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Er wurde oft als der Schwaben-Rocker bezeichnet, denn Wolle Kriwanek verband als einer der ersten Musiker Blues und Rockmusik mit Dialekt im allgemeinen und dem Schwäbischen im Besonderen. Als sein Erweckungserlebnis gilt ein Mitte der 1960er Jahre im Fernsehen übertragenes Konzert von Mahalia Jackson, das er später im Lied Sing Hallelujah beschrieb. Ein Vollbart und die Lockenmähne im Afro-Look trugen zu seinem Spitznamen Wolle bei.
Die ersten Versuche Ende der 1960er Jahre, mit schwäbischen Texten den Blues zu singen, stießen allenthalben auf Unverständnis, insbesondere beim Stuttgarter Radiosender. Blues könne man nur auf Englisch singen, und auf Deutsch nur Volksmusik, hieß es. Die Überlegung, daß US-Amerikanische Bluesmusiker auch nicht in Oxford English singen, sondern in ihrer Umgangsprache, konnte noch nicht nachvollzogen werden.
Als erster Erfolg gilt sein Sieg beim Schlagerwettbewerb auf dem Backnanger Straßenfest im Jahre 1971, eine Premiere sowohl für Fest, Wettbewerb als auch Sänger. Dieser schwäbischen Stadt blieb er zeitlebens verbunden. Zehn Jahre später etwa trat er zusammen mit den Schulz Bros. wieder auf der Bühne am Obstmarkt auf, nur wenige Meter von seiner späteren Wohnung entfernt. Zudem war er lange Jahre Juror beim Schlagerwettbewerb des Straßenfestes.
Der Erfolg von Udo Lindenberg ebnete 1975 auch dem Schwaben den Weg in die Massenmedien, etwa zu einem Auftritt bei der ZDF-Drehscheibe mit Lila Tilla, allerdings eher in massenkompatiblem Hochdeutsch gesungen. Das von einem Ragtime-Klavier unterlegte Spottlied über die farblichen Vorlieben einer Dame findet sich auf dem Sampler Deutsche Schlager 1973 - 1976.
Trotz aller Unkenrufe verband er in seinem Bad-Wanna Blues, in dem schlicht das traditionelle Wannenbad am Samstagabend (vor der ARD Sportschau) beschrieben wird, die englische und schwäbischen Sprache auf doppeldeutige Weise ("Dann feel I me so wohl, vom Kopf bis runter zur soul"), wie später noch z.B. in Reggae Di uff?.
Kriwanek's Karriere ist seit 1975 geprägt von der kongenialen Zusammenarbeit mit Paul Vincent Gunia, der fast alle Lieder zusammem mit Wolle schrieb und dessen schwäbischen Gesang mit einprägsamer Slide-Guitar kräftig unterstützte.
Ende der 1970er bis Anfang der 1980er brachten die beiden mehrere LPs heraus, meist als "Wolle Kriwanek & Schulz Bros.", u.a. Let's fetz.
Als bekanntestes Lied gilt die Stroßaboh, eine vergebliche musikalische Hetzjagd nach der letzten Straßenbahn der Linie 5, die an diesem Abend fährt. Dieser dynamische Song, der auch 20 Jahre später noch gut in den Soundtrack von Lola rennt gepaßt hätte, wurde auch in einer englischen Version aufgenommen.
Einen ironischen Kommentar auf den damaligen Weltraum-Boom (Erich von Däniken, Unheimliche Begegnung der 3. Art) sowie das Selbstverständnis der Schwaben erhält das UFO, bei dem ein Wanderer von einer Fliegenden Untertasse besucht wird. Der Versuch, den neugierigen Touristen aus dem Weltall artig auf Hochdeutsch Auskunft zu erteilen, scheitert an deren Aufforderung "Mensch, schwätz weiter schwäbisch, wie mir au!".
In den drei winterlichen Liedern Draußa em Wald Es schneielet und En meiner Stuaba entwickelt Kriwanek kleine Volkslieder weiter zum "guten alten schwäbischen Blues" oder gar zum "Rrrrock! ... Let's fetz!".
Der geschäftstüchtig(er)e Landsmann Gotthilf Fischer samt dessen Fischer Chören wurden humorvoll-kritisch in Wir singen für Millionen auf die Schippe genommen.
Aber auch über die Grenzen des Ländle hinaus hat sich Kriwanek gewagt, etwa in die berüchtigte Hamburger Herbertstr., an deren Ende jedoch die schwäbische Sparsamkeit obsiegt.
Selbst die Auszählreime von Kindern dienten als Ausgangspunkt für philosophische Betrachtungen über das Leben des "kleinen Ralf, der Hänsle heißt", der in Enne Denne Dubbe Denne durch willkürliche Entscheidungen Dritter gebeutelt wird und am Ende gar von Petrus am Himmelstor per Kinderreim ausgezählt wird.
Einige Lieder beschreiben ironisch die Träume von Kleinbürgern, so etwa dem Büroangestellten, der im Monumental-Epos Babylon untermalt von trompetenden Kriegselefanten von einem Leben als Pharao samt grenzenlosem Reichtum und Macht phantasiert, gekrönt von "Geld, Soldaten, a Grundstück ond a Haus". In Easy Rider verzählt sich der Bankangestellte beim Träumen von der Harley, während sich der arrogante Fahrer eines Mercedes 500SE im sogenannten "PS-Walzer" I fahr Daimler nur als Chauffeur entpuppt.
Anfang der 1980er war Wolle Kriwanek zumindest im 3. Fernsehprogamm des Südwestens ein häufiger Gast, u.a. bei einem Auftritt zusammen mit Caterina Valente. Dann brach jedoch die Neue Deutsche Welle mit ihren vielen Eintagsfliegen über einen ihrer Vorreiter herein.
Mitte der 1980er kehrte Wolle Kriwanek dem unsteten Leben als Profimusiker den Rücken und in seinen ursprünglichen Beruf zurück, mit neuem Wohnsitz in Backnang. Nebenbei machte er weiterhin solide Musik, jedoch mit deutlich geglätteten Texten, bei denen man das urige schwäbische G'schmäckle der früheren Jahre vermißt.
Für mehrere sportliche Anlässe hat er Hymnen beigesteuert, so Ready, Steady, Go! für die Leichtathletik-EM 1986 in Stuttgart, für die Silver Arrows von Mercedes in der Formel 1, Stuttgart kommt! für den VfB Stuttgart.
Sein letztes Werk war der Song zur innerdeutschen Bewerbung von Stuttgart für die Olympischen Spiele 2012
1969 machte er sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart und studierte anschließend bis 1972 Englisch und Geographie an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg.Von 1972 bis 1974 unterrichtete er an der Sonderschule für Lernbehinderte in Ditzingen.Von 1974 bis 1976 studierte er Lernbehinderten- und Verhaltensgestörtenpädagogik an der Fachhochschule Reutlingen. Das 2. Staatsexamen machte er von 1976 bis 1980 an der "Metter"-Schule (Schule für Lernbehinderte) in Bietigheim-Bissingen.
Von 1980 bis 1988 war er Profi-Musiker.
Wolle Kriwanek kehrte 1986 in seinen Beruf als Sonderschullehrer zurück und arbeitete an der Bodenwaldschule (Sonderschule für Erziehungshilfe) in Winnenden.
Er war aber weiterhin mit der "Wolle Kriwanek Band" aktiv.
Weitere Bandmitglieder:
Die Ursache für den plötzlichen Tod am Ostermontag 2003 war vermutlich der Bruch einer Schlagader, der auf eine angeborene Herz-Gefäßschwäche zurückging.
Alben auf LP bzw. CD:
Lebenslauf
1996 wurde er 1. Vorsitzender der Rockstiftung Baden-Württemberg.
Lieder:
Auszeichnungen:
Siehe auch: