Wiege der Menschheit (biblisch)

Der Begriff Wiege der Menschheit bezieht sich im religiösen Kontext auf eine geographische Region, die fünfzehn Länder miteinschließt, die innerhalb eines 1.000-Meilen-Radius der Position liegen, die im 1. Buch Mose ("Genesis") als der Geburtsort der Menschheit beschrieben wird. Der Begriff ist nicht bedeutungsgleich mit "Wiege der Zivilisation."

Die Wiege der Menschheit umfasst demzufolge heute das Gebiet der folgenden fünfzehn Nationen: Bahrain, der Gazastreifen, der Iran, der Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Qatar, Saudi Arabien, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und das Westjordanland.

Ursprung des Begriffs

Gemäß den traditionellen Vorstellungen des jüdisch-christlichen Glaubens liegt der "Geburtsort der Menschheit" in der Region von Euphrat und Tigris. Die Bibel macht die folgende Ortsangabe (1. Buch Mose, Kapitel 2, Verse 8 bis 14):

"Ein Fluss, der den Garten wässert, floß von Eden, und dort teilte er sich. Er hatte vier Köpfe. Der Name des erstens ist Pishon. Es schlingt sich durch das gesamte Land von Havilah, in dem es Gold gibt. Das Gold dieses Landes ist gut; aromatisches Harz und Onyx sind auch dort. Der Name des zweiten Flusses ist Gihon; es schlingt sich durch das gesamte Land von Kusch. Der Name des dritten Flusses ist Tigris; es läuft entlang der Ostseite von Ashur. Und der vierte Fluss ist der große Fluss Euphrat."

Diese Worte, die in der Bibel Moses zugeschrieben werden, beschreiben Flüsse, die noch heute bestehen. Für Menschen, die den Inhalt der Bibel im buchstäblichen Sinne verstehen, bestimmen sie die Position von Eden als einen geographisch lokalisierbaren Ort und zwar den Punkt gerade westlich der Grenze zwischen dem Irak und dem Iran und gerade nördlich des Nordufers des persischen Golfs.

Man nimmt an, daß der 1.000-Meilen-Radius um Eden als Begrenzung der Wiege der Menschheit von den frühen arabischen Christen "festgelegt" wurde. Sie waren die dominierenden Einwohner von Mesopotamien, Syrien und Ägypten vom zweiten bis in das neunte Jahrhundert hinein, sogar noch nach der muslimischen Eroberung der Region.

Mit dem Anbruch der ottomanischen Periode (1516 - 1918) scheint der Begriff in einem Großteil des Reiches angenommen worden zu sein; wichtig, wenn man berücksichtigt, dass das Reich sich durch große Teile Südeuropas erstreckte und für mehr als 400 Jahre großen kulturellen Einfluss ausübte. Früh im 19. Jahrhundert kamen evangelische Missionare in die Region und fanden, dass der Begriff eine gemeinsame Grundlage bot, um den Einwohnern ihre Lehren vorzustellen.

Gebrauch des Begriffs

Der Ausdruck Wiege der Menschheit wird häufig dann verwendet wenn der Begriff "Naher Osten" zu vieldeutig erscheinen würde. Letzterer wird auch wegen der aus dem britischen Kolonialismus stammenden Denkweise, die Staaten nach ihrer Nähe zum englischen Mutterland zu bezeichnen, in Ländern dieser Region abgelehnt.

Weiter beginnt eine wachsende Anzahl von Etymologen, Religionswissenschaftlern und anderen zu bestätigen, dass unabhängig von der biologischen Perspektive die Bezeichnung "Wiege der Menschheit" die Einflüsse, die diese Region auf Sprache, Kultur und Religion der Menschen ausgeübt hat, widerspiegelt.

Siehe auch: Schöpfungsbericht, Wiege der Menschheit (anthropologisch), Wiege der Zivilisation, Wiege Europas





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