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Nicht einmal 15 Jahre, genauer vom 9. November 1918 („Zweifache Ausrufung der Republik“) bis zum 30.1.1933 (Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg), bestand die erste deutsche Demokratie. Ihre Anfänge waren geprägt vom verlorenen Weltkrieg und den Richtungskämpfen der politischen Massen.
Obwohl Ende 1918 der militärischen Führung des Deutschen Reiches die Niederlage bewusst war, war es ihr nicht so einfach möglich, einen Waffenstillstand mit den Alliierten zu vereinbaren, da diese nur bereit waren, mit demokratisch legitimierten Politikern zu verhandeln. Dieser Umstand führte dazu, dass die militärische Niederlage Deutschlands später in der instabilen Republik mit der Demokratie, zumindest aber mit ihren Vertretern, in Verbindung gebracht wurde. So wurde Ende 1918 von Hindenburg die Dolchstoßlegende formuliert. Sie diente später anti-demokratischen Gruppierungen wie der NSDAP als Grundlage.
Letztlich konnten sich die Demokraten unter der Führung von Reichskanzler Ebert (MSPD) 1918 und 1919, als die Weimarer Verfassung ausgearbeitet und ratifiziert wurde, gegen die Feinde der Republik durchsetzen. Unmittelbar nach der Entmachtung Kaiser Wilhelms und der Ausrufung der Republik durch Ebert und Scheidemann versuchten verschiedene Gruppen Einfluss zu gewinnen. Die von den Fronten zurückströmenden Soldaten wurden teils von ihren Offizieren in Freikorps, die der alten Ordnung verpflichtet waren, organisiert. Der Spartakusbund versuchte hingegen eine Räterepublik nach russischem Vorbild zu schaffen. Straßenkämpfe waren die Folge. Einen Aufstand des Spartakusbundes Ende 1918/Anfang 1919 hatte die kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassene Rosa Luxemburg für verfrüht erklärt. Dennoch kam es dazu. Mit Karl Liebknecht gründete sie die KPD als Nachfolger des (Spartakusbund). Von Freikorps aus einem Hotel entführt wurde sie mit Karl Liebknecht am 15. Januar 1918 ermordet. Mit ihm gemeinsam hatte sie 1914 als eine der wenigen Abgeordneten der großen sozialdemokratischen Fraktion gegen die Kriegskredite Kaiser Wilhelms gestimmt.
Schon von Begin an zeigten sich die Spannungen und Konflikte, welche die junge und instabile Republik zu meistern hatte. Zuerst schien die Demokratie zu siegen. Immerhin überlebte sie die Inflation und den Ruhrkampf. 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Rheinland, da das Deutsche Reich den Forderungen nach Reparationszahlungen nicht nachkam. Auch Hitlers Putschversuch in München (1923) brachte die Republik nicht zum Erliegen. Doch mit Beginn der Weltwirtschaftskrise veränderte sich diese Lage schlagartig.
Es gehörte zur Tagesordnung, dass die Reichregierung mittels Notverordnungen am Parlament vorbei regierte. Der ständige Wechsel zwischen den Regierungsparteien trug nicht zu mehr Vertrauen in die Demokratie bei. Insgesamt 6 Millionen Arbeitslose zählte man im Deutschen Reich im Jahr 1933. Viele Menschen lebten am Existenzminimum. Anders als bei der Inflation von 1923 war diese Wirtschaftskrise keine nationale, sondern eine internationale. Das bedeutet, dass die Bewältigung einer internationalen Wirtschaftskrise nicht nur von der Kompetenz der eigenen Regierung abhängt, sondern von der Zusammenarbeit vieler Staaten.
Das Vertrauen in die Demokratie und die Republik sank immer mehr. Die Menschen machten die Republik für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. Die Rufe nach einem "Starken Mann", der das Deutsche Reich wieder zu alter Größe und altem Ansehen bringen sollte, wurden immer lauter.
Auf diese Forderungen gingen besonders die Nationalsozialisten ein, die gezielt mittels Propaganda und der Personifikation Hitlers das Bild des "Starken Mannes" suggerierten. Sie verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen und benutzten völlig moderne Formen des Wahlkampfes. Unter anderem emotionalisierten sie den Wahlkampf und konnten so gegenüber den anderen Parteien punkten. Vor allem aus dem bürgerlichen Lager rekrutierte die NSDAP ihre Wählerschaft.
Hitler griff alles an, was mit der Demokratie in Verbindung gebracht wurde, vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien bis hin zum eigentlichen demokratischen Prinzip (Parlament, Reichsregierung,...).
Aber nicht nur der rechte Flügel Deutschlands erstarkte, sondern auch der linke. Die Republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen kaum Stimmen und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament. Immerhin stimmten 1933 fast 60% der Deutschen nicht für die Nationalsozialisten. Trotzdem gelang es der NSDAP, unter Einsatz von Gewalt- und Mordandrohungen an linke und demokratische Abgeordnete, mit Hitler 1933 den Reichskanzler zu stellen. So zogen zum Beispiel Mitglieder der SA in den Reichstag ein, als über das Ermächtigungsgesetz debattiert wurde. Der Einsatz oder die Androhung von Gewalt, sowohl auf der Straße, als auch in den Parlamenten, waren ein häufig verwendetes politisches Mittel der NSDAP.
Reichspräsident Hindenburg unterschätzte das Kabinett Hitlers, bestehend aus den Konservativen unter Führung von Franz von Papen und den Nationalsozialisten. Von Papen wollte den Einfluss der Konservativen im Deutschen Reich stärken. Den Nationalsozialisten kamen die Ereignisse von 1933 sehr gelegen. Hitler wurde zu einer Zeit Reichskanzler, als seine Partei aufgrund von inneren Spannungen kurz vor der Auflösung stand. Was die Nationalsozialisten als "Machtergreifung" bezeichnen, um damit Stärke zu suggerieren, war in Wirklichkeit eine Art Machtübergabe. Ihr Kampf um die Regierungsgewalt, wie sie es immer behaupteten, fand nie wirklich statt. Vielmehr waren es aus ihrer Sicht eine Reihe von glücklichen Umständen, die es ihnen möglich machten, die Macht zu übernehmen.