskeln
4 Minuskeln
5 Frühe Übersetzungen
6 Entdeckung der Handschriften

Material

Als Material für die Handschriften wurde Papyrus und Pergament verwendet.

Papyrus war das Papier der Antike, das aus den gepressten Stängeln der Papyrusstaude hergestellt wurde. In feuchtem Klima sind Papyri nicht sehr haltbar, in trockenem jedoch so lange, dass Funde von antiken Papyri seit dem 19. Jahrhundert in Ägypten und Palästina für Aufsehen sorgten.

Die Handschriften sind entweder Rollen - vor der Beschriftung werden mehrere Papyrus- oder Pergamentblätter seitlich aneinandergeklebt und auf einen Stock gerollt - oder Kodizes, eine frühe Form unserer Bücher.

Papyri

Papyri sind die ältesten erhaltenen Handschriften des Neuen Testaments. Sie stammen aus dem 2. bis 7. Jahrhundert.

Papyri wurden ab dem 19. Jahrhundert entdeckt, als Ägypten und andere Länder des nahen Ostens für archäologische Ausgrabungen erschlossen wurden.

Einige wichtige Papyri-Sammlungen sind nach dem Käufer (Chester Beatty, Bodmer) oder nach dem Fundort (Oxyrrhynchus) benannt. Papyri werden in der Textkritik mit Zahlen abgekürzt, die mit einem p beginnen. Es sind heute über 4000 Papyri bekannt, die jedoch zum Teil nur sehr kleine Bruchstücke sind.

Die wichtigsten Papyri sind

Majuskeln

Majuskeln nennt man in großen Buchstaben auf Pergament geschriebene Handschriften, einem teureren aber haltbareren Material das in der Zeit des Neuen Testaments besonders für wertvolle Dokumente verwendet wurde.

Es sind heute etwa 300 Majuskeln bekannt, die aus dem 4. bis 9. Jahrhundert stammen. Sie werden mit in der Textkritik mit Großbuchstaben abgekürzt, oder mit Zahlen, die mit einer Null beginnen.

Die wichtigsten davon sind

Codex Bezae

Dieser Codex war der einzige Bibeltext aus dem ersten Jahrtausend, der im 16. Jahrhundert bekannt wurde. Theodor Beza, der Nachfolger Johannes Calvins, schenkte diesen Codex der Universität von Cambridge. Gemäss Beza sei der Codex vorher im Kloster St. Irenäus bei Lyon gewesen.

Der Codex Bezae enthält die vier Evangelien in der Reihenfolge der westlichen Handschriften (Matthäus, Johannes, Lukas, Markus) und einen Teil der Apostelgeschichte.

Der Codex Bezae besteht aus 406 einspaltig beschriebenen Blättern. Die linke Seite ist jeweils griechisch, die rechte Lateinisch.

Minuskeln

Minuskeln nennt man die in Kleinbuchstaben der Minuskelschrift geschriebene Handschriften, die aus dem 9. bis 15. Jahrhundert stammen. Es sind etwa 2500 Minuskeln katalogisiert.

Das geringe Alter beschränkt den Wert der Minuskeln für die Textkritik, es gibt jedoch einige, die nah mit wesentlich älteren Handschriften verwandt sind. Codex 33 ist z.B. in der höchsten Qualitätsstufe eingeteilt.

Frühe Übersetzungen

Syrisch

Es werden fünf verschiedene syrische Übersetzungen des Neuen Testaments unterschieden, die zwischen dem zweiten und sechsten Jahrhundert entstanden sind: die altsyrische Übersetzung, die Peschitta, die Philoxenische, die Harcleanische und die palästinisch-syrische.

Latein

Vor der bekannten Vulgata des Hieronymus aus dem späten 4. Jahrhundert gab es verschiedene lateinische Übersetzungen, die in Afrika, Italien und Gallien entstanden. Die ältesten entstanden im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts in Afrika.

Koptisch

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts entstanden die ersten Übersetzungen ins Koptische.

Gotisch

Wulfila übersetzte die Bibel um die Mitte des 4. Jahrhunderts ins Gotische.

Armenisch

Die armenische Übersetzung aus dem 5. Jahrhundert, auch die "Königin der Bibelübersetzungen" gilt als genaueste der frühen Bibelübersetzungen. Von der Vulgata abgesehen, sind von keiner andern Übersetzung annähernd so viele Manuskripte erhalten.

Entdeckung der Handschriften

Gegenwärtig sind etwa 5000 Handschriften bekannt, die den ganzen oder einem Teil des griechischen Neuen Testaments enthalten. Der größte Teil davon wurde in den letzten 200 Jahren gefunden.

Zur Zeit der Reformation war, abgesehen vom Codex Bezae, keine Handschrift bekannt, die vor dem 11. Jahrhundert entstanden war.

Im Jahr 1627 bekam König Karl I. (England) vom Patriarchen von Konstantinopel den Codex Alexandrinus geschenkt. Diese Kodex wurde im 18. Jahrhundert publiziert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zwei der wichtigsten Majuskeln publiziert, der Codex Vaticanus und der Codex Sinaiticus.

Um 1900 wurden die Oxyrhynchus Papyri entdeckt, 1930 die Chester Beatty Papyri und 1950 die Bodmer Papyri.

Siehe auch Textkritik des Neuen Testaments

Weblinks