Vernunft

Vernunft gilt als die höchste geistige Fähigkeit des Menschen. Die Vernunft steht über dem Verstand.

Ansätze zum Verständnis von Vernunft

Nach Immanuel Kant ist Vernunft "das Vermögen der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien".

Nach Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist Vernunft hingegen "die Gewißheit des Bewußtseins, alle Realität zu sein.".

An der unterschiedlichen Erklärung beider Philosophen wird ein unterschiedlicher erkenntnistheoretischer Ansatz deutlich. Für den Idealisten Hegel bedeutet Vernunft alle Realität, weil es eine materielle Außenwelt für ihn gar nicht gibt. Alles ist Geist. Für Kant hingegen war es wichtig, zu prüfen, wo die Grenzen der Möglichkeiten der reinen Vernunft liegen. Dieser Prüfung unterzog er sich in der Kritik der reinen Vernunft. Danach liefert die Vernunft sehr wohl Erkenntnismöglichkeiten, aber eben nicht alle Realität.

Im 20.Jahrhundert wurde die Vernunftkritik angesichts der Schrecken der Industrialisierung (Shoa, Imperialismus, Umweltzerstörung...) wieder verstärkt hervorgebracht. V.a. von der Frankfurter Schule und von FeministInnen. Der Kern der Argumentation ist, daß mit der theoretischen Ausblendung der von der Vernunft nicht erfassbaren Aspekte eine praktische Vernichtung verbunden ist. Die Aufklärung sei ein männliches, europäisches Projekt das sich nur durch die Unterdrückung der anderen Seite durchsetzten konnte. Das Andere der Vernunft stellen Frauen, Nicht-EuropäerInnen, die innere und die äußere Natur des Menschen dar.

Siehe auch: Geist, Erkenntnistheorie

Literatur

(zur Vernunftkritik) Daniel Kulla: Warum schlug Marek seinen Kopf gegen die Mauer?, Löhrbach 2001, ISBN 3922708439





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