Williram von Ebersberg

Williram von Ebersberg († 3. Januar 1085), Mönch, Gelehrter, Abt im bayerischen Benediktinerkloster Ebersberg.

Williram, aus einer mittelrheinischen Adelsfamilie entstammend, war u.a. verwandt mit dem Kölner Erzbischof Heribert (999-1021), dem Würzburger Bischof Heinrich I. (995-1018) und dem Eichstätter Bischof Heribert (1022-1042). Williram erhielt eine geistliche Ausbildung und wurde um 1020 Mönch im Kloster Fulda, dann in den 1040er-Jahren Lehrer im Bamberger Kloster Michelsberg, u.a. unter Abt Suidger, dem Papst Klemens II (1046-1047). Williram gehörte zum Hofkreis Kaiser Heinrichs III (1039-1056). Er wurde 1048 Abt im unbedeutenden Benediktinerkloster Ebersberg (1048-1085), doch verhinderte der Tod des Herrschers eine weitere Karriere im Reichsdienst. Schon seit seiner Bamberger Zeit war Williram wegen seiner literarischen Tätigkeit anerkannt. Im Kloster Ebersberg, das er ? so gut es ging ? wirtschaftlich und kulturell förderte (Klosterbesitz, Wirtschaftsbücher, Skriptorium, Klosterbauten), schrieb der Gelehrte 1060/1065 sein Hauptwerk, eine Paraphrase (Expositio) des Hohen Liedes König Salomos, die er ? vergeblich ? König Heinrich IV widmete. Die Hoheliedparaphrase, die inhaltlich auf den Ausführungen des Haimo von Auxerre (Mite des 9. Jahrhunderts) fußt, kommentiert den (lateinischen) Bibeltext auf Latein in leonischen Hexametern und bietet zudem eine althochdeutsche Übersetzung mit einer Auslegung in einer deutsch-lateinischen Mischsprache. Die Paraphrase Willirams ist in über 42 mittelalterlichen Handschriften vertreten und damit das am besten überlieferte volkssprachliche Werk des Frühmittelalters. Daneben sind von Williram kleinere lateinische Gedichte überliefert sowie eine 1071 verfasste Bearbeitung der Vita des Bischofs Aurelius. Letztere hat Williram auf Wunsch des Abtes Wilhelm von Hirsau (1069-1091) angefertigt. Williram starb am 3. Januar 1085.

Literatur

Abkürzungen