Transferkunst

Transferkunst (englisch: Transfer Art; nach lateinisch "transferre": "übertragen") ist ein Fachbegriff (Terminus) für transdisziplinäres, künstlerisches Arbeiten und bezeichnet eine künstlerische Methode der ästhetisch-reflexiven Erzeugung und Vermittlung von Erkenntnissen und Bedeutungen.

Transferkunst ist Kunst, die sich nicht mehr über konkrete Gegenstände definiert, sondern über Ideen und mentale Konzeptionen (Vorstellungen). Die Umsetzung solcher Vorstellungen kann durchaus zu gegenständlichen Objekten führen, muss es jedoch nicht.

Bei der Kunstkategorie der Transferkunst werden unterschiedliche Lebensbereiche und Wertesysteme inhaltlich in Beziehung gesetzt. Besondere Beachtung findet die erkenntnisfördernde, kommunikationsfördernde und vermittelnde, also die assoziierende und relativierende Funktion ästhetischen Handelns. »Transfer« bedeutet hierbei die übertragend-interpretierende Handlung als Vermittlungsleistung. (Vergleiche inhaltlich: "Übersetzung")

Die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen, der Diskurstransfer und der Wissenstransfer sind heute wichtiger als jemals zuvor. Denn in der Berufswelt und in der Forschung erleben wir eine paradoxe Situation: Einerseits wird vom Einzelnen eine verstärkte Spezialisierung innerhalb seines Tätigkeitsfeldes, andererseits mehr Flexibilität gefordert - ein Spagat, der nur schwer gelingt. Kann die Kunst hier Funktionen als transdisziplinäres Agens übernehmen?

Wir erleben einen Prozess, in dem sich der Horizont künstlerischer Tätigkeit hin zu fundiertem, gesellschaftsorientierten Arbeiten öffnet und dabei Wirtschaft und Wissenschaft die Chance bietet, von qualifizierter künstlerischer Kompetenz zu profitieren. Der daraus entstehende Mehrwert ist ein im umfassenden Sinn kultureller. Kunst als Transferdisziplin - also die Transferkunst kann der Schlüssel dafür sein. Kunst fördert nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung bezüglich ästhetischer Kompetenz und Wahrnehmungsfähigkeit, sie erbringt auch eine gesellschaftliche Transferleistung.

Wir sprechen von »Transferkunst«, wenn künstlerisch-ästhetische Strategien die kritische, differenzierende Vermittlung lebenspraktischer Bedürfnisse an Wissenschaft, Politik und Wirtschaft - sowie umgekehrt die Kommunikation und Integration von Erkenntnissen und Erfahrungen dieser Subsysteme in der Gesellschaft zum Ziel haben. Damit kann Kunst in einem der wichtigsten Bereiche unserer so genannten »Wissensgesellschaft« eine entscheidende Rolle im Wissens- und Technologietransfer einnehmen.

Mit unterschiedlichen eingreifenden Strategien erweitern Künstlerinnen und Künstler ihren Aktionsraum. Sie fühlen sich nicht länger einem objektzentrierten Kunstmarkt verpflichtet, sondern finden und erfinden operative, prozesshafte Formen in der Zusammenarbeit mit Partnern in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dabei nimmt die Erforschung und Reflexion systemischer Verhältnisse einen wichtigen Platz ein. Künstlerische Forschung kann so ganz wesentlich zur Vermittlung und Aneignung von innovativer Welterfahrung beitragen.

Kunst als Reflexionsarbeit. Transferkunst steht für eine Methode ästhetisch-reflexiver Erzeugung und Vermittlung von Erkenntnissen und Bedeutungen; Reflexionsarbeit wird dabei in ästhetischer Form geführt und daraus gewonnene Erkenntnisse in den inhaltlichen Diskurs zurück transferiert.

Transferkunst erfüllt dabei wesentliche Schlüsselfunktionen innerhalb der modernen Wissensgesellschaft: Sie trägt zum Erkenntnisgewinn bei, gestaltet dessen Vermittlung und unterstützt die Integration in die alltägliche Lebenspraxis. Künstlerische Kompetenz kann so als ein Katalysator verstanden werden, der gesellschaftlichen, ökonomischen oder wissenschaftlichen Prozessen Dynamik verleiht und ihnen kritische, innovative und nachhaltige Impulse gibt.

Ruediger John (Österreich) und Klaus Heid (Deutschland) gehören zu den wesentlich Beitragenden dieser Entwicklung in künstlerischer Theorie und Praxis. Mit ihrer künstlerischen Forschung und Definitionsarbeit haben sie die Grundlagen hierzu erarbeitet. Ein weiterer Wegbereiter dieser Überlegungen ist der Privatgelehrte, Philosoph und Philanthrop Danto Granosalis, der aus seiner umfassenden Beschäftigung mit gesellschaftlichen Fragestellungen und Phänomenen bereits im frühen 20. Jahrhundert zentrale Thesen und Essays hierzu aus einer sozialwissenschaftlichen (würde man heute sagen) Sicht verfasst hat.

Transferkunst bricht mit dem tradierten, medienorientierten Kanon der bildenden Kunst (Malerei, Skulptur etc.), wie auch mit der üblichen Spartentrennung zwischen Literatur, bildender und darstellender Kunst, da nicht mehr die medienspezifische Einordnung, sondern die Prozesse und künstlerischen Intentionen als wesentliche Merkmale der Tätigkeiten in den Künsten herangezogen werden.

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